Geschichtsbild mit Lücken

04. Februar 2011, von Thomas von der Osten-Sacken

Nach Hosni Mubarak und Zine el-Abidine Ben Ali wird es in Ägypten sowie in Tunesien – und danach in anderen arabischen Staaten – so weitergehen wie bei anderen großen Revolutionen der Neuzeit: der Französischen Revolution von 1789, der Russischen Oktoberrevolution 1917 und der Iranischen Revolution von 1979. „Nichts Neues unter der Sonne.“ Die Zukunft kennt, wer um die Vergangenheit(en) weiß, also die Geschichte, denn Menschen erfinden sich nicht neu.

Da mag Michael Wolfsohn vielleicht Recht haben. Interessant nur, dass einem die Menschen etwa in Tunesien erklären, ihre Revolution habe weder mit 1918 noch 1979 etwas zu tun, sondern man solle sie bitte mit der Nelkenrevolution in Portugal oder dem Sturz der Marcos Diktatur in den 80er Jahren vergleichen.

Hilfreich wäre an dieser Stelle doch eher eine, etwa von Hannah Arendt vorgeschlagene, Trennung in politische und soziale Revolution vor zu nehmen. Politische Revolutionen sind bilang selten gescheitert, erst wenn sie sich  in soziale transformierten, begann der terreur.

Das Vorbild aller großen politischen Revolutionen war und ist übrigens noch immer die amerikanische Revolution, der weder terreur noch Volkstribunale etc. folgten.

6 Antworten zu “Geschichtsbild mit Lücken”

  1. Mr. Moe sagt:

    Was mich stört ist diese Gewissheit, die es nun einmal nicht gibt: Wolfssohn kann natürlich nicht mit Sicherheit sagen, wohin die Reise gehen soll. Aber ebensowenig kann es jemand anders.

    Eigentlich ist es sehr einfach: es ist nicht auszuschließen, dass Tunesien und, vor allem, Ägypten wie Iran enden. Es ist aber auch nicht auszuschließen, dass das Ganze anders, lies: gut, ausgeht.

    Und am Wichtigsten: wie es ausgeht, hängt auch vom Verhalten des Westens ab. Und da bin ich momentan nicht so optimistisch; siehe Einbeziehung der Muslimbruderschaft.

  2. Antifo sagt:

    @Mr. Moe:

    Und am Wichtigsten: wie es ausgeht, hängt auch vom Verhalten des Westens ab. Und da bin ich momentan nicht so optimistisch; siehe Einbeziehung der Muslimbruderschaft.

    Das wird so ablaufen, daß man die Muslimbruderschaft einfach zum Teil „des Westens“ erklären wird.

    Wie Nazis und CIA mit den Muslimbrüdern paktierten
    http://www.welt.de/politik/ausland/article12442027/Wie-Nazis-und-CIA-mit-den-Muslimbruedern-paktierten.html

  3. Unsinn sagt:

    Aber da die Muslimbruderschaft nicht die Nazis und Ägypten nicht Deutschland ist, und ihr vermutlich auch in Deutschland lebt, sollten die Ägypter darüber entscheiden, wie es mit Ägypten weitergeht und nicht ein par bloggende trottel, die USA oder die EU.
    Die MB werden auf jeden Fall beteiligt sein, und es wird sich zeigen, dass die Angst vor der MB in jeder Hincicht unbegründet ist, ob es damit „gut“ wird ist eine andere Frage. Wichtig wäre doch die sozialen Probleme des LAndes zu lösen und da ist „der Islam“ an sich keine Lösung, sondern nur ein Versprechen ohne konkreten Inhalt.
    Dass die MB vor allem pragmatisch sind, haben sie seit jeher gezeigt:Die MB haben ja schon angekündigt, dass der Friedensvertrag mit Isral nicht zur Disposition steht.
    Judenhass als eliminatorisches Projekt ist halt doch eine deutsche- oder sollte ich sagen- christliche Spezialität

  4. Yael sagt:

    Aus der Welt der moderaten Muslimbrüder

    http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/aus_der_welt_der_moderaten_muslimbrueder/

  5. Yael sagt:

    Muslim Brotherhood: ‘Prepare Egyptians for war with Israel‘

    http://www.jpost.com/Headlines/Article.aspx?id=206130

  6. Yael sagt:

    Die ägyptische Muslimbruderschaft

    Ich weiß nicht, wie stark in Deutschland die Stimmen jener sind, die der Öffentlichkeit einreden wollen, bei den Muslimbrüdern handle es sich doch eigentlich um moderate Leute, mit denen man fein Kuchen essen und Tee trinken könne. Hier in Amerika hört man solche Kommentare mittlerweile recht häufig. Bitte weitersagen: Hier ist, was diese moderaten Leute selbst verlautbaren:
    eins, zwei, drei, und hier das Original, damit es nicht hinterher heißt, die Übersetzung sei falsch.

    http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/die_aegyptische_muslimbruderschaft/

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