Gegen Überfremdung und Multi-Kulti!

30. Juli 2011, von Thomas von der Osten-Sacken

Die Rote Fahne befasst sich mit den Massenmorden in Norwegen:

Damit jedoch der republikanische Nationalstaat seine identitätsstiftende Funktion als kulturellem Bezugspunkt der Völker und als Völkerrechtssubjekt und somit als nachhaltigem Widerstandsfaktor verliert, wird dessen Desintegration flankiert durch die Auflösung der kulturellen Identität und Integrität.
Diesem strategischen Ziel dienen das Konzept „Multi-Kulti“ und die initiierten Migrationsströme, die innerhalb der traditionellen Kulturnationen Parallelgesellschaften konstituieren sollen und auf diesem Wege zur Negierung tradierter Kultur und Identität und zur Zerschlagung integrativer sozialer Räume führen und darüber hinaus in letzter Konsequenz auch die weitere Negierung territorialer Integrität ermöglichen sollen.

Worin nun der Unterschied zwischen Rote- Fahne- Kommunismus und neuem Tempelrittertum besteht? Nicht gleich ersichtlich, gegen die USA, den Imperialismus, Multi-Kulti, Globalisierung hetzt man schließlich in fast identischer Diktion. Und lange ging die „Rote Fahne“ mit der „neuen Rechten“ ja auch einen gemeinsamen Weg, denn

verbindendes Grundmotiv dieser neuen politischen Kräfte in verschiedenen Ländern Europas war anfangs, im Widerstand gegen die imperiale Entwicklung und initiierten Migrationsströme, die generelle Überfremdung der nationalen Kulturräume zu problematisieren. Von einem „Kampf gegen den Islam“ und dergleichen war anfangs nie die Rede, was auch nicht Wunder nimmt, speist sich die Überfremdungsproblematik ja weder damals noch heute allein aus Zuwanderung aus Ländern des islamischen Kulturraums und zudem, sofern von dort stammend, nur eine Minderheit auch tatsächlich der islamischen Religion frönt.
Im Gegenteil bestanden seinerzeit eher Affinitäten in den islamischen Kulturraum hinein und Anknüpfungspunkte in gemeinsamen Positionen gegen den Zionismus
.

Das Volk murrte gegen die Neue Weltordnung und Überfremdung, die Kommunisten marschierten wie immer voran, die neue Rechte hinterher. Alles hätte so schön werden können, da fiel dem Imperium etwas ganz perfides zu seiner Rettung ein:

An dieser Stelle kommt die Ideologie des zionistischen Rechtsextremismus ins´ Spiel. Denn diese vereint ideologisch vermeintlich zwei Dinge, die sachlich nicht vereinbar sind und auf einem Paradoxon fussen: Den Widerstand gegen die imperiale Zerschlagung des republikanischen Nationalstaats mit dem Imperium selbst.

Wie das geht? Der Zionismus, Instrument imperialer Ideologie und Strategie, projiziert das „Feindbild Islam“. Gleichzeitig wird das Imperium, betitelt als „freie Welt“, als Opfer gezeichnet.

Und da der norwegische Massenmörder Breitvig sich ja für die nationalen Israelis begeistert, deren angeblich primäres Ziel die Deportation der im Land lebenden Araber ist, hat man ihn flugs als Agenten des Imperiums identifiziert, der Volkes Sache diskreditiert und das Massaker wird zu einem „zionistischen Terroranschlag“.

So funktioniert Dialektik heute in einem publizistischen Organ, das sich auf Rosa Luxemburg beruft: man propagiert die Schaffung „nationale Kulturräume“  statt die Assoziation freier Produzenten.


11 Antworten zu “Gegen Überfremdung und Multi-Kulti!”

  1. Rainer Lang sagt:

    die im Militaristisch-Männerbündlerschen angesiedelten Unterschiede der RF zu den Kühnenianern unter den zeitgenössichen Nationalsozialisten fallen m.E. denkbar gering aus. Man erkennt deutlich, wie sich die pol. Linke und Rechte an den extremistischen Enden treffen. So war es 1933 auch.

  2. Anhalter durch die Galaxis sagt:

    @ Rainer Lang

    Ah ja, wo haben die sich denn 1933 getroffen? Meines Wissens haben sich 1933 eher Kommunisten und Sozialdemokraten getroffen, aber im KZ. (Und leider nicht vorher, wegen Dummheiten auf beiden Seite wie der strunzdoofen „Sozialfaschismusthese“ aus Moskau.) Wo wurden denn etwa Nazis und Kommunisten gemeinsam verfolgt? Ist mir nicht bekannt.

  3. Anhalter durch die Galaxis sagt:

    Diese „Rote Fahne“ da hat nichts, aber auch gar nichts mit Rosa Luxemburg zu tun. Eher mit irren Verschwörungstheoretikern, „09 -11-Truthern“, Jürgen Elsässers und ähnlichem Gelichter. Die haben den historischen Namen nur geklaut.

