“Ursünde der Globalisierung”

31. Oktober 2009, von Thomas von der Osten-Sacken

New York ist die Ursünde der alle kulturell-architektonischen Unterschiede einebnenden Globalisierung, ihrem natürlichen Verfallsdatum zudem schon bedrohlich nahe. Als Alleinstellungsmerkmal gibt’s einen Haufen verdammt hoher Häuser auf ziemlich kleiner Grundfläche. Viel mehr ist es letztendlich nicht, da helfen auch Tonnen an Stahl, Glas und Beton, der ganze Glanz und Glitter nicht.

Diese Zeilen stehen nicht im neuesten Elaborat der Al Qaida (ein eigenes Thema, der pathologische Hass auf New York, etwa bei Adolf Hitler oder auch Ussama bin Laden), sondern in einer Studentenzeitung aus Thüringen, die, sich neben Themen wie ”New York, der steingewordene amerikanische Albtraum” der Islamophobie widmet und kongenial wirklich alles zusammenkratzt, was in der Branche Rang und Namen hat, von Udo Steinbach bis zu Kai Hafez (nur Sokolowsky fehlt).

Und so wie dem Thüringer New York der globalisierte Albtraum ist, so lernen wir folgendes über den Jihad: Die islamischen Juristen (fuqahâ’) der Frühzeit haben den Jihad zu einer Pflicht der Gemeinschaft, nicht eines jeden einzelnen Muslims erklärt. Mit dem Ende der islamischen Expansion wurde aus dem Jihad ein Verteidigungskrieg. Heute meint der Begriff die Verpfichtung zu moralischer Vervollkommnung des Gläubigen.

Auch der Vorwurf, es gäbe einen islamischen Antisemitismus ist, so lernen wir, durch und durch islamophob - einzig der Zionismus mobilisiert manchmal nur die legitimen jihadistischen Verteidigungskriegsreflexe:

Im Islam fasste der Antisemitismus niemals Fuß. Juden und Christen wurde stets erlaubt, ihren eigenem Glauben und Gesetzen zu folgen. Grund für diese tolerante Einstellung ist die Moral des Qurans, die rät, freundliche Beziehungen zum „Volk des Buches“ (d.h. zu Juden und Christen) zu pflegen. Zugegeben, der Zionismus belastet diese Freundschaft. Dies sollte jedoch niemals zu unrechten Handlungen führen. Juden leben größtenteils immer noch friedlich mit Muslimen gemeinsam.”

Damit die Welt nicht eines Tages gar völlig globalisiert ist und für den Thüringer so schrecklich wie New York wird, hilft nur gemeinsamer Kampf gegen Verwestlichung, der ja, glaubt man Udo Steinbach, immerhin schon recht erfolgreich vorangetrieben wurde:

Nach weithin geltendem Verständnis des Korans hat eine Muslima ihr Haar zu bedecken. Die über Jahrzehnte von vielen Regierungen forcierte Zurückdrängung des Kopftuchs war Teil eines Verständnisses von Modernisierung, genauer: Verwestlichung. Diese Gleichsetzung ist heute fragwürdig geworden. Durch ihr Kopftuch wollen sich viele Frauen wieder als gläubige Muslima zu erkennen geben.”

Da aus Sicht dieser Thüringer Studenten der Islam offenbar so dufte und Anidot ist gegen die Zumutungen und Albträume der Moderne, sollen sie ihn doch bitte in Jena einführen und im Gegenzug jenen Menschen im Nahen Osten, die weder Scharia noch moralische Vervollkommnung  anstreben, sondern stattdessen  liebend gerne an den Freuden und Schattenseiten der von New York so einmalig symbolisierten Globalisierung partizieren möchten, eine säkulare Enklave von der Größe Thüringens erkämpfen. So wäre allen Seiten wohl gedient.

 
 

 

 

 

13 Antworten zu ““Ursünde der Globalisierung””

  1. gegenkritik sagt:

    Die Jenaer Studentenschreiberlinge plaudern auch gern mal ganz unbefangen mit den Israelkritikern der Hamas:

    http://is.gd/4J3Po

  2. Thomas von der Osten-Sacken sagt:

    Offenbar hat man auch für andere New York- und Verwestlichungshasser ein Herz: http://atf.antifa.net/nico-packt-aus/indexf85a.html?option=com_content&view=section&layout=blog&id=5&Itemid=53

  3. keule sagt:

    Ab Seite 15 gibt es auch einen Artikel über die “Antideutschen”, mit knallharter Kritik an diesen “deutschen”: “Vor Matthias liegen ein paar Ausgaben der antideutschen Szenezeitschrift Bahamas.
    Das sei die schlimmste, sagt er”.

