Deutsch-Iranischer Irrsinn
19. November 2009, von Arvid VormannDiese illustre Gesellschaft hier feiert keineswegs die Eröffnung des ersten Kentucky Fried Chicken in Teheran. Das güldene Federvieh kündet von eher schwer Verdaulichem: Nicht weniger als Symbol der Menschenrechte beansprucht es zu sein, in einem Land, in dem diese mit deutscher Hilfe bekanntlich zum Abschuss freigegeben sind. Die Damen im Gruppenbild stehen mit ihren Ohrbandagen dafür ein.
Manfred Grüter, der Herr rechts im Bild, ist Leiter des Projektes „JUGEND IM DIALOG – AUSTAUSCH der KULTUREN“ an der Berliner Königin-Luise-Schule. Die Einrichtung war kürzlich ins Gerede gekommen, als sie eine „deutsch-iranische Lehrerkonferenz“ mit dem iranischen Botschafter, einem mutmaßlichen Massenmörder, an geheimem Ort veranstaltete und derweil der gesamten Schule hitzefrei verordnete.
2000 kam die Idee auf: Kulturklimbim mit dem Iran! Und 2001 spann Internatsleiter Grüter die ersten Fäden. Er gewann gleichgesinnte Mitstreiter am Göttinger Hainberg-Gymnasium und an der Odenwaldschule Heppenheim, und Unterstützer in der schräg gegenüber liegenden iranischen Botschaft, im Auswärtigen Amt, bei MAN und natürlich in der deutschen Botschaft in Teheran. Freund Hartmut Niemann (hier ganz hinten), der in Göttingen ein Reisebüro mit Fokus Iran betreibt, stand mit Expertenrat stets zur Seite. Gemeinsam engagierten sie sich gegen die – na von wem schon – dominierten Medien und protestierten gegen die Absetzung einer „Anne-Will-Sendung“ zum Thema Gaza.
Zurück zum Kulturklimbim: Die Idee lief gut, bis auf einige Anlaufschwierigkeiten. Die erste Reise 2001 musste abgesagt werden und konnte erst 2003 nachgeholt werden. Der 11. September hatte einigen Beteiligten zumindest kurzfristig auf der Seele gelegen und die Lust am Kulturaustausch erst einmal vergällt.
Als 2003 dann einige deutsche Schülerinnen und Schüler in den Iran geschickt worden waren und anschließend der Gegenbesuch kam, „zeigte sich die deutsche Seite skeptisch“, berichtet Grüter. „Da kamen also zuerst 16 iranische Schüler, nach Geschlechtern getrennt, die Mädchen mit Kopftüchern, und prompt gab es Diskussionen. Auch die Erwachsenen merkten plötzlich, was es bedeutet, Dialog in die Praxis umzusetzen, nämlich, dass man auch konsequent sein muss, wenn man die Hand ausstreckt.“
Es gab also Diskussionen unter Eltern und Lehrern, über die man sich aber offenbar mit besagter Konsequenz hinwegsetzte: „Die deutschen Mädchen sollen ihr Kopftuch jedenfalls gerne getragen haben.“, weiß die ebenfalls vom Auswärtigen Amt geförderte Plattform qantara.de über die erste Reise von deutschen Schülern nach Teheran zu berichten. Und solche Konsequenz kommt bei toleranten Menschen an: „Sogar Bundestagspräsident Wolfgang Thierse lobte schon den beispielhaften „und wichtigen“ Jugendkontakt, den die Berliner initiiert haben.“
Das business as usual mit der fanatischen, antisemitischen und nicht zuletzt zutiefst frauenfeindlichen Mullah-Diktatur wird seit 2003 auf dem Rücken (vorwiegend) einiger Internatskinder betrieben. Vor der Reise werden sie noch einmal angehalten, im Iran auf keinen Fall über Politisches zu reden. Für Mädchen gilt selbstverständlich Kopftuchzwang. Und das Ganze wird vom Auswärtigen Amt großzügig gesponsored: 42.000 Euro waren es in diesem Jahr.
23. März 2010 um 17:53
[...] dem Hainberg-Gymnasium Göttingen unternommene Annäherung an das iranische Mullahregime mittels Schüleraustausch. Auch in letzterem Fall sind die Schülerinnen und Schüler wieder die eigentlichen Opfer, [...]