“Antikapitalistische Hilfsorganisation”
15. September 2009, von Thomas von der Osten-SackenMedico International sei, heißt es in einer Selbstdarstellung, ”die einzige große Hilfsorganisation, die konkrete Hilfe mit einem antikapitalistischen Ansatz verbindet“.
Wie der offenbar aussieht, erklärt Geschäftsführer Thomas Gebauer in der Taz: wie beide großen antikapitalistischen Parteien in der BRD, Die Linke und die NPD, fordert auch er einen raschen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan, nachdem medico sich mit Geldern des Auswärtigen Amtes am Hindukusch solange engagiert hatte, bis es zu gefährlich wurde.
Also fordert medico nun den Abzug, weil, das betonen sie ja schon seit Jahren, Kriege noch NIE zur Lösung eines Problems beigetragen habe:
Es ist höchste Zeit zur Umkehr. Gefordert ist eine Politik, die die Logik des Kriegs durchbricht. Notwendig ist ein umfassender Strategiewechsel, der zwar unterdessen von vielen gefordert wird, aber so lange nicht gelingen kann, wie die Alternativen selbst immer wieder in den Strudel des militärischen Scheiterns hineingezogen werden. Ohne Disengagement und Einleitung des Rückzugs der Nato-Truppen hat Frieden in Afghanistan keine Chance. Gefordert sind nicht zuletzt die Vereinten Nationen. Es gilt, einen Plan vorzulegen, wie den menschlichen Sicherheitsbedürfnissen der Afghaninnen und Afghanen jenseits einer von der Nato geführten Intervention entsprochen werden kann.
Zieht man erst die Truppen ab, zieht es auch die Alternativen nicht mehr in den Strudel und dem Frieden steht auch gar nichts mehr im Wege, vor allem dann, wenn das Unterfangen den durch und durch korrupten Vereinten Nationen überantwortet wird, denen es, anders als den USA, in der Tat in den letzten Jahrzehnten geglückt ist, noch jeden Konflikt so zu verwalten, dass er auf gewinnbringend in alle Ewigkeit unter tätiger Mithilfe unzähliger UN-Agenturen fortgeführt wird. Und so wie etwa im Sudan, wo medico ja auch für die Darfuris ununterbrochen zivile Lösungen anbietet, wird in Afghanistan ohne Nato alles dufte.
Um den Irrsinn zu rechtfertigen, muss nicht nur Antikapitalismus und fundamentale Kriegsgegnerschaft her, nein die Afghanen selbst, die aktuellen Umfragen zufolge, ganz anderes denken, werden ungefragt zu Kronzeugen eines Anliegens, dass eben mehrheitlich nicht das ihre ist:
Die Enttäuschung der afghanischen Bevölkerung ist groß; der Westen und die von ihm gestützte Karsai-Regierung haben sich zunehmend diskreditiert. Kinder, die den Soldaten anfangs zugewinkt haben, bewerfen diese heute mit Steinen. Bei ihrer Vertreibung hatte kaum jemand den Taliban nachgeweint, heute ist es gerade die militärische Absicherung eines korrupten und von Warlords und Kriegsverbrechern dominierten Staatsapparats, die die Menschen wieder in die Hände der Terroristen und Aufständischen treibt.
Nicht die afghanische Bevölkerung wird, weil sie arm und verzweifelt ist, in die Arme der Taliban getrieben, sondern jene erstarken etwa dank der Unterstützung aus Pakistan. Umfragen zufolge wünschen die Afghanen im Gegenteil mehr Sicherheit und Schutz vor den Taliban. Und weltweit geht die Unterstützung von Suicide Bombern und Al Qaida in der islamischen Welt zurück - außer in jenem Gebiet, in dem medico sein meistes Geld ausgibt: Palästina.
Antikapitalismus heute ist unter anderem die Lüge, dass Armut, Verzweiflung und Demütigung durch den Westen die Ursache für Suicide Bombings und Terror seien.
P.S. In eigener Sache: medico war einst Vorbild, dem man versuchte nachzueifern, eben eine Organisation, die positiv sich unterschied sowohl vom kirchlisch caritativen Hilfsestablishment als auch den großen Hilfswerken. Heute ist es nicht mehr Schatten seiner selbst, sondern oszilliert irgendwo zwischen attac, dem Netzwerk Friedenskooperative und dem BMZ. Denn, wie alle anderen großen deutschen Hilfsorgtanisationen auch, machen staatliche Gelder bei medico längst die Haupteinnahmequelle aus. Der mit Entwicklungshilfsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul geteilte Antikapitalismus von medico, der mit materialistischer Kritik rein gar nichts mehr zu tun hat, funktioniert nur, weil eben , die Steuergelder fließen….
16. September 2009 um 0:15
“Der Staat Israel dürfte demnächst von einem identifizierten Kriegsverbrecher (Libanonfeldzug mit 30 000 Toten) und dem Organisator des Massakers von Sabra & Schatila (1500 Ermordete) regiert werden. Die neuen Historiker unterschiedlicher ethnischer Zuordnung bezweifeln, daß die Armee Scharons das Prinzip der ´Reinheit der Waffen´ für sich in Anspruch nehmen kann.”
Dieser Ausspruch stammt von Hans Branscheidt, seinerzeit, seit 1988, Entwicklungshelfer der NRO “medico international”, kurz vor der Regierungsübernahme von Ariel Sharon.
16. September 2009 um 9:54
Die Kritik an medico hat schon ihre Berechtigung - wenn es allerdings um deren inzwischen hauptseitige Staatsfinanzierung geht, sollte man als verantwortlicher WADI-Funktionär ein wenig vorsichtig sein: Die finanzielle “Kooperation” mit US-amerikanischen “Hilfsorganisationen” im nördlichen Irak macht inzwischen einen nicht unerheblichen Teil der Tätigkeit dieser ganz speziellen deutschen NGO aus.
16. September 2009 um 10:26
Nicht dass wir etwas gegen amerikanische Gelder hätten: aber in den Jahren 2007, 2008 und 2009 machte die Finanzierung unserer Projekte durch amerikanische “Hilfsorganisationen” - wie Sie es nennen - genau 0 Dollar aus.
17. September 2009 um 11:20
[...] Ich jedenfalls werde jetzt wieder tun was ich kann, nämlich spenden. Und zwar für Organisationen, die weder antisemitische und antiwestliche Vorurteile pflegen und nicht gleich den Schwanz einziehen, wenn es mal ungemütlich wird. Also ganz bestimmt nicht für die alten Antiimps von medico. [...]
23. September 2009 um 9:41
Als Mitglied der medico international finde ich es eine ziemlich bodenlose Unverschämtheit, Thomas Gebauer die verschrobenen Fantasien eines Thomas von der Osten-Sacken in den Mund zu legen. Osten-Sacken bezieht sich offensichtlich auf den folgenden Beitrag in der TAZ: http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/raus-aus-afghanistan-2/
Hier kann jede/r nachlesen, dass nicht etwa Gebauer NPD und Linke als Zeugen aufruft, was medico auch nicht nötig hat, sondern es Osten-Sacken offensichtlich um Diffamierung der medico und Gebauers geht.