Über Freiheit

03. Mai 2012, von Thomas von der Osten-Sacken

Die formellen Freiheiten, als deren Träger es die Individuen setzt, bleiben leer, solange die unteilbare Freiheit, auf die sie verweisen, nicht verwirklicht worden ist. Je weniger die Menschen sich jene eine Freiheit auch nur vorzustellen vermögen, welche die partikularen Freiheiten abschafft, indem sie sie einlöst, umso kleinlicher klammern sie sich an die formellen Freiheiten, die in der falschen Gesellschaft Mittel zur Aufrechterhaltung der Unfreiheit sind. Die Meinungsfreiheit gerät zum Vorwand, um den Voluntarismus des eigenen Urteils gegen jeden Widerspruch abzudichten, während die Wahlfreiheit die notwendige Unfreiheit jeder Entscheidung sanktioniert. Gerade aber weil die Sehnsucht nach der unteilbaren Freiheit verkümmert, inflationiert der Freiheitsbegriff.

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Eine Antwort zu “Über Freiheit”

  1. Patrik Süess sagt:

    Die unteilbare Freiheit gibt es nicht. Daran zu glauben ist, wie jeder religiöse Wahn, da Kompromissen unzugänglich und für reale Fortschritte blind, menschenfeindlich. Das gilt auch für den hier produzierten gnostischen Mystizismus.

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