Stipendien statt Freiheit

20. März 2010, von Thomas von der Osten-Sacken

Pünktlich zu Newroz hat sich der amerikanische Präsident bemüßigt gefühlt, mal wieder eine Adresse an die Iraner (Bevölkerung wie Regierung) zu richten und das Ding ist ein derartiger Schlag ins Gesicht der dortigen Freiheitsbewegung, dass es einem fasst die Sprache verschlägt. Zuerst: man sucht die Worte Freiheit und Demokratie ganz vergebends in der Ansprache. Ebensowenig ein direktes Wort der Kritik an der verheerenden Menschenrechtslage, von einer Erwähnung von Frauenrechten ganz zu schweigen (außer dies hier: political prisoners were rounded up and abused). Ein Wort über Terror? Fehlanzeige? Über die antisemitischen Vernichtungsdrohungen? Natürlich nicht.

Staddessen viel selbstbezogener Narzismus, was und warum der Mann vor einem Jahr getan hat.

Und dann Sätze wie diese:

I said, last year, that the choice for a better future was in the hands of Iran’s leaders. That remains true today. Together with the international community, the United States acknowledges your right to peaceful nuclear energy – we insist only that you adhere to the same responsibilities that apply to other nations. We are familiar with your grievances from the past – we have our own grievances as well, but we are prepared to move forward. We know what you’re against; now tell us what you’re for.

Angesprochen sind die Leaders, die weder demokratisch legitimiert sind, noch sonst was. Und ja “Grievances” haben wir ja irgendwie alle. Und größtes Problem der Iraner ist natürlich die Nuklearenergie, das haben sie in den letzten Monaten auf den Straßen Teherans zur Genüge bewiesen.

Denn: “The United States does not meddle in Iran’s internal affairs.”(Das tun sie nur bei anderen Ländern im Nahen Osten, allen voran Israel)

Aber sie steht für was:

The United States believes in the dignity of every human being, and an international order that bends the arc of history in the direction of justice – a future where Iranians can exercise their rights, to participate fully in the global economy, and enrich the world through educational and cultural exchanges beyond Iran’s borders. That is the future that we seek. That is what America is for.

Im Glauben an die Würde des Menschen bastelt Obama an einem Bogen der Geschichte, der in Richtung Gerechtigkeit führt. Wow! Dann können die Iraner an der Weltwirtschaft partizipieren und, statt Atome, die Weltkultur anreichern. Iarner sollen “ihre Rechte” ausüben können, welche Rechte das genau sein sollen wird noch nicht einmal genauer ausgeführt.

Dafür also steht das Amerika der Demokraten. Für weniger nicht, das geht kaum noch.

Und jetzt kommt noch besser:

That is why, even as we continue to have differences with the Iranian government, we will sustain our commitment to a more hopeful future for the Iranian people. For instance, by increasing opportunities for educational exchanges so that Iranian students can come to our colleges and universities and to our efforts to ensure that Iranians can have access to the software and Internet technology that will enable them to communicate with each other, and with the world without fear of censorship.

Sie haben Differenzen mit den Herrschern in Teheran. Das kann mal passieren so unter Regierungen. Nicht weiter schlimm. Aber den Iranern bleibt man vepflichtet - mit der Vergabe von ein paar Stipendien und ein bisschen freiem Internet.

Was man einfach hätte sagen können, in wenigen Sätzen: We strongly believe every human being has the right to live in a free and equal society, in which it can freely vote for a representative government. This is what America stands for and therefore we support all the freedom loving people in Iran against an illegitimate government that has proven its willingness to not only opress its own people but support terror throughout the entire Middle East and threatens Israel with annnihilation.

Das wäre verstanden worden. Gut auch dieser Vorschlag von FP. Aber genau das wollte Obama ja nicht sagen. Die Hand bleibt ausgestreckt, das Angebot zum Dialog steht und für alle anderen gibt’s ein paar Stipendien.

4 Antworten zu “Stipendien statt Freiheit”

  1. Dr. Deuter sagt:

    Ist Obama noch Chamberlain oder schon Quisling?

  2. Zitate! « abseits vom mainstream – heplev sagt:

    [...] Amerika der Demokraten. Für weniger nicht, das geht kaum noch. Thomas von der Osten-Sacken, WadiNet-Blog, 20.03.10 über das, was der Narziss im Weißen Haus den Iranern gerade zu sagen [...]

  3. “Death to Obama!” « FREE IRAN NOW! sagt:

    [...] 22. März 2010 — Thomas v. der Osten-Sacken Die Reaktion auf Obamas “Stipendien statt Freiheit” Ansprache fiel aus, wie zu erwarten [...]

  4. Knallchargen « abseits vom mainstream – heplev sagt:

    [...] Barack Hussein Obama, US-Präsident und Narziss – zum iranischen Neujahrsfest (Newroz/Nowruz) hatte er eine Botschaft für das iranische Volk, die sich so zusammenfassen lässt: Erstens ist mir sch…egal, ob die Mullahs euch unterdrücken; wir strecken ihnen zweitens weiterhin die Hand entgegen und versuchen drittens ein paar Stipendien aufzutreiben, damit von den Terror-Mullahs ausgesuchte Leute bei uns studieren können. Ansonsten viel Worte ohne jeglichen Inhalt und „ich, ich, ich“. [...]

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