Klasse Kronzeuge

28. März 2012, von Thomas von der Osten-Sacken

Jürgen Todenhöfer (innerhalb des syrischen Regimes auch als “Dr Tudenhufer – the German thinker’ bekannt und geschätzt) keilt in der taz gegen Rafik Schami, der vor einiger Zeit einen wirklich guten Artikel über deutsche Prominenz-Journalisten und ihre Liebe zu nahöstlichen Diktatoren geschrieben hat.

Und der German Thinker bemüht für sein Pamphlet einen ganz kongenialen Kronzeugen:

Dr. Ali Haidar ist Führer der innersyrischen Oppositionspartei SSNP. Er ist Augenarzt. Die gemäßigte Partei existiert seit 1932. (…) Haidar erklärte mir, er verstehe nicht, dass sich die westlichen Medien so leicht von den Rebellen und von al-Dschasira manipulieren ließen. Die Realität in Syrien sehe ganz anders aus.

Die „gemäßigte Oppositionspartei“ heißt ausgeschrieben Syrian Social Nationalist Party und heißt so, weil man bei ihrer Gründung dem großen Vorbild, der Nationalsozialistischen Partei nacheifern wollte. Als Emblem führt sie ein Symbol, das bewusst ans Hakenkreuz erinnern soll. (Unvergessen, wie Christopher Hitchens das Ding in Beirut einfach mal von deren Zentrale riss, als er es sah und erklärte: “My attitude to posters with swastikas on them has always been the same. They should be ripped down.”)

Die Partei ist antisemitisch bis in die Knochen, erklärte kürzlich ihre unbedingte Unterstützung Bashir al Assads im Kampf gegen die Zionisten und gilt gemeinhin einfach als ein Trupp ziemlich ordinärer arabischer Nazis, derenleader Anton Saada was known as al-za’im (the Führer), and the party anthem was „Syria, Syria, ueber alles“ sung to the same tune as the German national anthem„.

Dass sowas dem Todenhöfer als gemäßigt gilt, verwundert nicht weiter. Dass die taz-Redaktion nicht einmal nachfragt, wer eigentlich sich hinter dem Akronym SSNP verbirgt, schon ein wenig.

Aber, wie schreibt Todenhöfer: Seit 9/11 ist es schwer geworden, sich in unserem Land für friedliche Lösungen einzusetzen.

Früher vor 9/11, ja noch früher, vor der Besatzung Deutschlands durch die Alliierten, da war’s noch einfacher sich in „unserem Land“ für friedliche Lösungen einzusetzen, hätten die Juden, und da stimmen die Volksgenossen von der SSNP sicher vollinhaltlich zu, Deutschland nicht in zwei Weltkriege gestürzt.

Wenn, nebenbei bemerkt, für Herrn Todenhöfer Nazis „gemäßigte Opposition“ sind, dann weiß man auch in etwa, was man von Organisationen zu halten hat, die Leute wie er gemäßigte Islamisten nennen.

3 Antworten zu “Klasse Kronzeuge”

  1. M. Möhling sagt:

    Sollten Assad abtreten, wären Alawiten, Christen und andere Minderheiten, auf die er sich stützte, Freiwild für die sunnitische Mehrheit. Insofern macht man sich die Hände schmutzig, ob man Assad stützt oder stürzt. Aus den hier genannten Gründen ist Todenhöfer natürlich tatsächlich ein A……..

  2. Das kleine abc des Nationalsozialisten « André Freud sagt:

    […] Schabbes. Das Material zu diesem Beitrag entnahm ich dem WADIBlog von Thomas von der Osten-Sacken: http://www.wadinet.de/blog/?p=8761 Dort auch weitere Links zur SSNP. Zur Person und zum Zitat von Herbert […]

  3. Günther sagt:

    Meinungsvielfalt ist ein hohes Gut unserer Gesellschaft. Auch wenn , wie in Ihrem Fall, nicht selbsgeschriebenes sondern lediglich kopierter Unsinn aus dem Internet weitergepostet wird. Sie sind also ein Papagei?
    Bei den Angaben über die SNNP muss ich Sie auf einen grundlegenden Fehler aufmerksam machen. Bei der Partei, die Sie beschreiben, bzw. lediglich weiterleiten, handelt es sich nicht um die gleiche, die Herr Todenhöfer als Quelle verwendet hat. Es handelt sich um zwei verschiedene Parteien, die seit 1957 !!! voneinander getrennt agieren, zwar unter dem gleichem Logo und Namen arbeiten, aber sich gänzlich unterscheiden.Die Partein bestehen aus verschiedenen Hauptquartieren und anderer Leitung und Mitgliedern und richten sich an verschiedene politische Visionen.. Hintergrundwissen und Fachkenntnis ist, wie sie es deutlich zeigen, nicht jedermanns Fleiß.
    Auch der TAZ ist dieser Fehler unterlaufen. Am folgenden Tag musste sie deshalb eine Korrektur mit Entschuldigung drucken.

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