  4. Peter sagt:

    Hmm, und ich dachte, den NS-Studentenbund gaeb’s nicht mehr…

  5. Zitate! « abseits vom mainstream – heplev sagt:

    [...] Im Islam fasste der Antisemitismus niemals Fuß. Zitiert die Thüringer Studentenzeitung unique als Beleg dieser „Tatsache“ den Erziehungswissenschaftler und Türkologen, Promovent der Islamwissenschaften an der Humboldt-Universität Berlin. Wenn der das sagt, dann muss es so sein – unabhängig von allen Fakten. Herrlich, diese linke Propagandashow. (Mehr dazu bei WadiNet.) [...]

  6. Knallchargen « abseits vom mainstream – heplev sagt:

    [...] unique, Studentenzeitung – New York ist die schlimmste Sünde bzw. ihr Symbol. Islam ist Frieden, die Muslime waren nur freundlich zu Juden und Christen und wenn nicht, dann ist der Zionismus schuld. Zu behaupten, es gäbe islamischen Antisemitismus, ist islamophob. Juden leben heute größtenteils noch immer friedlich mit Muslimen zusammen. Hm, Jemen? Ägypten? Marokko? Libyen? Algerien? Sonstige islamische Staaten? Falls es da noch Juden gibt, haben sie alles andere als keine Sorgen um ihre Sicherheit. Wer solchen Schwachsinn verbreitet, lügt. Oder ist strunzdumm (hm, wenn man sich so manche Studenten ansieht, …). [...]

  7. christian sagt:

    trotz aller schwächen, die der text zweifelsohne hat, finde ich es richtig, wenn einmal das problem des rassismus innerhalb der “islamkritischen” angesprochen wird. leider bringen etabliert blogs wie die achse-des-guten oder PI es nicht fertig, mit diesem problem angemessen und offen umzugehen. islamkritik, die nicht gleich ins rassismus umschlägt, scheint für deutsche noch sehr schwierig zu sein. das ist jedenfalls meine erfahrung als amerikaner (mit jüdischen wurzeln)

  8. antje sievers sagt:

    Als Entgegnung zu Ihren aberwitzigen und obendrein völlig belegfreien Vorwürfen möchte ich nur anmerken, dass die Autoren von achgut die Muslime nicht als Rasse betrachten.
    Schließlich sind wir nicht grenzdebil.

  9. Caritas sagt:

    New York steht heutzutage für das, was früher das “Welschentum” war, Paris, die romanische, dekadente Zivilisation.
    Der Deutsche liebt den Wald. “Hermann” der Cherusker, urtümlich, rein, edel und unverdorben.

    Heute kann es statt Wald auch mal die Wüste sein. Hidschab und frommer Vollbart statt Bärenfell und Flügelhelm.
    Hier die Kultur, da die “kulturverschlingende” Zivilisation.
    Ich glaube, manche Traditionen verschwinden einfach nicht, sondern manifestieren sich unter neuen Bedingungen bloß anders.

  10. christian sagt:

    @antje sievers

    haben sie sich schon einmal die aktivitäten auf blogs wie PI (die damit werben, islamkritisch zu sein) angeschaut?? würden sie das nicht als rassismus oder zumindest ausländerfeindlichkeit bezeichnen? (und ja, es ist rassismus, denn “muslim” wird stellvertretend für araber und türken benutzt)
    und gibt es wenigstens einen (!) beitrag auf der achse-des-guten, der sich kritisch mit einem blog wie PI auseinandersetzt, das ja ständig die nähe zu herrn broder und der achse beteuert?? stattdessen gibt es mit joachim steinhöfel einen autor, der sowohl die achse als auch PI mit seinen texten beliefert.
    vielleicht kann es nicht schaden, wenn sie sich mal umschauen in ihrem umfeld!

  11. gegenkritik sagt:

    @”christian”

    und gibt es wenigstens einen (!) beitrag auf der achse-des-guten, der sich kritisch mit einem blog wie PI auseinandersetzt, das ja ständig die nähe zu herrn broder und der achse beteuert??

    ->

    http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/politically_correct/

    Da das nun geklärt wäre: gibt’s von Ihnen eigentlich wenigstens einen (!) Beitrag, der sich kritisch mit der jihadistisch-nationalsozialistischen Querfront auseinandersetzt, die in Publikationen wie “Unique-Online” sich manifestiert? Oder reicht es Ihnen, dieser lediglich ein paar “Schwächen” zu attestieren und auf die eigene “Erfahrung” zu verweisen, die man als vorgeblicher “amerikaner (mit jüdischen wurzeln)” eben so hat?

  12. Caritas sagt:

    “Schwächen” ist gut, schwachsinnig trifft es schon eher. Eine ganze Stadt als “Ursünde” zu bezeichnen, halte ich für einen implizit vorgetragenen, klammheimlichen Vernichtungswunsch.

  13. keule sagt:

    Einer der Chefredakteure der unique Fabian Köhler hat auch Muslim Market ein Interview gegeben: http://www.muslim-markt.de/interview/2008/koehler_fabian.htm

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