Aus dem Reich der Untoten

15. Juni 2010, von Oliver M. Piecha

Es rumpelt im Sarkophag. Der Betondeckel rutscht scharrend zur Seite.  Eine Greisenhand in einem verblichenen Adidastrainingsanzugsärmel schiebt sich über den Rand des Sarkophags und ballt ganz langsam die Faust. Man erschaudert. Was würden sie nur ohne Israel machen? Dieses kleine Land gibt ihnen offensichtlich eine geradezu unheimliche Kraft zum Leben.

Und schon geht es wieder los, krächzend:
Castro observed in one of his recent articles that the current treatment of Palestinians by the Tel Aviv regime was reminiscent of Israel sending Palestinian masses to the crematoria, where millions of Jews have been reported exterminated by German Nazis.
„It would seem that the Fuehrer’s (Nazi leader Adolf Hitler’s) swastika is today Israel’s banner,“ he added, Reuters reported.
Israel claimed that Castro’s views were cited by Cuba’s diplomatic mission in Geneva amid debate in the United Nations Human Rights Council on Israeli action in the occupied territories.

via Press TV

15 Antworten zu “Aus dem Reich der Untoten”

  1. Freud sagt:

    Naja, das ist doch nur konsequent. Der sich beharrlich gegen sein Ableben sperrende Castro quatscht sich an das Niveau seines Kumpels Chavez heran und offenbart (denn in gewisser Weise wirkt Greisentum wie Alkohol: enthemmend), was er denkt und vielleicht schon immer dachte.

    Der linke Antisemitismus ist fast noch etwas unerträglicher als der rechte – weil man der Linken allgemein zugute hält, daß sie das Gute will (und doch stets das Böse schafft), während die braune Rechte ja nicht einmal im Selbstverständnis etwas allgemein Gutes anstrebt.

    Übrigens: Nach dem Erdbeben auf Haiti im Januar 2010 war die israelische Armee eine der ersten Hilfsorganisationen vor Ort, baute ein Feldlazarett auf, betrieb es wochenlang und schenkte es am Ende mitsamt der Ausrüstung den Haitianern. Das war quasi vor Castros Haustür. Da fiel ihm sein geschmackvoller Vergleich noch nicht ein.

    Es bleibt zu hoffen, daß Kubas Regime nach dem Tod der Castros erodiert und das Land mit seiner geschundenen Bevölkerung frei wird.

  2. Cyrano sagt:

    „He claimed that Iran is subject to Israeli threats…“ vielleicht hat er ja auch einfach nur was verwechselt, oder er ist einem Übersetzungsfehler aufgesessen, oder Castro wurde falsch übersetzt… ;-)

    Nach dem Erdbeben auf Haiti war übrigens Chavez ganz schnell dabei, den USA den Besitz einer Erdbebenmaschine zu unterstellen, und zumindest im Netz wurde gegen die Israelische Armee schnell wieder der Organhändler-Vorwurf laut.

  3. Martin sagt:

    @Freud: Völlig richtig. Der „linke“ Antisemitismus ist keinen Deut weniger widerwärtig, als der rechte. Häufig sogar deutlich widerlicher, was der besonderen Bräsigkeit vieler steindummer „linker“ Protagonisten, wie Paech, Höger und dergleichen geschuldet ist, die so voll von Selbstgerechtigkeit und dem Wissen um ihre eigene Gutheit sind, das sie nicht mehr laufen können.
    Da schafft auch ihr konstanter Sprechdurchfall keine Linderung.
    „Durch Dummheit, Ignoranz und Narzissmus schlecht“, könnte man als Motto für diese Leutchen stehen lassen.

  4. Emil Ule sagt:

    Als Selbst-Altlinker, Ex-Marxist, Ex-Castro-Fan, Ex-Anti-USA-Demonstrant, Ex-Chavez-Fan und EX-Ostermarschierer weiß ich: Das Problem ist, dass die Immer-noch-Ultralinken sich vor Jahrzehnten ihre Erklärung der Welt zurechtgebastelt haben – die in sich stimmig ist und von Fakten nicht notwendigerweise aus dem Gleichgewicht gebracht wird – und ein Über-Bord-Werfen dieser Welterklärung die Altlinken blitzartig vor den Scherbenhaufen ihres eigenen Lebens stellen würde. Und je „professioneller“ das Links-Sein betrieben wurde, desto schwerer wird es, aufzuwachen und zu erkennen, dass man mitnichten auf Seiten der Guten war.

  5. Lyllith sagt:

    Emil Ule sagt:

    15. Juni 2010 um 9:32

    Vielen Dank für die plausible Erklärung. Aber warum holen diese Überlinken nicht die Theorie nach und lesen die MEW und, ganz wichtig, halten einfach die Klappe.

