Versöhnung

12. Dezember 2010, von Thomas von der Osten-Sacken

Der unter anderem vom ehemaligen Hitlerjungen von Weizsäcker unterschreibene Appell mit der Forderung, Israel endlich für sein völkerrechtswidriges Tun zu bestrafen, trifft beim ehemaligen Zentralorgan der FDJ auf ungeteilte Begeisterung. Wenn das nicht späte Versöhnung auf höherer Ebene ist. Den Juden sei Dank

Während über Serbien eine mörderische Wirtschaftsblockade verhängt wurde, weil es der imperialistischen Neuordnung der Welt Widerstand entgegensetzte, und sich die Schlinge um den Iran immer enger zusammenzieht, weil er von seinem Recht auf Atomforschung nicht ablassen will, verhöhnt der zionistische Staat von Beginn seiner auf massiven ethnischen Vertreibungen gegründeten Existenz internationales Recht, ohne daß er sich dafür je hätte verantworten müssen.

Das wenigstens angesprochen zu haben, ist den Oldies als Verdienst durchaus anzurechen. (…) Als schlimmste Strafe ziehen die Unterzeichner eine den Israelis aufgezwungene internationale Lösung in Erwägung, wozu die UNO durchaus legitimiert wäre, wenn sie nur wollte. So einfach könnte das gehen.

8 Antworten zu “Versöhnung”

  1. Richard sagt:

    Ein wenig mehr als Hitlerjunge

    1937 legte Weizsäcker sein Abitur am Bismarck-Gymnasium (heute Goethe-Gymnasium) in Berlin-Wilmersdorf mit knapp 17 Jahren ab.[1] Er war Fähnleinführer der Hitlerjugend im Jungbann 37 in Berlin Wilmersdorf-Zehlendorf und erfüllte die Kriterien nationalsozialistischer Begabtenförderung. Nach seinem Schulabschluss reiste Weizsäcker nach Oxford (Großbritannien) und Grenoble (Frankreich), um dort Vorlesungen über Philosophie und Geschichte zu besuchen.

    1938 wurde Weizsäcker zum Reichsarbeitsdienst eingezogen. Es folgte ab Herbst desselben Jahres der Wehrdienst in einer Maschinengewehrkompanie des Potsdamer Infanterie-Regimentes 9, das zur 23. Infanterie-Division gehörte. Sein Bruder Heinrich von Weizsäcker diente als Leutnant im selben Regiment. Am 1. September 1939 überschritten die Einheiten der Weizsäcker-Brüder im Rahmen des Polenfeldzuges die polnische Grenze am Polnischen Korridor rund 40 Kilometer nördlich von Bromberg. Richards Bruder Heinrich von Weizsäcker fiel am Abend des 2. September in der Schlacht in der Tucheler Heide, wenige hundert Meter von ihm entfernt am Bahndamm von Klonowo bei einem polnischen Gegenangriff.[2]

    Nach dem Polenfeldzug wurde Weizsäcker mit seinem Regiment an die luxemburgische Grenze verlegt. Während des Westfeldzuges nahm Weizsäcker an Offiziersanwärter-Lehrgängen teil. Danach kämpfte Weizsäcker während des Unternehmens Barbarossa bis zur Schlacht um Moskau in der Sowjetunion. Im Sommer 1941 wurde er zum ersten Mal verwundet, erhielt das Eiserne Kreuz 2. Klasse[3] und verbrachte vier Wochen in einem Lazarett. Im Winter 1941/42 wurde das Regiment fast vollständig aufgerieben. Im Frühjahr 1942 versetzte man ihn als Ordonnanzoffizier zum Oberkommando des Heeres. Nach seiner Beförderung zum Oberleutnant kehrte er zu seiner alten Einheit zurück und wurde Adjutant des Regimentskommandeurs. 1943 nahm er an der Leningrader Blockade teil, der 1,1 Millionen Einwohner zum Opfer fielen. Anfang 1944 erhielt er das Eiserne Kreuz 1. Klasse.[4]. Später folgte die Beförderung zum Hauptmann der Reserve.

  2. Joram sagt:

    Dass so einer wie V. Weizsäcker Juden nicht ausstehen mag, wundert mich nicht. Die Sozialisation in der Kindheit und Jugend hinterläßt ihre Spüren für die Ewigkeit. Da jetzt der alte Sack seine Maske ablegen kann, kommt ihm sehr gelegen. Israel vom heute ist für den Träger des Eisernen Kreuzes der Jude vom Gestern. Und komischerweise immer noch gibt es Leute die so was wie ein Respekt für den Fähnleinführer a.D. entgegenbringen. Einmal Nazi immer Nazi.

