Paxen

09. August 2007, von Thomas von der Osten-Sacken

Es gibt eine Organisation namens Pax Christi, die auf ihrer Homepagee vollmundig verkündet: „Die Überwindung von Nationalismus, Rechtsextremismus und Antisemitismus ist uns zentrales Anliegen“.
Klasse, denkt man, eine katholische Friedensbewegung, die, gerade angesichts einer katkolischen Kirche, die in der Vergangenheit nicht eben unmaßgeblich zur Verbreitung von Antisemitismus und Rechtsextremismus beitrug, hat sich hier eine wichtige Aufgabe gestellt.

Dann klickt man weiter auf die Nahost Seiten und stellt umgehend fest, wie die konkrete Überwindung des Antisemitismus und Nationalismus aussieht:

40 Jahre rechtswidrige Besatzungspolitik: Wir fordern die EU auf, Israel zu drängen, die Siedlungen, internen Kontrollpunkte, Mauern und Zäune zu abzubauen, die Konfiszierung von Land zu unterlassen und die Zerstörung von Häusern zu stoppen, damit die Bedingungen für einen gerechten Frieden und eine lebensfähige Zwei-Staaten-Lösung wieder hergestellt sind und die Besatzung beendet ist.

40 Jahre Verstöße gegen Völkerrecht: Wir fordern die EU auf, sich Israels Achtung für internationales humanitäres Recht und die Menschenrechte zu versichern. Die EU kann dieser rechtswidrigen Politik nicht länger entgegenkommen. Sie sollte sich Israels Achtung für internationales Recht in ihren bilateralen Beziehungen versichern und so den Spielraum Israels, Regeln zu verletzen, die Zivilisten schützen, einschränken und so die eigenen Gesetze der Union achten.“

Von palästinensichem Antisemitismus, Nationalismus oder Rechtsextremismus liest man in dieser Deklaration nichts. An allem und jedem ist, wir kennen es, Israel schuld, auf das die EU nun bitte etwas mehr Druck ausüben solle.

Zu diesem Zweck hat Pax Christi dieses Jahr auch alle „Freundinnen und Freunde des Friedens in Nahost“ zu einer Konferenz geladen und gleich vorab festgestellt, dass „Kritik an der Politik des Staates Israels nichts mit Antisemitismus zu tun“ habe, um dann, unter diesem Motto, so richtig loslegen zu können:

Denn hat man sich erst einmal versichert, dass jene friedensbewegten Deutschen, deren Vorfahren zwar den „Holocaust betrieben haben“, wenn sie Israel kritisieren, nichts mit Antisemitismus am Hut haben – wobei selbstredend, Vernichtungsdrohungen der Araber, Palästinenser oder des Iran unerwähnt bleiben – , kann man von „Apartheid“ und „Bantustans“ in Palästina und allem möglichen ganz unverkrampft reden, zwischen Terror und Widerstand sorgfältig trennen, um dann gegen Ende, Israel noch zuzurufen man „liebe es“ und garantiere ihm Sicherheit

Es ist zwischen dem Recht auf Widerstand eines Volkes und terroristischen Gewaltakten zu unterscheiden. – Positionen. Es geht um Entschiedenheit. Gleichgültigkeit oder Neutralität schwächt die Friedengruppen sowohl in Palästina als auch in Israel. Handeln  – Wir stehen alle schon in einem langen politischen Engagement. Nach wie vor gilt es, Öffentlichkeit herzustellen für unsere Forderungen, die wir gestern und heute zusammengetragen haben. Es geht aber auch um den Dialog aller Akteure vor Ort und Engagierten dort und bei uns. Und schließlich: Unser Handeln basiert auf der „Anwaltschaft voll Liebe für beide Völker, für das palästinensische und das israelische“, wie Veronika Hüning zur Eröffnung der Tagung es forderte. Prof. Jeff Halper hat diese Anwaltschaft in diese Kurzform zusammengefasst: „Israel: wir lieben dich. Israel: wir garantieren deine Sicherheit. Israel: du musst die Besatzung aufgeben.“ Setzen wir in diesem Geiste unser Engagement für den Frieden in Nah-Ost fort.“

Wie möchten sie denn Israels Sicherheit garantieren aus dem fernen Bad Boll, wo alle Betten der Evangelischen Akademie,  – so war es jedenfalls früher – , mit Inkontigenzmatten unter den Laken ausgerüstet sind und es einen Automaten für Flaschenbier gibt? Das verraten sie uns nicht, sondern besprechen es lieber in „Murmelgruppen und auf dem Plenum„.

Gäbe es den Nahostkonflikt nicht, all diese Leute müssten sich andere Therapiegruppen suchen.

6 Antworten zu “Paxen”

  1. hcl sagt:

    Bei dem, was die Herrschaften sich so zusammenpaxen, dürften „Inkontingenzmatten“ aber auch dringend geboten sein. Gruß hcl

  2. Benny Salomon Salz sagt:

    Was Sie wollen ist ein neues Auschwitz. Da hat sich in der katholischen Kirche wohl nichts geändert.

  3. cyhyryiys sagt:

    Ein ausgesprochen augenfälliger Widerspruch, was diese Seite dort bietet.

    Etwas mehr Differenzierung hätte den Gottgläubigen sicher nicht geschadet.

  4. Gudrun sagt:

    „Deutsche, wehrt Euch, kauft nicht bei Israelis!“ 3. Juni 2007
    http://www.eussner.net/artikel_2007-06-03_03-27-24.html

  5. Nathan sagt:

    Wir fordern, Produkte aus Israel so lange nicht zu kaufen bis die Besatzung beendet ist.
    http://www.paxchristi.de/fix/files/doc/Forderungen%20aus%20den%20Arbeitsgruppen.2.pdf

    Diese Forderung, aufgestellt im Jahre 2007 von der deutschen Sektion der internationalen katholischen Organisation pax christi hat dieselbe Geisteshaltung als Basis wie die Forderung aufgestellt im Jahre 1933 von der NSDAP: Kauft nicht beim Juden!

    Herr Prof. Verleger, Mitglied des Zentralrates der Juden in Deutschland, hat an dem pax-christi-Treffen teilgenommen und sich nicht von dieser Forderung distanziert.

  6. Armando A. Simon-Thielen sagt:

    Es ist doch immer wieder erstaunlich:
    Pax Christi (Frieden Christi – Man beruft sich mit den Frieden, den man ersehnt, auf einen Juden!)

    1. Links sein bedeutet in diesem deutschen Lande
    a. Immer fest die im Blick haben, die man für Opfer d.i. Palästinenser hält (Israelis, die Opfer von palästinensischen Terror werden, sind selbst Schuld, denn sie stehen auf seiten der Täter, weil sie Israelis sind – vgl. Sderot
    b. Israel muss an Allem Schuld, sonst müssten seine Opfer sich ja nicht „wehren“.
    Wenn Pax Christi in diesem Zusammenhang wie in Bad Boll von „Liebe“ spricht, wirkt das schon fast wie in der Nähe von Obszönität, wenn man bedenkt, was Liebe in der Bibel (auch der christlichen) an Engagement für die Wahrheit bedeutet.
    A..Simon-Thielen

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