Projektion und Empirie

18. Dezember 2010, von Thomas von der Osten-Sacken

Alan Posener greift erneut in diese unselige Islamophobiedebatte ein, kritisiert Pascal Bruckner und erklärt:

Der Rassist greift Menschen an nicht für das, was sie sind, sondern für das, was sie seiner Meinung nach sind. Der Rassist vermutet etwa eine „jüdische Weltverschwörung“, dirigiert von den „Weisen von Zion“, die sich auf dem jüdischen Friedhof von Prag treffen. (…) Homophobe Zeitgenossen halluzinieren eine „verschwulte Republik“ herbei; Islamophoben „die Realität einer islamistischen Offensive in Europa“, unterstützt von nützlichen Idioten wie mir, die verbotene Wörter in den Mund nehmen.

Dass Posener sich standhaft weigert zwischen Rassismus und Antisemitismus begrifflich zu trennen, geschenkt.

In diesem einen Falle aber wäre es doch mal interessant das Gerede von Projektion und Halluzination, die angeblich im Falle von Antisemitismus und Islamophobie so identisch seien, einmal kurz auf seinen Realitätsgehalt zu prüfen. Hat sich je ein Jude für die Weltherrschaft interessiert und entsprechendes publiziert? Nein? Also handelt es sich offenbar um einen Wahn ohne jede Verankerung in der Realität.

Wie steht es nun mit namhaften Predigern, Politikern und Warlords, die ihr Tun und Denken aus dem Koran ableiten und angeblich im Sinne Allahs handeln? Von Ayatollah Khomenei bis zu Usama bin Laden auf der einen, Teilen der ach so moderaten AKP-Regierung auf der anderen – und unzähligen Mullahs dazwischen – erklären sie alle laut und deutlich, ihr langfristiges Ziel sei die Islamisierung Europas. Wer dies dokumentiert und analysiert, handelt nicht wahnhaft, sondern empirisch.

Rassistisch dagegen argumentiert, wer nun allen Menschen, die im weitesten Sinne Muslime sind (also ihren Glauben irgendwie leben und nicht nur als Kinder muslimischer Eltern geboren worden sind), deshalb unterstellte, sich zur Eroberung Europas unter der Fahne des Propheten verschworen zu haben.

11 Antworten zu “Projektion und Empirie”

  1. Ein Bürger sagt:

    Dieser Alan Posener, oder besser „dieser wiedergeborene Karl Eduard von Schnitzler“ ist einer der dämlichsten „Journalisten“ der Medienlandschaft. Ob damals „Der schwarze Kanal“ oder jetzt, auf welt.de, die Rubrik „Bullshit“: Dummdreiste Hetze der übelsten Sorte, ideologisch total eingeschnürt und dazu noch ausgestattet mit einem ungeheuren Maß Ahnungslosigkeit.
    Schnitzler MUSSTE damals seinen Stuss verbreiten, wg. der Karriere – Posener WILL ihn verbreiten. Warum ? Keine Ahnung. Oder ist er im Grunde seines Herzen doch nur ein sehr gewiefter Satiriker….

  2. Antwortgeber sagt:

    Alan Posener ist zwar nicht meiner Meinung, und zu seinen Kommentaren fällt mir auch sehr viel ein, aber deshalb sind des eben gute Kommentare, die er schreibt: Sie laden zum Nachdenken und zum Widerspruch ein. Dass er nicht immer meiner Meinung ist, schade, geschenkt, bitte mehr!

  3. jackdaw sagt:

    @ Antwortgeber
    Können Sie damit leben?

  4. Antwortgeber sagt:

    @ jackdaw
    Womit? Dass Posener nicht meiner Meinung ist? Ja. Dass hier quasi religiöse Kriege auf Achse der Besten, Wadiblog etc. geführt werden gegen Menschen wie Posener, die nun wirklich nichts anderes tun, als ab und an Hallo? zu rufen. Nein. Und nun noch das: Nach zweimal Lesen von Poseners Kommentar komme ich zum Schluss, dass Osten-Sackens Verdikt „unselig“ leider unterirdisch ist.

  5. jackdaw sagt:

    d.h., daß „er“ nicht „immer“ ihrer Meinung ist, somit ich auch nicht, somit der O-S, somit auch Sie ihrer Meinung auch nicht – ist nicht schlimm …!
    Ist es so, oder anders …?

  6. Hannes sagt:

    Es gab doch Juden, die die Weltherrschaft wollten:

    Karl Marx
    Wladimir Ilych Lenin (Mutter: Blank)

  7. avi sagt:

    na hören sie mal: aber nicht ihm namen jehova´s !!! oder ist ihr post ironisch?

  8. Joram sagt:

    Karl Marx war kein Jude. Er war zwar jüdischer Herkunft aber sowohl sein Vater als auch er konvertierten zum Lutheranismus. Damit haben sie sich eindeutig vom Judentum getrennt. Man kann nicht ein jüdischer Protestant sein oder protestantischer Jude. Das geht nicht.
    karl Masrx wurde bestimmt nicht als Jude erzogen. Und er selber wollte mit den Juden nichts zu tun haben. Das alles kann jeder überall nachlesen. Nur die Verschwörungstheoretiker verbreiten solches abstrüses Gedankengut. Wenn es unter den späteren Revolutionären die Macht der Proletariat anstrebten auch Menchen jüdischen Abstammung gab, dann nicht deswegen weil sie dem Judentum zum Weltherrschaft verhelfen wollten. Jeder logisch denkenden Mensch lacht sich kaputt wenn er an Rosa Luxemburg und Synagoge denkt.

  9. Massel Tov sagt:

    na- du pfeife?
    der kommentar war wohl ’n tick zu herb.
    deshalb: lieber löschen- gell?
    flasche!

  10. Unsinn sagt:

    @Massel tov
    Warum? Marx war tatsächlich kein Jude, genauso Wenig wie Mendelssohn. der Mann war evangelisch getauft.
    Wer sie Leute zu Juden gemacht hat, die sie garnicht sein wollten, waren die Nazis. Ansonsten ists wie mit den Exmuslimen, man kann zumindest für sich selbst jedem Glauben den Rücken zuwenden.

  11. Yael sagt:

    @Joram

    ganz so eindeutig ist es nicht (halachisch), er hätte theoretisch Tschuwa machen können oder einen Gijur l’chumra.

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