Irak
Von der Republik der Angst zur bürgerlichen Demokratie?
Mary Kreutzer, Thomas Schmidinger (Hg.)
|
ça ira Verlag
420 Seiten,
ca. 19,00 €,
ISBN 3-924627-85-1
>>
Inhalt
Bestellen:
bei ça
ira
|
|
Zum Buch:
Im ihrem Sammelband befassen sich überwiegend irakische AutorInnen
mit der Geschichte des Irak bis zum Sturz Saddam Husseins und den
aktuellen Entwicklungen seit April 2003. Die AutorInnen, die ein
breites politisches Spektrum von gemäßigten schiitischen
Islamisten über Vertreter kurdischer Parteien und den irakischen
Grünen bis hin zu Kommunisten und einer Arbeiterkommunistin
repräsentieren, befassen sich dabei im Gegensatz zu den meisten
bisher zum Irak erschienenen Büchern bewußt aus einer
irakischen Perspektive mit der politischen Entwicklung des Irak
und ermöglichen damit völlig andere Einblicke in die Geschichte
des irakischen Ba´thismus und die Perspektiven nach dem Sturz
Saddam Husseins, als dies in der europäischen Presse üblich
ist.
Context XXI, Wien:
Irak. Von der Republik der Angst zur bürgerlichen
Demokratie?
gelesen von Heide Hammer
Der vielfach lediglich proklamierte Anspruch einer Unterstützung
des „Für sich selber Sprechens“ durch europäische
BeobachterInnen, ExpertInnen oder AktivistInnen findet im vorliegenden
Sammelband eine gelungene und differenzierte Entsprechung. Dass
in der Wahl der AutorInnen kein beliebig breites Spektrum einer
Analyse der gegenwärtigen Situation im Irak präsentiert
wird, sondern jene Raum zur Darstellung ihres Wissens um spezifische
Zusammenhänge nutzen, die an einer demokratischen Entwicklung
des Staates Interesse haben, ist überaus erfreulich. Dabei
kann die Gretchenfrage der Positionierung zum US amerikanisch geführten
Krieg gegen das ba’thistische Regime in den Hintergrund treten
und die Beiträge den aktuellen Problemfeldern und ihren historischen
Implikationen gewidmet werden.
Die Kompilation gliedert sich in drei Blöcke: Teil 1, „Das
blutige 20. Jahrhundert“ umfasst Texte zu Herrschaft und Ideologie
der Ba’thpartei, der Verfolgungspraxis des Regimes sowie zu
den bedeutendsten Oppositionsströmungen. Darin findet sich
auch der sehr gute und detailreiche Beitrag des Politikwissenschafters
Hussain Ali Bawa, der ein ideologisches Kernelement der Ba’thpartei
und somit der Staatsorganisation, die umfassende Etablierung des
„Führerprinzips“, erklärt. Der darauf folgende
Aufsatz von Thomas Uwer und Thomas von der Osten-Sacken, die im
Rahmen der Organisation Wadi seit mehreren Jahren Projekte im Nordirak
unterstützen, beschreibt nicht nur das gestürzte Herrschaftssystem,
sondern beschäftigt sich mit den psychosozialen Auswirkungen
dieses Führerkults. Die Folgen der und die eher simple Argumentation
einer ideologischen Nähe nahöstlicher Diktaturen und islamistischer
Terrorgruppen in der „unheimlichen Interesselosigkeit“
der Bevölkerung zu sehen und in einer „Hölle der
Abstraktion“ Islamisten, Panarabisten und (Teile der) Linken
zu vereinen, bietet zumindest eine hinreichende Präzisierung
ihrer Position, um weiterführende Auseinandersetzungen zu befördern.
Den Fragen von Terror und Widerstand widmet sich Andrea Fischer-Tahir
entlang des „Kurdistan-Konflikts“ und beweist darin
die Möglichkeit einer klugen Verbindung von poststrukturalistischen
und Cultural Studies Ansätzen mit umfangreichen ethnologischen
und religionswissenschaftlichen Kenntnissen. Ihre feministische
Perspektive relativiert auch die Kürze der explizit frauenspezifischen
Themenbeiträge.
