Derweil in Bagdad …

19. Dezember 2010, von Thomas von der Osten-Sacken

Während also in Suleymaniah Tausende auf die Straße gehen, um in den Worten von Karzan Abid, für „more freedom in our lives“ zu demonstrieren und damit einmal mehr zeigen, dass im Nahen Osten die viel zitierte Straße, wenn sie nur kann, sich auch ganz anders zu artikulieren vermag, als von hiesigen Nahostexperten erklärt, will der Erziehungsminster in Bagdad mehr islamische Freudlosigkeit verbreitet sehen:

The Iraqi Ministry of Education has banned theatre and music classes in Baghdad’s Fine Arts Institute, and ordered the removal of statues showcased at the entrance of the institute without explaining the move, but some of the students mull religious reasons as the real motive.

Erst kürzlich ist ein Dekret, das noch aus Saddams Zeit (!) stammt in der Hauptstadt zur Anwendung gebracht worden: Clubs und Restaurants dürfen keinen Alkohol mehr ausschenken. Dagegen waren Künstler und Intellellektuelle auf die Straße gegangen. (Erneut, auch wenn’s ein trauriger Anlass war, aber bitte vermerken: die „arabische Straße“ demonstrierte hier für das ganz unislamische Recht, sich betrinken zu können).

Hoffen wir also, und wünschen wir es ihnen allen, die gerne in Bagdad einen Arrak oder Whisky trinken und dabei Musik hören, dass der Schrifsteller und Politiker Dhaya al-Shakarchi Recht behalten möge, der Al-Arabiyah erklärte:

„The zealously banning of freedoms won’t be long in Iraq.

There are Iraqis that reject such moves,“ al-Shakarchi said, adding, „the voices of intellectuals, and freedom and creativity lovers will be louder to reject all of this.“

Es kann natürlich auch schiefgehen. Hier aber sieht und liest und hört man, wie es auch kommen könnte. Es daher wäre minimalstes Gebot von Solidarität und Empathie jenen Menschen Unterstützung zukommen zu lassen, die da keineswegs ohne Risiko, für so vermeintlich triviale Angelegenheiten wie das Recht spontan demonstrieren zu können oder abends gemeinsam einen Trinken zu gehen, demonstrieren. Und die Anliegen, die immer wieder auf das Wort Freiheit hinauslaufen, sind so universal, dass man dabei auch noch ganz auf allen Kulturklimbim verzichten kann.

Eine Antwort zu “Derweil in Bagdad …”

  1. cocktail dresses za sagt:

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