  3. steiner sagt:

    Endlich kommt er wieder unverdeckt hoch in Europa, der ewige Antisemitismus. Wir Europäer setzen die internationalen Koordinaten um Israel zu vernichten. Vorne weg ein Leutnant von Hitlers Gnaden und ein Herrenreiter der in jungen Jahren seinen Vater vehement verteidigte. Der war zweiter Mann in einer “ Verbrecherischern Organisation “ auch AA genannt.

  4. Ekkehard Stegemann sagt:

    Wenn einer wie Richard von Weizsäcker mit seiner Biographie und Familiengeschichte sich moralisch über Juden erhebt anstatt einfach einmal zu schweigen, weil er sich eigentlich moralisch als unlegitimiert einschätzen sollte, dann ist der Punkt erreicht, an dem man nicht mehr von einer erfolgreichen Rehabilitation der Fähnleinführer sprechen kann. Er hatte doch so viel Anerkennung gefunden mit seiner berühmten Rede. Nun zerstört er mit der bekannten moralischen Ueberheblichkeit, die allen, die Juden nicht mögen, eigen ist, dieselbe. Schade. Dass der ewige Bundeskanzler H.S. auch dabei ist, ist weniger überraschend. Der hielt ja schon und verhehlte es nicht Begin für einen Faschisten. Das war der Beginn der Israelis sind Nazis- Gleichsetzung. Aber übrigens: Haben diese ehemaligen deutschen Wehrmachtsoffiziere irgendwann einmal die Verbrechen von Palästinensern angeprangert, etwa auch dazu Stellung genommen, dass Hamas ein genozidales Programm hat? Für Informationen wäre ich dankbar.

  5. Joram sagt:

    Der Wehrmachtsoffizier a.D. Helmut S. unterscheidet sich nicht von dem Fhanleinführer v.W. Die alte Säcke sind anscheiend in der Jugend auf Antisemitismus konditioniert worden. Und das prägt. Bis zum Grabe. Da können sich so anstrengen um das zu verbergen, aber wenn es drauf ankommt, dann ist im Zweifelfall immer der Jude schuld, dass es den Antisemitismus gibt. Weil er sich nicht schnell genug vom Zionismus distanziert. Deren Meinung nach, sollte jeder Jude ein vor sich ein Schild tragen: „ich bin ein bekennender Antizionist“? Dann ist der Antisemitismus zu Ende? so denken sie diese Bekloppten?
    Nun ich bin ein bekennender Zionist und ich liebe Israel. Da halte ich lieber die alte Nazisäcke aus anstatt mich zu verleugnen.

  6. Provinzler sagt:

    Die Familie des Richardchen ist wie ein Fettauge, sie schwimmt immer oben, in jedem System. So auch im sog. 3. Reich, in dem der Papa der oberste Beamte von Ribbrentropp war, aber von der Schwußlichkeit der Nzis natürlich keine Ahnung hatte. Im Herzen war er ein Widerstandskämpfer, der nur die Deportationsanordnungen für Juden unterschrieb, die ihm vorgelegt wurden. Mehr aber auf keinen Fall. Sonst distanzierte er sich scharf von den Nazis und beschützte, wenn nicht die Juden, so doch deren Eigentum. So zog die Familie 1938 in ein „arisiertes“ Haus in Berlin und war fest entschlossen, die wertvolle Einrichtung für den enteigneten Juden zu erhalten. Leider machte der Bombenkrieg der Amis diese löbliche Absicht zunichte. Lesen wir Thorsten Hinz:

    Wie hat man denn gewohnt so ab 1938, 1939 in Berlin? Kein Wort dazu in den »Vier Zeiten« (Richards Autobiographie), nur einmal – aber da geht es schon um 1945 ? heißt es lapidar: »Das Berliner Haus, in dem die Familie zuletzt gewohnt hatte, war den Bomben zum Opfer gefallen und abgebrannt.«