In Teil 2 „Die USA, Europa, der Irak und der Krieg“
wird auch manche klassische Motivationsphantasie der kriegerischen
Intervention untersucht, etwa in einem Beitrag der Herausgeberin
die Bedeutung der beliebten Ölthese. Mary Kreutzer beleuchtet
entgegen der verbreiteten Interpretation „fremder Gier“
die Funktion des Rohstoffs in den konkreten diktatorischen Unterdrückungsverhältnissen.
Weitere mediale und aktivistische Konjunkturen in der Argumentation
von KriegsgegnerInnen und –befürworterInnen werden in
diesem Kapitel nachgezeichnet, darunter die Rolle der Vereinten
Nationen, deutsche Exporte für Waffen- und Giftgasproduktionen
oder die rechtsextreme und friedensbewegte Begeisterung für
das „irakische Volk“.
Im abschließende dritten Block widmen sich die Diskussionsbeiträge
Fragen des Umgangs mit der Vergangenheit, den Optionen von Föderalismus
und partizipativen Bestrebungen und den agierenden Terrorgruppen.
Deren Zusammensetzung und Kooperation bzw. Konkurrenz wird auch
mittels historischer Exkurse beschrieben und unterschiedliche Lösungsansätze
formuliert. Terrorismus steht als zentrales Element am Beginn und
am Ende der ba’thistischen Strukturen. Dass alltägliche
Bemühungen um demokratische Vergesellschaftungsformen von den
Besatzungsmächten und der irakischen Bevölkerung geführt
werden müssen, dies aber immer vor dem Hintergrund jahrzehntewährender
Verbrechen passiert und diese auch einer wissenschaftlichen Bearbeitung
bedürfen, ist eine zentrale Forderung im abschließenden
Beitrag Thomas Schmidingers. Ein dahingehender Versuch wird gegenwärtig
von Kanan Makiya durch die Iraq Memory Foundation betrieben. Ein
Spektrum an Analysen und Initiativen auch deutschsprachigen InteressentInnen
näherzubringen, ist das vorläufige Ergebnis intensiver
Kooperationen zwischen irakischen Oppositionellen, EmigrantInnen
und engagierten PolitikwissenschafterInnen. Fortsetzungen dieser
Formen des Austauschs wären überaus wünschenswert.
|
|
|
|
Rezensionen zum Buch:
"Seit dem Beginn des Irak-Kriegs geistern zahllose „Irak-Experte“
durch die Medien – nur Iraker selbst kommen kaum je zu Wort.
Dieses Manko will der von den österreichischen Politikwissenschaftern
Mary Kreutzer und Thomas Schmidinger herausgegebene Band „Irak“
nun beheben. Eine breite Palette irakischer Intellektueller –
ob Kommunisten, Kurden oder Schiiten – hat darin über
die Geschichte und die Zukunft des Irak geschrieben."
Profil
"Die Wahlen im Irak haben zumindest eins gezeigt: Es gibt eine
relevante Mehrheit der dortigen Bevölkerungen, die sich trotz
Drohungen aus dem baathistisch-islamistischen Untergrunds an den
Wahlen beteiligten. Wer erfahren will, welche politischen Vorstellungen
und Hoffnungen diese Menschen haben, kann das aus einem kürzlich
erschienenen Sammelband erfahren, unter dessen 25 Autorinnen und
Autoren viele irakische Exilpolitiker sind."
Frankfurter Rundschau
"Schon aus diesem Grund ist das von Mary Kreutzer und Thomas
Schmidinger herausgegebene Buch über den Irak, dessen Autoren
mehrheitlich irakische Intellektuelle, Politiker, Politologen, Journalisten
aus allen Regionen des Landes, den verschiedensten 'ethnischen'
und religiösen Gruppen mit unterschiedlichsten politischen
Hintergründen sind, eine Hilfe für jeden, der mehr über
den Irak wissen will als die Medien täglich bringen. Auch zum
Krieg gegen das Saddam Regime gibt es im Buch unterschiedliche Standpunkte.
Die Herausgeber selbst haben den Irak bereist und beschäftigen
sich als Mitarbeiter der Hilfsorganisation WADI schon länger
mit dem Irak."
HaGalil
"Ein Spektrum an Analysen und Initiativen auch deutschsprachigen
InteressentInnen näherzubringen, ist das vorläufige Ergebnis
intensiver Kooperationen zwischen irakischen Oppositionellen, EmigrantInnen
und engagierten PolitikwissenschafterInnen. Fortsetzungen dieser
Formen des Austauschs wären überaus wünschenswert."
