Übermorgen…
09. Februar 2010, von Oliver M. PiechaEs ist verdächtig still auf den offiziellen iranischen Nachrichtenkanälen. Viel über den “Untergang Israels” in den letzten Tagen. Verdächtig viel. Ansonsten Atom und Wunderwaffen. In der letzten Woche hatten wir: panzerbrechende Wunderwaffen, die alle amerikanischen Helikopter abschießen können, unbemannte “homemade” Drohnen zur Bombardierung wie zur Aufklärung und schließlich die Mörsermassenfabrikation – letzteres klingt schon verdammt nach Volkssturm. Der Führerbunker läßt grüssen.
Sie sind erstarrt.
Es wird wohl am Donnerstag zu einer Konfrontation kommen. Die Frage wird sein, wieviele Demonstranten werden sich von der Repression des Regimes im Vorfeld abschrecken lassen? Wieviele – wirklich angeheizte – Unterstützer kann das Regime nach Teheran karren? Was passiert – und wer könnte das wirklich planen oder gar kontrollieren – wenn die Situation auf den Straßen eskaliert, zumal mit einem zusammengefegten Regimemob, der vermutlich nur schwer lenkbar ist? Die Strategien des Regimes erscheinen bisher nur partiell koordiniert: massive Verhaftungen im Vorfeld, die üblichen Drohungen – zwei Hingerichtete – aber eben auch nicht 20. Ansonsten doppeldeutige Botschaften, hier zwei Freilassungen, dort 16 neue Studenten weggesperrt. Taktieren, das Regime ist so unbeweglich geworden, daß es handgreiflich ist. Die Symbolfiguren der “Grüne Bewegung” rufen derweil – und das ist so in der Vehemenz neu – unisono zu Protesten auf. Grade noch einmal Karrubi. Das Internet ist bereits verlangsamt – ach so, letzte Woche wurden “Kabelschäden” entdeckt – Lautsprecher werden entlang der Route mutmaßlicher Protestzüge installiert. Wer glaubt wirklich, daß so die Menschen noch übertönt werden können?
Noch ein paar letzte Drohungen direkt an die “Anführer” der Opposition, letztlich schwach, weil klar ist, sie sind wieder nur stellvertretend gemeint. Zugleich auch wieder scheinbar Beschwichtigendes, so soll ein Mann verhaftet worden sein, der im Juni bei den Protesten einen Demonstranten – ohne “Befehl” – erschossen haben soll. Auch wieder “schwach” in der Sprache der Gewalt. “Revolutionärer Machthaber”, die ihrer selbst souverän und sicher sind, machen das einfach anders.
- The rumour of the day, put out by Tahavol-e-Sabz, is that key Mousavi advisor Alireza Beheshti will be released within hours.
- The reality of the day is that the son of Mehdi Karroubi, Hossein, has had his passport confiscated as he got off a flight from Dubai.
- Saleh Noghrekar, Zahra Rahnavard’s nephew and the head of the legal committee of Mir Hossein Mousavi’s campaign, has been arrested.
via enduring america
Gute Nacht Teheran. Übermorgen.