  6. Anhalter durch die Galaxis sagt:

    MEW lesen ist nie verkehrt.

    Ansonsten, klar, da hat der alte Fidel C. wohl eine ziemliche Kacke verzapft. Ziemlich grosser Unfug.

    Rückschlüsse auf das, sozusagen, historische Projetk der Linken lässt das keineswegs zu. Oder: was ist das historische Projekt der Rechten?

    So etwas bemisst sich nicht daran, welche Repräsentanten gerade irgendwelchen Unsinn verzapfen. Solchen gibts leider, gerade in diesen Zeiten (Fehlen einer starken UND rationalen Linken), zu Hauf.

  7. willow sagt:

    „Rückschlüsse auf das, sozusagen, historische Projetk der Linken lässt das keineswegs zu. Oder: was ist das historische Projekt der Rechten? “

    Nun Anhalter, bürgerliche Staaten mit recht hohem (gemessen an den Ländern des real existierenden Murxismus) Wohlstandsniveau auch für „kleine Leute“ gibt es einige… kannst du auch nur ein Beispiel dafür nennen, daß der jeweils eingeschlagene Weg zum Sozialismus nicht zu Mord/Totschlag sowie Armut und Verelendung der breiten Massen führte? Nur ein einziges Beispiel? Sag jetzt nicht Kuba…

  8. Anhalter durch die Galaxis sagt:

    Ja, Nicaragua (da gab es zwar Mord und Totschlag, die gingen aber dummerweise allein von den Contra-Terroristen aus, die Ronald Reagan losschickte: die USA wurden in Den Haag 1984 dafür verurteilt) oder Burkina-Faso in seinen bewegten Jahren. Auch der Selbstverwaltungs-Sozialismus in Algerien kurz nach der Unabhängigkeit fällt mir ein, dazu weiss ich aber deutlich zu wenig, ausser dass er durch einen Militärputsch beendet wurde. Es gäbe noch ein paar Beispiele mehr.

    Und, natürlich, die Monate der Pariser Kommune. Die endeten auch mit Mord und Totschlag, die aber von der Bourgeois-Regierung in Versailles begangen wurden (ein ziemliches Gemetzel sogar, ein paar Zehntausend Tote, meines Wissens).

  9. Cyrano sagt:

    Liebe/r Willow: So lächwerlich es ist, zu glauben, man könnte das historische Projekt „der Linken“, die sich nur gegen Pauschalisierung wehrt, wenn sie scheitert, unabhängig vom historischen Produkt linker Bewegungen betrachten, so falsch ist es aber auch, den Kapitalismus und die „westliche Demokratie“ an ihren Sonnenseiten zu messen. Der Anhalter kennt da vielleicht nur Nicaragua, weil er dann sofohrt auf die USA verweisen kann, aber es währe viel weiter auszuholen. Von den Einhegungen und den daraus folgenden vielen Toten in Mitteleuropa über die Regression in den Faschismus, die eben nicht einfach nur antiaufklärerisch, sondern die Aufhebung der Aufklärung auf ihren Grundlagen war, über im Stich gelassene Revolutionäre wie Mossadegh gibt es nun wirklich keinen Grundstolz zu sein, weil andre dumm waren. Und ja: Es gab wenige Beispiele eines stabilen Sozialismus, und nein, „Anhalter“, Algerien ist nun wirklich kein gutes Beispiel, aber dann wiederum: Bürgerliche Staaten mit hohem Wohlstandsniveau gibt es gar nicht so viele, wie du, Willow, vermutest, und Afrika wird nicht einfach nur arm regiert, wie Marxeiner und Mirsch behaupten. Es ist wirklich lächerlich, wenn man von den „Kommunisten“ immer den perfekten Kommunismus verlangt, während ansonsten jeder Depp selbst dran schuld ist, wenn er verreckt, weil ja alle die gleiche Chance hatten, ein wenig Kuchen zu essen…

  10. Freud sagt:

    Niemand verlangt von den linken einen perfekten Kommunismus. Den gab’s ja schon, in der UdSSR, der DDR, Rumänien, Bulgarien, Nordkorea, Nordvietnam, auf Kuba.
    Jeder Mensch, der den Menschen an sich nicht als ein Stück Vieh betrachtet, dem zu sagen hast, wie er zu leben hat, braucht einfach gar keinen Kommunismus.
    Es gibt kein ‚historisches Projekt‘ der Linken, das irgendein Mensch noch einmal wiederaufleben lassen möchte.
    Vielleicht seid Ihr nur deswegen noch so sehr darin verliebt, weil es Eure Jugend war und Ihr mit dem Älterwerden Probleme habt?
    Im Übrigen waren – wenn ich nicht gerade eins übersehe – alle sozialistischen Staaten antizionistisch und mehr oder weniger auch antisemitisch. Schönes ‚historisches Projekt‘!
    Zum Glück geht über solche Pappnasenträumereien die Wirklichkeit recht gnadenlos hinweg.