Context XXI
"Die Relevanz des vorliegenden Sammelbandes ist wohl evident:
Gerade angesichts der aktuellen und nicht enden wollenden Kriegssitutiation
im Irak müssen wir konstatieren, dass unser Wissen um die historische
Entwicklung sowie die höchst komplexen Gesellschafts- und Politikstrukturen
des Landes äußerst beschränkt und vor allem auch
ungenau ist. Debatten um den Irakkrieg speisen sich daher zumeist
aus überaus undifferenzierten Vorurteilen und höchst affektiven
Positionen. Eine gediegene wissenschaftliche Regionalanalyse ist
daher von größtem Nutzen. Ein wichtiges Handbuch, das
zum tieferen Verständnis des Irak-Problems entscheidend beizutragen
vermag."
Univ.Prof.Dr. Eva Kreisky (Vorstand des Instituts für
Politikwissenschaft der Universität Wien)
"Höchste Zeit also, ein Plätzchen freizumachen für
eine Neuerscheinung, die zu einem großen Teil den Einschätzungen
irakischer Intellektueller, Politiker-, Journalist- und PolitologInnen
vorbehalten ist, verbunden mit den Analysen österreichischer
und deutscher AutorInnen, die sich "schon länger mit dem
Irak beschäftigen". In der Sammlung "Irak –
Von der Republik der Angst zur bürgerlichen Demokratie?"
ist eine politisch alles andere als homogene Bandbreite von Texten
enthalten, die verdeutlicht: Auch jenseits von islamischem Fundamentalismus,
Antiamerikanismus und Antisemitismus bietet der Irak genug Stoff
für anspruchsvolle Kontroversen."
Malmoe
"Schon aus diesem Grund ist das von Mary Kreutzer und Thomas
Schmidinger herausgegebene Buch über den Irak, dessen Autoren
mehrheitlich irakische Intellektuelle, Politiker, Politologen, Journalisten
aus allen Regionen des Landes, den verschiedensten 'ethnischen'
und religiösen Gruppen mit unterschiedlichsten politischen
Hintergründen sind, eine Hilfe für jeden, der mehr über
den Irak wissen will als die Medien täglich bringen. Auch zum
Krieg gegen das Saddam Regime gibt es im Buch unterschiedliche Standpunkte.
Die Herausgeber selbst haben den Irak bereist und beschäftigen
sich als Mitarbeiter der Hilfsorganisation WADI (www.wadinet.at)
schon länger mit dem Irak.
Dieser Sammelband ist allen an Politik interessierten Menschen empfohlen."
Die Jüdische, HaGalil, Israel Nachrichten
"Alles in allem ist dieser Sammelband eine sehr empfehlenswerte
Lektüre, die versucht die verhärteten Fronten in der Irakfrage
zwischen Europa und den USA aufzubrechen und versucht einen dritten
Weg – getragen von den Irakern selbst – für eine
demokratische Zukunft aufzuzeigen."
„Bedrohte Völker“
"Ein hochaktueller Sammelband, der jenen ans Herz gelegt sei,
die sich für eine differenzierte Analyse des Irak-Konflikts
interessieren."
Unique
"Ein erhellender, ungewöhnlicher Blick auf den Irak nach
dem Fall Sadam Husseins: Denn ungewöhnlicher Weise kommen in
diesem Sammelband vor allem Iraker zu Wort. Der Band bietet einen
umfassenden Überblick über die Geschichte des Irak und
zugleich Zündstoff für eine hochaktuelle Diskussion. Eine
Pflichtlektüre für Irak-Interessierte!"
Liga. Zeitschrift der Österreichischen Liga für
Menschenrechte
"Fazit: Ein lesenswerter Sammelband, der zwar keine konsistente
Analyse, dafür aber eine Vielzahl interessanter Anknüpfungspunkt
liefert."
Wissenschaftskompass
Einige Rezensionen im Netz:
>>
Vorabdruck in Jungle World, Nov. 2004
>>
Karl Pfeifer in Hagalil vom 29. Nov. 2004
>>
Redaktion von Qendil
>>
Ingo Laugas in Malmoe
>>
Peter Nowak in der Printausgabe der Frankurter Rundschau
|