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<title>Odyssee der Unerw&uuml;nschten </title>
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      <div align="center">
        <p><img src="../../img/blind.gif" width="130" height="8"><br>
          <a href="../../index.htm"><img src="../../img/logo-blau_32x100.gif" onFocus="if(this.blur)this.blur()" width="100" height="32" border="0"></a></p>
        <p>&nbsp;</p>
        <p><a href="#" onClick="history.back()"><img src="../../img/textback.gif" width="38" height="25" border="0" alt="zur&uuml;ck"></a></p>
      </div>
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  </tr>
  <tr> 
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      <div class="text"> 
<h2>Odyssee 
                der Unerw&uuml;nschten </h2>
              <p><b>Afghanische 
                Fl&uuml;chtlinge werden nach europ&auml;ischem Muster in &raquo;Schutzzonen&laquo; 
                festgehalten, damit ihre grenz&uuml;berschreitende Flucht verhindert 
                werden kann. </b></p>
              
<p>von thomas uwer<b> </b></p>
              <p><br>
                Angesichts der Bilder aus der pakistanischen Stadt Peshawar nahe 
                der afghanischen Grenze k&ouml;nnte es scheinen, als habe die 
                milit&auml;rische Intervention in Afghanistan bereits stattgefunden. 
                50 000 afghanische Fl&uuml;chtlinge, die dort in den vergangenen 
                Tagen trotz der rigiden Grenzabriegelung angelangt sind, leben 
                in elenden Behelfsunterk&uuml;nften, versorgt von internationalen 
                Hilfswerken. Wer es bis hierher geschafft hat, kann sich zu den 
                Gl&uuml;cklicheren z&auml;hlen. Rund 1,5 Millionen Afghanen, so 
                sch&auml;tzt das UN-Fl&uuml;chtlingskommissariat UNHCR, sind seit 
                der Ank&uuml;ndigung m&ouml;glicher Milit&auml;rschl&auml;ge gegen 
                Afghanistan auf der Flucht, aus der von der Nordallianz kontrollierten 
                Region ebenso wie aus dem restlichen, von den Taliban regierten 
                Land. </p>
              <p>Eine 
                Chance aber, die sichere Seite der Grenze zu erreichen, d&uuml;rften 
                nur die wenigsten haben. Pakistan und Tadschikistan haben ihre 
                Grenzen abgeriegelt, aus Sorge vor milit&auml;rischen Zusammenst&ouml;&szlig;en 
                mit den Taliban, aber auch, um sich der Fl&uuml;chtlinge zu erwehren. 
                Der Iran an der westlichen Grenze Afghanistans hat bereits in 
                den ersten Tagen nach den Anschl&auml;gen in den USA damit begonnen, 
                eine milit&auml;risch kontrollierte Pufferzone einzurichten, in 
                der Fl&uuml;chtlinge abgefangen und entlang der afghanischen Grenze 
                festgehalten werden sollen. Im Niemandsland auf der afghanischen 
                Seite der Grenze, so f&uuml;rchten internationale Organisationen, 
                irren schon jetzt Zehntausende umher, denen weder mit Nahrungsmitteln 
                noch medizinisch geholfen werden kann. </p>
              <p>Angesichts 
                der sich abzeichnenden Katastrophe stehen internationale Organisationen 
                wie das UNHCR vor einem Dilemma. Die rigide Abschottung, die den 
                afghanischen Fl&uuml;chtlingen nun zum Verh&auml;ngnis zu werden 
                droht, gilt ihnen seit Jahren als K&ouml;nigsweg der Fl&uuml;chtlingspolitik. 
                </p>
              <p>Seit 
                der R&uuml;ckf&uuml;hrung irakischer Kurden in den umk&auml;mpften 
                Nordirak 1991 hat sich der Gedanke durchgesetzt, dass Fl&uuml;chtlinge 
                m&ouml;glichst schon in ihrer Herkunftsregion aufzuhalten seien. 
                In Ruanda, Bosnien und sp&auml;ter im Kosovo wurden bereits, dem 
                Beispiel des Nordirak folgend und mit der Legitimation durch nachhaltige 
                Hilfe vor Ort, Enklaven eingerichtet, was eine R&uuml;ckf&uuml;hrung 
                der unerw&uuml;nschten Fl&uuml;chtlinge erm&ouml;glichen soll. 
