Ein aufrechter weißer Professorenmann, der es doch nur gut meint

17. Dezember 2010, von Oliver M. Piecha

Micha Brumlik will doch nur ein bißchen mitreden. Überall & gerne. Auch auf so einer Postcolonialqueercriticalwhitnessgender-studies-Konferenz in Berlin, ausgerichtet von der notorischen Christina v. Braun. Wenn er das für akademisch seriös und spannend hält, und bei so etwas persönlich in Erscheinung treten möchte, nun, Brumlik ist ein erwachsener Mensch.

Aber jetzt beklagt er sich ja doch ein wenig. Weil man ihn nicht hat ausreden lassen, als er vom Podium einer Referentin zu ihrem grusligen Vortrag (Kurzfassung: Daß Homosexuelle in Israel nicht gezielt verfolgt werden, ist ein übler Propagandatrick der Zionisten) berechtigte Fragen stellen wollte. Zumal das Publikum, das doch linksakademisch und also auch judentolerant hätte sein sollen, sich gegen ihn gestellt hat. Man hat Brumlik zudem, und das scheint ihn ganz besonders getroffen zu haben, einen dominaten, weißen Mann genannt. Ein bißchen Tragikomik ist schon dabei. Zumal wenn man bedenkt, daß Micha Brumlik, der doch nur ein bißchen mitreden möchte, überall & gerne, kritisch & links, in der Frankfurter Rundschau gerade Werbung für den Begriff der „Islamophobie“ gemacht hat.

Auf den Gedanken, daß das eine mit dem anderen zusammenhängen könnte, also das queertheoriegefestigte Berliner Publikum, das vom Holocaust nichts mehr wissen will und sich manisch an Israel abarbeitet, mit der forcierten Popularisierung eines politischen Kampfbegriffes, den die „Islamische Republik Iran“ erfunden hat, nein, darauf scheint Brumlik bisher noch nicht gekommen zu sein. Aber er ist ja auch gar nicht scharfsinnig, er tut ja offensichtlich nur so. Wiegesagt ein wenig tragikomisch das alles.

Jungle World: Wie war denn die Stimmung auf der Veranstaltung?

Auffällig war zunächst, dass den anderen Vorträgen im Schnitt nur 20 bis 30 Zuhörerinnen und Zuhörer beiwohnten, bei dem Vortrag von Frau Puar aber mindestens dreimal so viele anwesend waren. Dieses aktivistische Publikum hat sich insbesondere auf meine Einwände hin außerordentlich unfreundlich gemeldet. Da war etwa eine junge Dame – und das ist mir zum ersten Mal in meinem Leben passiert –, die mich als »dominanten weißen Mann« kritisiert hat. Ein junger Mann behauptete, die ganze Diskussion zeige, dass in Köpfen wie meinem offensichtlich immer noch die Vorstellung vorherrsche, dass Deutschland eine »weiße Nation« sei. Und was soll man denn davon halten, dass sich während des Vortrags eine Frau gemeldet hat, um sich zu beklagen, dass sich die Deutschen immer nur für den Holocaust interessieren würden, nicht aber für den Genozid an den Hereros? Das ist ja in gewisser Weise auch richtig, nur: Es klang so furchtbar anklagend. Genauer gesagt: Die Deutschen wurden angeklagt, sich zu sehr für den Holocaust zu interessieren. Und ansonsten war der Erregungspegel sehr, sehr hoch.

Das Beunruhigende war auch, dass die ansonsten interessante Konferenz von diesen vielen, vielen Leuten gar nicht wahrgenommen wurde. Die meisten sind nach dem Vortrag von Puar auch gleich wieder gegangen. Puar ist entweder ein heimlicher Star in einer bestimmten akademischen Subkultur. Oder der Titel ihres Vortrags, »Beware Israeli Pinkwashing«, hat bei weitem die größte Hörerschaft angezogen. Was den fragwürdigen Titel angeht: Dafür muss man schon den Veranstalterinnen die Verantwortung zuweisen.

3 Antworten zu “Ein aufrechter weißer Professorenmann, der es doch nur gut meint”

  1. Ein aufrechter weißer Professorenmann, der es doch nur – Wadinet.de sagt:

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  2. M. Möhling sagt:

    Beim Link zur Jungle World fehlte etwas.

  3. Oliver M. Piecha sagt:

    Korrigiert, Danke!

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