Fritz Edlinger bestätigt den Erhalt von 100.000,-
Saddams Netzwerk in Österreich
"Ich bin überhaupt nicht überrascht", sagt Mufid Jazairi, Kulturminister in der Übergangsregierung im Irak.
Jazairi bezieht sich damit im FORMAT-Gespräch auf den UN-Bericht über den Oil-for-Food-Skandal, der letzte
Woche veröffentlicht wurde und penibel auflistet, wie Saddam Hussein an den UN und den Sanktionen vorbei durch Zahlungen ausländischer Firmen große
Teile seines Regimes finanzierte: 37 österreichische Firmen sollen demnach in Form von Kick-Back-Zahlungen im Ausmaß von insgesamt sieben Millionen
Dollar das Regime des Diktators zumindest indirekt unterstützt haben. (Die Unterrnehmen dementieren oder sprechen von "international üblichen
Provisionszahlungen".) Jazairi: "Das überrascht mich deshalb nicht, weil Österreich immer schon ein wichtiger Partner für Saddam Hussein war. Das hat
sich bis in höchste Kreise gezogen, und Österreich ist eines der ganz wenigen Länder der westlichen Welt, aus dem bis heute Sympathie und
Unterstützung für Saddam Husseins Leute kommt."
Jazairi bezieht sich damit nicht nur auf Jörg Haider, der Saddam Hussein mehrmals besuchte und darüber auch noch ein Buch verfasste (s. Kasten),
sondern auch auf SPÖ-nahe Kreise - genauer die Gesellschaft für Österreichisch-Arabische Beziehungen, geleitet von Fritz Edlinger, Bruder
des ehemaligen SP-Finanzministers. Der Bericht listet Edlinger unter den Privatpersonen und Vereinen auf, die vom Regime für ihren Einsatz für den
Irak belohnt worden sein sollen. Höhe der Spende, die über die Front-Firma al Hoda abgewickelt wurde: 100.000 Dollar, "in favor of Fritz Edlinger." Al
Hoda war eine der Front-Firmen, über die Saddam Hussein viele seiner illegalen Öl-Transaktionen laufen ließ.
"Ich bestreite nicht, dass dieses Geld geflossen ist", bestätigt Edlinger gegenüber FORMAT, "aber es war eine Spende für unser Projekt für krebskranke
Kinder im Südirak." Edlinger hatte die Spende in Amman über einen "gemeinsamen Bekannten" von der Familie Al-Khawan bekommen, die eine Hälfte
der Firma al Hoda besaß - die andere Hälfte gehörte laut UN-Bericht der irakischen Regierung selbst. Da ein Teil der sunnitischen Familie wegen
Hussein im Exil lebte, habe er nicht vermuten können, dass hinter der großzügigen Gabe das Saddam-Hussein-Regime stecken könnte, meint Edlinger.
Nachsatz: "Es geht hier um das Leben behinderter Kinder. Ich hätte dieses Geld von jedem genommen, der keine Bedingungen daran knüpft."
Doch die Herkunft der Spende - an die sich Edlinger bisher öffentlich nicht erinnern konnte - ist nun, da die UN das ausgeklügelte System von Zahlungen
westlicher Firmen an Saddam Hussein durchforstet hat, wenig überraschend.
Die Gesellschaft für Österreichisch-Arabische Beziehungen ist während der Zeit der Oil-for-Food-Sanktionen mit mehreren der nun wegen der
Schmiergeld-Zahlungen von der UN aufgelisteten Unternehmen in engem Kontakt gestanden, einige sind Mitglieder der GÖAB. Hotwell Services etwa, gelistet
mit angeblichen Schmiergeldzahlungen von 161.250 Euro an das Saddam-Regime, taucht in der Liste der GÖAB-Spender 2004 auf, ebenso wie Hot Engineering
(laut UN-Bericht 49.421 Euro Schmiergeld). Das W&H Dentalwerk Bürmoos, das angeblich 65.865 Euro Schmiergeld zahlte, spendete 2005 an Edlingers Verein.
Marquette (mutmaßliche 1,17 Millionen Euro Schmiergeld), Odelga, Ortolan und Siemens unterstützten ein Symposium, das die GÖAB im November 1998 in
Baghdad ausrichtete. Mit seiner Consulting Firma "Arab Consult" hat Edlinger bisher im Irak nicht gearbeitet. Weiß aber: "Korruption gibt es überall."
Mufid Jazairi, der auf der Flucht vor Saddam Hussein jahre im Exil verbrachte, drückt es so aus: "Manche gehen für ein gutes Geschäft sogar
einen Pakt mit dem Satan ein. Und Saddam Hussein war ein Satan."
Format, 44/05
© Format 2005