                Ein Modell, das ma&szlig;geblich von der EU propagiert wird, die 
                darin eine Alternative zu dem im internationalen Fl&uuml;chtlingsrecht 
                verankerten Non-Refoulment-Prinzip wittert, das eine R&uuml;ckf&uuml;hrung 
                von Fl&uuml;chtlingen in jene Staaten verbietet, aus denen sie 
                geflohen sind. </p>
              <p>So 
                fand sich vieles von dem, was sich nun an der iranischen und pakistanischen 
                Grenze zu Afghanistan abspielt, bereits im EU-Aktionsplan Afghanistan. 
                Das europ&auml;ische Strategiepapier zur Abwehr afghanischer Fl&uuml;chtlinge 
                empfahl schon 1999 die Einrichtung von &raquo;Schutzzonen&laquo;, 
                um eine grenz&uuml;berschreitende Flucht zu verhindern. Iran und 
                Pakistan ziehen jetzt lediglich die einfache Konsequenz aus dieser 
                Entwicklung. Non-Refoulment - also Schutz vor R&uuml;ckf&uuml;hrung 
                - kann nur f&uuml;r den gelten, dem die Flucht aus dem Herkunftsland 
                bereits gegl&uuml;ckt ist. </p>
              <p>So 
                darf es nicht verwundern, dass die iranische Regierung sich bei 
                der Einrichtung der &raquo;Pufferzonen&laquo; auch auf die Unterst&uuml;tzung 
                des UNHCR verlassen kann. Bereits in der Vergangenheit hat die 
                Organisation die R&uuml;ckf&uuml;hrung afghanischer Fl&uuml;chtlinge 
                aus dem Iran nicht nur stillschweigend geduldet, sondern auch 
                durch Hilfsma&szlig;nahmen flankiert. Im Gegenzug f&uuml;r die 
                gute Kooperation der iranischen Beh&ouml;rden erhofft sich das 
                UN-Fl&uuml;chtlingskommissariat jetzt einen ungehinderten Zugang 
                zur Grenzregion, um eine Minimalversorgung in den Fl&uuml;chtlingslagern 
                zu gew&auml;hrleisten. Von der grunds&auml;tzlichen Gefahr solcher 
                &raquo;Pufferzonen&laquo; ist dabei l&auml;ngst keine Rede mehr. 
                &Auml;hnlich kooperativ verhielt sich die Organisation auch gegen&uuml;ber 
                Pakistan, das den gr&ouml;&szlig;ten Teil der afghanischen Fl&uuml;chtlinge 
                bisher aufgenommen hat. </p>
              <p>Mehr 
                als zwei Millionen Afghanen, einige von ihnen sind bereits vor 
                20 Jahren aus ihrem Land geflohen, leben in Pakistan. Dort hat 
                sich die Politik gegen&uuml;ber den Fl&uuml;chtlingen im vergangenen 
                Jahr deutlich versch&auml;rft. Angesichts der 172 000 Afghanen, 
                die allein im vergangenen Jahr vor den K&auml;mpfen zwischen den 
                Taliban und den Milizen der Nordallianz nach Pakistan flohen, 
                riegelte die Regierung die Grenze rigoros ab und verweigerte den 
                neuangekommenen Fl&uuml;chtlingen die Einreise ins Landesinnere. 
                In der Folge platzten die Notaufnahmelager entlang der Grenze 
                aus allen N&auml;hten. In einer ad-hoc Operation musste das UNHCR 
                im Winter 36 000 Fl&uuml;chtlinge aus dem Camp Jalozai evakuieren, 
                als dort Seuchen auszubrechen drohten. Binnen einer Woche waren 
                aber erneut Tausende von Fl&uuml;chtlingen in Jalozai angekommen. 
