Über den menschenfreundlichen Zentralrat der Muslime und seine Dialogpartner

18. Dezember 2010, von Arvid Vormann

Der Zentralrat der Muslime kann sich doch tatsächlich nicht dazu durchringen, Genitalverstümmelung für verboten zu erklären. Auf seiner Seite heisst es:

„Beschneidung von Frauen
Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) distanziert sich von ausdrücklich dieser vorislamischen Sitte.“ usw.

Das ist absolut keine Spitzfindigkeit. Wenn es um Tätowierungen, nackte Frauen anschauen oder Analverkehr (die „kleine Homosexualität“) geht, fehlt es dem Rat nicht an Klarheit. „VERBOTEN!“ heisst es da, und nicht etwa „Der ZMD distanziert sich ausdrücklich von Analverkehr“.

Zugleich ist der Zentralrat sichtlich bemüht, das Ausmaß von FGM und den Zusammenhang mit dem Islam herunterzuspielen.

„Die Beschneidung von Frauen ist im größten Teil der islamischen Welt völlig unbekannt und wird dort nicht praktiziert, mit Ausnahme von wenigen Ländern in Afrika.“

Wenige Länder. 28, um genau zu sein. Von der Ostküste bis zur Westküste. Außerdem der südliche Teil der arabischen Halbinsel, Irak, Iran, Indonesien, Malaysia, Thailand. Die Gegenfrage ist legitim: In welchem Teil der islamischen Welt ist Genitalverstümmelung eigentlich völlig unbekannt? Selbst in Marokko können die Alten noch davon berichten.

„Dort, wo es die Beschneidung von Mädchen gibt, erfolgt sie auch unter Nichtmuslimen, weil es sich um einen vorislamischen Brauch handelt.“

Ein sehr wohlfeiles Argument, das zur Gebetsmühle der Apologeten gehört. Richtig ist, dass Nichtmuslime, die als Minderheit in einer muslimischen Mehrheitsgesellschaft leben (müssen), teilweise auch die Verstümmelungspraxis mit ihren Nachbarn teilen. Erfahrungen haben aber gezeigt, dass diese Gruppen sich leichter davon abbringen lassen, und dass für Christen und andere die Religion als Legitimation eine wesentlich geringere Rolle spielt. Der Islam ist die einzige Religion, die FGM systematisch predigt und fördert. Mit dem Siegeszug des Islam Richtung südliches Afrika konnte auch die Ausbreitung von FGM festgestellt werden. Trotz dieser evidenten Zusammenhänge gibt es auch christliche Mehrheitsgesellschaften, die FGM praktizieren (Äthiopien, Nigeria). Dem Papst stünde da ein Wort zum Thema gut an.

„Im Gegensatz zu der kürzlich veröffentlichten Meinung des ägyptischen Scheichs Jussuf Al Badri, gibt es aus islamischer Sicht kein derartiges Erfordernis.“

Ist das nicht beruhigend? Der Zentralrat sieht „kein derartiges Erfordernis“. Doch vergessen wir bitte nicht: Wir sollten dankbar sein für diese ausgesprochene Reformposition, die hier auch als Zugeständnis an europäische Vorstellungen verstanden werden sollte.

„Die mit „pharaonischer Beschneidung“ schöngeredete Verstümmelung der Geschlechtsteile von Mädchen widerspricht eindeutig den Lehren des Islam, auch weil damit eine gravierende und gesundheitlich riskante Veränderung der Schöpfung GOTTES vorgenommen wird.“

Nur die pharaonische Verstümmelung wird vom Zentralrat auch als solche anerkannt. Alles andere halten die Herren für „Beschneidung“. Und da kann man so oder so zu stehen – jedenfalls gibts „kein derartiges Erfordernis“.

Es ist tatsächlich so: Die Infibulation hat im Islam keine Basis. Den Überlieferungen zufolge hat sich der Prophet für moderate Verstümmelungen ausgesprochen. Was nicht heisst, dass Infibulation vor Ort nicht islamisch legitimiert wird. Natürlich wird sie das.

Wie schon angedeutet, ist die Seite (als hochoffizielle Seite des hoch verehrten Zentralrats) auch sonst sehr lesenswert und lehrreich. Da ist zu erfahren, dass Geschlechtsverkehr während der Menstruation verboten ist und Analverkehr immer. Rauchen, Alkohol, Schweinefleisch sind natürlich verboten. Abtreibung spätestens nach dem 42. Tag verboten. Einem Nichtmuslim etwas zu vererben, ist verboten. Sterilisation und dauerhafte Verhütung verboten. Vorhaut behalten verboten. Kopftuch Pflicht. Bittgebete an die Toten sehr verboten. Pornos verboten. Wichsen verboten. Und wer das alles irgendwann nicht mehr aushält: Auch Selbstmord ist verboten.

Da ist Dialog gefragt, oder? Ausgerechnet das Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien an der Uni Potsdam war sich nicht zu fein dafür, den bärtigen Vorsitzenden dieses ehrenwerten Vereins, Ayman Mazyek, zu einer Konferenz einzuladen, zu der auch Lars Rensmann und andere Betriebsnudeln gerne ihr Stelldichein geben. Mit Mazyek auf einen O-Saft im Foyer – da mögen sich anregende Gespräche entspinnen.

Dabei wird Rensmann schon im Einladungstext als Mahner wider die Bagatellisierung verhöhnt:

„Sind „Islamophobie“ und „Judaeophobie“ nicht zwei Seiten einer Medaille?
Halten es die einen für ein Gebot der Vorurteilsforschung, Ähnlichkeiten beider Phänomene herauszuarbeiten, so mahnen andere, nicht Unterschiede durch Vergleich zu bagatellisieren.“

Hoffen wir also, dass es Rensmann gelingt, die Unterschiede der „Judaeophobie“, wie der antisemitische Wahn, der in der millionenfachen Vernichtung endete, hier verniedlichend genannt wird, besser herauszuarbeiten – dann klappts auch mit dem Vergleich.

Eine Antwort zu “Über den menschenfreundlichen Zentralrat der Muslime und seine Dialogpartner”

  1. jackdaw sagt:

    Selbstmörderisches wichsen verboten …?
    Alkoholverbot, bestimmt nur teilweise gegorene Früchte (Wein), gegorene Stutenmilch geht, Industriealkohol auch, dazu ein aufklärerischer Film:
    http://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%A4dchen_beim_Frauenarzt
    und das Interesse an fremden Vulvas bahnt sich einen anderen nichtzerstöterischen Weg. AIDS hat die islamischen Staaten nicht an einem zu schnellen Geschlechtsverkehr erreicht, ehrer wartete es am Tunneleingang!

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