  4. N. Neumann sagt:

    So ganz überraschend kam die Kooperation zwischen Braun und Rot für die meisten Zeitgenossen allerdings nicht. Immer mal wieder hatten die Anhänger Adolf Hitlers und Josef Stalins gemeinsam agiert, bei kleinen Streiks etwa oder dem Volksentscheid in Preußen 1931.

    „Bolschewismus und Faschismus haben ein gemeinsames Ziel: die Zertrümmerung des Kapitalismus und der Sozialdemokratischen Partei“, erklärte ganz offen der KPD-Abgeordnete im sächsischen Landtag Kurt Alfred Sindermann.

    Die Wähler störten sich erstaunlicherweise nicht an dieser Mischung aus mörderischen Straßenschlachten und gelegentlicher Kooperation gegen die Sozialdemokraten, die große Stütze der ausgezehrten Weimarer Republik. Bei den Reichstagswahlen im Juli 1932 erhielten die Demokratiefeinde aus NSDAP (37,4 Prozent) und KPD (14,5 Prozent) zusammen mehr als die Hälfte der Stimmen.

    http://www.spiegel.de/spiegel/spiegelspecialgeschichte/d-55573688.html

  5. N. Neumann sagt:

    Die Einbeziehung der NSBO in die Streikleitung entsprach zu diesem Zeitpunkt der Linie der KPD. Bereits im Herbst 1932 hatte Ernst Thälmann geäußert: „Bei der Auslösung von Streiks in den Betrieben (…) sei die Hereinnahme von Nazis in die Streikkomitees (…) absolut notwendig und erwünscht.“[1] Dahinter stand der Versuch die Einheitsfronttaktik von unten zu modifizieren. Anstatt SPD-Anhänger anzusprechen, wurde diese nun auf Nationalsozialisten übertragen. Ein Grund dafür war, dass die als „Sozialfaschisten“ diffamierte SPD und die von dieser dominierte reformistische Gewerkschaftsbürokratie, wie es die KPD ausdrückte, noch immer als Hauptgegner der Partei galt.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Streik_bei_der_Berliner_Verkehrsgesellschaft_1932

  6. Anhalter durch die Galaxis sagt:

    So ein Quatsch ;) Natürlich gab es die Geschichte mit dem Streik bei den Berliner Verkehrsbetrieben, das war auch bislang hinreichend bekannt. Das bedeutet aber nicht, dass Nazis und KPD kooperiert hätten, überhaupt nicht. Die Tatsache ist schlicht die, dass die KPD (und auch die anderen Arbeiterparteien) in einer dramatischen sozialen und wirtschaftlichen Situation auch viele Arbeiter als Wähler zur NSDAP überlaufen sahen. Mehr noch, viel mehr noch waren es allerdings die Kleinbürger und Mittelschichten, die sich so verhielten. Z Beispiel blieb die Wählerbasis von KPD und SPD im letzten Jahre der Weimarer Republik stabil (die KPD nahm an Stimmen zu, aber die neuen Stimmen kamen eher von Arbeitslosen), dagegen wurden Parteien wie die „Wirtschaftspartei“ oder auch die rechtsliberale „Deutsche Volkspartei“ DVP bei den Wahlen fast völlig aufgerieben. Deren Wähler landeten scharenweise bei der NSDAP. Den Kontext dafür bildet natürlich die dramatische Wirtschaftskrise.

    Weil aber auch KPD (und SPD) Wähler vom Gang zur NSDAP abhalten wollten, versuchte man, sich auch an die zu adressieren, die in „Versuchung“ gerieten oder sich gar schon von den braunen Slogans hatten anwerben lassen.

    Deswegen die punktuelle gemeinsame Aktion mit den Nazis beim Berliner Verkehrsstreik: Man dachte, so mit der „Basis“ der Nazis in Kontakt treten zu können, um sich an diese zu adressieren. Man hatte dabei den Optimismus, diesen schnell die Überlegenheit der eigenen Politik zeigen zu können (bestand doch die Programmatik der Nazis etwa bei Wirtschafts- und Sozialpolitik aus wirrem Zeugs, das mit radikal klingenden Phrasen aufgepeppt wurde, aber keinerlei Logik hatte). Nur war dieser historische Optimismus leider total verfehlt, denn man hatte die Dynamik der Nazibewegung sträflich unterschätzt. Bis dahin hielt man sie auf der Linken eher für ein ziemlich grosses Strohfeuer, das aber wieder in sich zusammenbrechen werde. Tja, es war halt leider eine totale Fehleinschätzung. So viel Dynamik hatten die Nazis dann doch, dass sie es bis an die Macht + zwölf Jahre Durchhalten beim Massenmord schafften.

    Die „Einheitsfront von unten“ war 1931 also ein Versuch, durch Kontakte mit der vermeintlichen „Basis“ der Nazibewegung ihrer Führung den Boden unter den Füssen wegzuzerren, indem man sich an die „einfachen Mitglieder und Mitläufer“ wendet. Das würde heute wohl niemand Ernstzunehmendes auf der Linken mit organisierten Nazistrukturen machen, aber damals hat man geglaubt, es könnte funktionieren.