  11. Lesender Arbeiter sagt:

    @ Freud

    Ah, die Bilanz des Kapitalismus, die sieht total rosig aus? Toll….

  12. Freud sagt:

    Das sagt niemand. Aber immer noch besser als alles andere, was wir bisher hatten.
    Die anderen Ideologien haben abgewirtschaftet, weil sie entweder zu viele Leben kosteten, die Menschen zu sehr in Armut stürzten und zu sehr drangsalierten und so weiter.
    Aber wir sind vom Thema – dem chronischen Antisemitismus der Linken – inzwischen weit entfernt…

  13. Lesender Arbeiter sagt:

    @ Freud

    „Aber immer noch besser als alles andere…“

    Ach ja? Und die faschistischen Regime, die operieren sie künstlich aus dem Kapitalismus raus, wahrscheinlich?

    Sie brauchen mir nicht zu erklären, dass faschistische Regime sich stark von liberalen Demokratien unterscheiden. Aber beide fallen unter den Kapitalismus. Und das eine kann (in Krisenzeiten zumal) ins andere umkippen. Liberale Demokratien können zudem autoritäre oder faschistische Regime unterstützen,

    – vgl. die Unterstützung der ganzen westlichen Staaten für Apartheid-Südafrika,
    – vgl. die Unterstützung (wenn nicht ganz aktive Beteiligung) der USA und mehrere anderer westlicher Staaten am Militärputsch von Augusto Pinochet in Chile; eine gewisse Margaret Thachter hat ihrem Freund, dem Folterer, ja bis zu seinem Tod noch die Treue gehalten.

    Das gehört auch ins Reich des Kapitalismus, nicht nur die paar Oasen auf der Welt, wo es sich (in den letzten Jahrzehnten) relativ gut lebt(e). Und wehe, wenns auch dort mit dem Wohlstand bergab gehen sollte, oder wenn er, wie sich scharf und akut abzeichnet, künftig sehr viel ungleicher verteilt werden sollte….

  14. Freud sagt:

    Das hat jetzt ein Nivea erreicht, wo ich „dann gehen Sie doch nach Kuba“ schreiben möchte.
    Der Sozialismus ist so gründlich gescheitert, wie Systeme nur scheitern können. Sobald die Unterdrückung des freien Denkens nicht mehr aufrechterhalten werden kann, machen sich die Völker vom Sozialismus frei.
    Wer diesen vollständigen Bankrott nicht sehen will, der will ihn eben nicht sehen.
    Viele Nationen, die den Sozialismus in den letzten 20 Jahren los wurden, wissen noch sehr genau, was ihnen schadete – und wer ihnen nützte. Das Ansehen der USA ist in Osteuropa noch ein anderes als hierzulande.
    Hier war es auch einmal besser, als die Menschen noch in Erinnerung hatten, daß Freiheit, Demokratie und Rechtsstaat keine Werte sind, die in Deutschland von selbst zur Geltung kamen.
    Ich habe es satt, daß immer wieder irgendwelche Menschheitszwangsverbesserer gerne ganze Völker in Geiselhaft nehmen, um ihre stets gescheiterten Ideen auf deren Rücken erneut zu verwirklichen suchen.
    Vielleicht kommt der (latente oder offene) Haß der Linken auf Israel auch daher, daß gewisse sozialistische Ansätze im frühen Israel (Kibbuzim) sich nicht durchsetzten? Naja, dann reden unsere 68er halt eben lieber im Sinne des Yassir Arafat, der so stolz auf seine Verwandtschaft zum Großmufti war, der bei Hitler zum Essen eingeladen worden war…
    Ach, es ist einfach zu übel. Ich habe dieses linke Geschwurbel, bei dem die Tatsachen solange durch den pseudointellektuellen Wolf gedreht werden, bis ein Paralleluniversum entsteht, wirklich satt – vor allem eines: daß die offensichtlichsten Fehler der eigenen Ideen konsequent ignoriert werden, während der Konservative ständig und stets bereit ist, die Probleme seiner Haltung zu berücksichtigen. Naja, wen interessiert’s – Sie werden bei Ihrer Ansicht bleiben, ich bei meiner, Dritte werden sich vielleicht amüsieren, und zum eigentlichen Thema gehört das alles auch kaum noch.
    In diesem Sinne: Schönes Leben noch.

  15. Aron Sperber sagt:

    Linke regen sich über das „Freiluft-Gefängnis“ Gaza auf, besuchen aber gerne Castros „Gefangenen-Insel“ Kuba, deren Insassen sich selbst verkaufen müssen, da sie vom senilen Gefängniswärter schon lange nicht mehr versorgt werden können.

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