    Wir helfen nach; Staatssekretär Ernst Freiherr von Weizsäcker zog im Juni 1939 aus seiner Berliner Mietwohnung in eine Dienstwohnung im Tiergartenviertel, in die Admiral-von-Schröder-Straße 34/36 (davor Kaiserin-Augusta-Str. 64/65, heute Köbis-Straße 34/36). Das Haus war ein 1923 fertiggestellter, freistehender, symmetrischer Bau, der an die klassizistische Tradition in Preußen erinnerte, und von einem großen Garten umgeben. Bis 1938 gehörte es dem jüdischen Bankier Hans Fürstenberg, dem Chef der Berliner Handelsgesellschaft, einer der größten deutschen Geschäftsbanken. Fürstenberg, ein bedeutender Büchersammler, hatte das Haus mit deckenhohen Regalen, Wandmalereien und antiker Ausstattung versehen.Von der Gestapo verfolgt, floh er ins Ausland. Im November 1938, dem Monat der Pogromnacht, mußte er das Haus »einschließlich Zubehör« an das Reich verkaufen (»Berliner Lebenswelten in den zwanziger Jahren«, hg. v. Bauhaus-Archiv Berlin 1996, S. 50 ff.)

    Richard von Weizsäcker hat seinen Vater stets verteidigt, angefangen vom Wilhelmstraßen-Prozeß bis hin zu seinen Memoiren. Die Sohnesliebe mag seine Gedächtnislücken undVerdrängungen entschuldigen. Er hat aber wenig Recht zu behaupten, seine Rede vom 8. Mai 1985 reflektiere die »konkreten Erfahrungen [seiner eigenen Generation« und sei auf die Überzeugung gestützt gewesen, »daß ich für uns alle zu sprechen hatte«.
    Nicht jede deutsche Familie hat eine derart prächtige Dienstwohnung aus jüdischem Besitz in Beschlag genommen wie die Weizsäckers, und in der Tat haben nicht viele Deutsche geahnt, daß Ernst von Weizsäcker im September und Oktober 1942 »den ungarischen Gesandten drängte, der „Aussiedlung“ der zur “Panikmache“ neigenden Juden nach Osten zuzustimmen« (Rolf Hochhuth 1963 im Nachwort zum »Stellvertreter«).

    Aus Bescheidenheit verschweigt das Richardchen diesen uneigenützigen Einsatz seiner Familie für die Juden. Er ist schon ein toller Kerl, makellos und rein wie ein Engel.

  7. Yael sagt:

    Jetzt wächst endlich zusammen, was zusammen gehört.

  8. Freud sagt:

    Bei Schmidt wußte ich stets, daß der Mann zu Israel eine merkwürdige Haltung hat. Vielleicht saß er zulange (gezwungen, er war ja „abkommandiert“!) bei Freisler im Publikum und stellte die Öffentlichkeit dar und her.
    Aber bei Weizsäcker bin ich doch überrascht gewesen. Freilich, seine Haltung zu braunen Themen war stets ein wenig arg sonntagredend, etwas moralinsauer und – dem Nachfahren der Täter bzw. dem jungen Täter wenig angemessen – mit etwas arg erhobenem, steifen Zeigefinger vorgetragen; das machte schon immer etwas verdächtig, was da vorgetragen wurde.
    Aber nun entblößt er sich, der häßliche Deutsche.
    Als Student wohnte ich mal bei einem älteren Paar im Haus. Der Mann erlebte seine letzten Tage, er litt an MS und der Tod wartete schon drängend vor der Tür. Der erzählte mir stolz von seiner Jugend, die er natürlich als Wehrmachtssoldat verbrachte. Damals verstand ich aber: angesichts seines Verfalls, angesichts seines nahenden Endes erinnerte er sich an seine Jugend, als er jung und gesund war, hinter den Mädels und allgemein dem Leben her. Daher nahm ich ihm seine an sich quälenden Plaudereien nicht wirklich übel; ich sah den sterbenden Mann und verstand seinen Wunsch, sich nicht mit der Gegenwart, sondern einer für ihn schöneren Vergangenheit zu befassen. Vielleicht ist das bei den Pappnasen, die gerne mal mit der Hamas reden wollen, auch so. Vielleicht sehnen sie sich zurück nach ihrer Zeit der Macht und des Einflusses, und da die Hamas (ähnlich wie Iran-Radio) mit so ziemlich jedem westlichen Sauerstoffverbraucher redet, sofern der gegen Israel mit Worten oder anderem zu schießen bereit ist, füllt vielleicht auch Selbstmitleid über verlorenen Einfluß das Töpfchen, aus dem diese Worte quellen.

    Unerträglich, wenn der früh aufgenommene Antisemitismus dieses Greisen aus der selbstgefälligen Fratze trieft.

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