Neues Land. Bekanntes vom Schweigekartell

14. April 2011, von Thomas von der Osten-Sacken

Seit nunmehr drei Wochen gehen in Syrien die Menschen Tag für Tag auf die Straße und demonstrieren gegen eines der wohl repressivsten Regimes in der ganzen Region. Weitgehend unbeachtet von den Medien, ohne namhafte Unterstützung von außen. Weit über 200 sollen inzwischen von den Schergen Aassads gekillt worden sein. Soldaten, die sich weigern auf Protestierende zu schießen, werden selbst exekutiert.

Inhaftierte, die das Glück haben, wieder entlassen zu werden, berichten von schweren Folterungen und Mißhandlungen. (Hier ein Video aus Banias)

Drei Wochen hatte auch das deutsche Schweigekartell Zeit, sich zu überlegen, ob es auch in diesem Fall wieder eisern schweigen wolle. Aber man war ja auch so mit anderem beschäftigt, etwa sich über die No-Fly Zone gegen Gaddafis Milizen zu echauffieren oder die Reise der diesjährigen Mavi Marmara Flotilla nach Gaza vorzubereiten.

Jedenfalls schweigen sie erneut, wie sie auch zu Libyen nichts zu sagen hatten, bis Frankreich und England aktiv wurden: keine einzige Stellungnahme der üblichen Verdächtigen zu Syrien läßt sich irgendwo auftreiben. Nichts. Solidarität gar, etwa mit demonstrierenden Kurden, die ihr Leben riskieren? Fehlanzeige. Von der Linkspartei über IPPNW bis hin zu medico haben sie zu Syrien nichts aber auch gar nichts zu sagen. Noch nicht mal eine müde Forderung nach nationalem Dialog, kein Verweis aufs Völkerrecht, nichts.

Woran es wohl diesmal liegen mag? Vielleicht daran, dass auch andere Friedenskämpfer und Sozialisten des 21. Jahrunderts so gar nicht glücklich mit den Aufständen in Syrien sind:

Anti-government demonstrations in Syria are part of a plot by the West to undermine a government that supports „resistance“ in the Middle East, Iran’s Foreign Ministry spokesman said on Tuesday.

Eine Antwort zu “Neues Land. Bekanntes vom Schweigekartell”

  1. LuiW sagt:

    Und das Leib- und Magenblatt der Linken, die Junge Welt, die sonst jeden Gewehrschuss eines israelischen Soldaten zu einer Titelgeschichte aufbläst und ungeprüft noch die wildeste Behauptung der Hamas als Tatsache übernimmt, schreibt zu Syrien ebenfalls gar nichts, außer, dass die Berichte nicht zu verifizieren seien und dass es Vermutungen gäbe, die Unruhen seien aus dem Ausland (natürlich Israel und USA) angeheizt. Die Syrer, weiß die Junge Welt, sind nämlich ebenso zufrieden mit ihrem Präsidenten und seiner großartigen, weisen und sozialen Politik wie die Libyer mit Gaddafi und den Errungenschaften seiner Volksrevolution. Und gäbe es die Imperialisten und Zionisten nicht, die diesen Ländern den permanenten Ausnahmezustand aufdrängen, herrschte dort sowieso das Paradies auf Erden.
    Ich sage im übrigen voraus, dass die Erschießung des italienischen Hamas-Freunds im Gaza-Streifen in der nächsten Ausgabe nur als AFP-Meldung drinstehen wird, weil man sich noch nicht klar darüber ist, wie man das am Besten als Schuld Israels darstellt.

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