                </p>
              <p>Die 
                Situation in den anderen Lagern ist nicht besser. Im Juli meldete 
                der US-amerikanische Fl&uuml;chtlingsrat als Erfolg, dass in den 
                Lagern &raquo;mittlerweile wenigstens regelm&auml;&szlig;ig Nahrungsmittel 
                verteilt&laquo; werden. Das Leben nach der Flucht gestaltet sich 
                f&uuml;r mehr als die H&auml;lfte der in Pakistan lebenden Afghanen 
                seit Jahren als ein Dahinvegetieren in Lagern. </p>
              <p>Im 
                Fr&uuml;hjahr dieses Jahres begann das UNHCR auf Dr&auml;ngen 
                der pakistanischen Regierung mit dem so genannten Screening in 
                den Fl&uuml;chtlingscamps. Dabei pr&uuml;ft die Organisation, 
                ob Fl&uuml;chtlinge aus &raquo;begr&uuml;ndeter&laquo; Angst vor 
                Verfolgung flohen und damit ein Bleiberecht erhalten oder als 
                &raquo;unbegr&uuml;ndete&laquo; Fl&uuml;chtlinge nach Afghanistan 
                zur&uuml;ckgeschoben werden k&ouml;nnen. Dieses Screening dient 
                zugleich auch der systematischen Erfassung der Fl&uuml;chtlinge, 
                um eine Weiterflucht zu erschweren. </p>
              <p>Pakistanische 
                Sicherheitskr&auml;fte begannen gleichzeitig mit der Abschiebung 
                nach Afghanistan. Betroffen hiervon sind vor allem jene, denen 
                es gelang, der Agonie in den Lagern zu entkommen und in St&auml;dten 
                wie Peshawar zu arbeiten. Als nicht &raquo;gescreente&laquo; Fl&uuml;chtlinge 
                m&uuml;ssen sie jederzeit damit rechnen, von der Polizei aufgegriffen 
                und abgeschoben zu werden. </p>
              <p>Afghanische 
                Fl&uuml;chtlinge gelten seitdem als Freiwild. Eine von den UN 
                in Auftrag gegebene Studie r&auml;umte im Juli ein, dass mit der 
                Zunahme an beh&ouml;rdlicher Kontrolle auch die &Uuml;bergriffe 
                gegen Fl&uuml;chtlinge gestiegen seien. So wurde bei einer der 
                regelm&auml;&szlig;ig durchgef&uuml;hrten Verhaftungen Anfang 
                Juni ein Afghane totgepr&uuml;gelt. Der Mann befand sich auf dem 
                Weg nach Islamabad, um sich von einem Freund zu verabschieden, 
                dem es gegl&uuml;ckt war, einen Flug nach Deutschland zu ergattern. 
                Unter den afghanischen Fl&uuml;chtlingen herrsche, so der Bericht, 
                eine weitverbreitete Angst vor den Willk&uuml;rakten der Beh&ouml;rden. 
                </p>
              <p>Die 
                pakistanische Regierung rechtfertigt ihre Repressionen mit dem 
                Ausbleiben internationaler Unterst&uuml;tzung. Eine Integration 
                der Fl&uuml;chtlinge sei unter den desastr&ouml;sen wirtschaftlichen 
                Bedingungen in Pakistan nicht m&ouml;glich. Mit der Konsolidierung 
                des Taliban-Regimes als de facto-Regierung &uuml;ber einen gro&szlig;en 
                Teil des Landes sei zudem eine gefahrlose R&uuml;ckkehr m&ouml;glich 
                geworden. </p>
              <p>Da 
                sind Argumente, die man aus Europa kennt. W&auml;hrend aber die 
                europ&auml;ischen Regierungen Pakistan weiter als regionale Alternative 
                zur Entsorgung afghanischer Fl&uuml;chtlinge nutzen, wurde die 
                humanit&auml;re Hilfe in den vergangenen Jahren kontinuierlich 
                gek&uuml;rzt. Infolge dieser K&uuml;rzungen schr&auml;nkten UNHCR 
                und das Weltern&auml;hrungsprogramm der UN seit 1995 die Nahrungsmittelverteilung 
                in den Fl&uuml;chtlingslagern stark ein. Hilfe kommt, auch in 
                der momentanen Krise, wenn &uuml;berhaupt, zumeist nur von US-amerikanischen 
                Organisationen wie USAid. </p>
              <p>So 
                ist auch jetzt - im Gegensatz zur bekundeten Bereitschaft, Truppen 
                f&uuml;r eine Milit&auml;roperation zur Verf&uuml;gung zu stellen 
                - von einer europ&auml;ischen Hilfe f&uuml;r die afghanischen 
                Fl&uuml;chtlinge gar nicht erst die Rede. Die europ&auml;ischen 
                Regierungen, deren Migrationsplaner sich bei der Definition von 
                lokalen Fluchtalternativen gerne gro&szlig;z&uuml;gig zeigen, 
                reagieren bislang vollkommen teilnahmslos auf das Elend der afghanischen 
                Fl&uuml;chtlinge. </p>
              <p></p>
              <p></p>
              <p><i>in 
                jungle world Nr. 41/2001 - 02. Oktober 2001 </i><br>
                 </p>
              </div><!-- stopprint -->
        <div class="foot">
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      </td>
  </tr>
  <tr> 
    <td colspan="3" height="32"></td>
  </tr>
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