    Ein anderes Kapitel ist, dass die KPD bei diesem Versuch dumm genug war, auch viel nationalistische Demagogie eifrig in ihre eigenen Texte zu schütten. In unguter Erinnerung: Das „Programm zur nationalen und sozialen Befreiung des deutschen Volkes“ zur Reichtstagswahl vom September 1930. Da troff es an manchen Stellen von nationalistischen Phrasen. (Kotz Würg!) Es entsprach auch der Politik der KomIntern damals, die glaubte, manche Nationalismen vorübergehend als Hilfsmotor für die Revolution in Europa nutzen zu können, bevor dann die Kommunisten die vermeintliche Überlegenheit ihrer Politik beweisen. Das war vielleicht der übelste Aspekt an der KPD-Politik. Sie hätte nie, nie, nie Öl ins Feuer des Nationalismus in Deutschland kippen dürfen. Natürlich haben das andere, von Sozialdemokraten bis Konservativen, auch getan.

    Noch ein anderes Kapitel ist die tiefe Spaltung der Arbeiterparteien, für die es historisch natürlich Gründe gab. Die SPD-Führung hatte die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht 1919 zu verantworten, und den „Blutmai“ von 1929 (Polizeimassaker bei einer kommunistischen Demo am 1. Mai in Berlin). Und die damals stalinistisch auf Linie gebrachte KPD-Führung betete die dämlichen Parolen über „Sozialfaschismus“ aus der Sowjetunion nach. Auch dies muss in die Rubrik „kriminelle Fehler“ eingetragen werden.

    Wer nun behauptet, die „braven Demokraten“ (pro-kapitalistische Parteien, Liberale, Konservative…) wären die Guten gewesen und die KPD – irgendwie „zusammen mit den Nazis“ – die böse Bedrohung, würde besser seinen Mund halten. Wer landete denn schon in den allerersten Wochen nach dem 30. Januar 1933 in den Folterkellern der SA, in Zuchthäusern und den ersten KZs? Leute von der KPD oder etwa Bürgerliche? Wer stimmte für Hitlers „Ermächtigungsgesetz“ (darunter ein späterer liberaler Bundespräsident in der Bundesrepublik), wer dagegen? Dagegen stimmten allein SPD-Leute. Auch die KPD-Abgeordneten hätten dagegen gestimmt, aber die waren längst als erste Opfer der Repression abtransportiert. Die bürgerlichen Abgeordneten stimmten dafür. Und es ist mir nicht bekannt, dass DVP- oder DNVP-Leute die KZs aufgefüllt hätten.

    Von den ganzen Braunen, die nach 1945 in der Bundesrepublik Karriere machten (wo denn? nicht gerade bei der KPD, so viel steht fest), ganz zu schweigen.

  7. Anhalter durch die Galaxis sagt:

    Und noch mal: Die hier zitierte so genannte „Rote Fahne“ von Stefan Steins (heisst der so?), die wohl ungefähr eine Ein-Mann-Zeitung sein dürfte, hat mit dieser Geschichte nichts zu tun. Die ist nicht so sehr „rot“, sondern eher rot-braun. Mit der wischt man sich allenfalls besser den Hintern ab. Schon allein die Tatsache, dass Leuten wie Jürgen Elsässer darin das Wasser gereicht wird, spricht Bände.

  8. Antifo sagt:

    @ Anhalter durch die Galaxis
    Nationalsozialisten und Kommunisten trafen sich 1932 beim BVG-Streik in Berlin. Walter Ulbricht und Joseph Goebbels traten dort bei einer Veranstaltung gemeinsam auf.

  9. Anhalter durch die Galaxis sagt:

    Nein, das war am 27. Januar 1931, und völlig unabhängig vom BVG-Streik, der ein Jahr später stattfand. Eine Veranstaltung im Saalbau Berlin-Friedrichshain. In haargenau derselben Logik wie oben beschrieben: Die KPD glaubte, die sozial frustrierten Wähler vom Stimmen für die NSDAP abhalten zu können, indem sie deren so genannte Argumente und ihre Unstimmigkeit vor einem gemeinsamen Publikum „entlarvt“. Hat natürlich leider überhaupt nicht funktioniert.

    Altbekannt.

  10. Unsinn sagt:

    Träumt weiter!! Vielleicht hat es sich noch nicht bis zu Euch rumgesprochen, dass das erste Kabinett Hitlers eine Koalitionsregierung mit rechten-bürgerlichen Kräften war. Ein Drittel der Minister waren entweder parteilos oder gehörten der aufrechten demokratischen Partei DNVP an. Eine tolle Partei, die für die Freiheit war und das abendland verteidigen wollte.

    Die Kommunisten und die Sozialdemokraten wanderten derweil in die Lager.

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