Antisemitismuskeule

30. August 2009, von Thomas von der Osten-Sacken

Die Taz, auch sonst ein Magazin für Antisemitismusvorwurfexperten, springt der Wekstatt der Kulturen zur Seite:

Während Ebéné nach ihrer Darstellung eine Ausstellung haben wollte, die den Kampf Nichtweißer gegen den Nationalsozialismus würdigt, wollte Rössel auf die Darstellung der Kollaborateure nicht verzichten.

Es sei die Erinnerung an die arabischen NS-Kollaborateure und Kriegsverbrecher, die in der Werkstatt der Kulturen unerwünscht sei, hatte Ausstellungsmacher Rössel Ebéné in einer Presseerklärung unterstellt. Die sieht sich nun dem Vorwurf des Antisemitismus ausgesetzt – und widerspricht: „Es ist absurd, mir vorzuwerfen, dass ich vor den Arabern kusche“, sagt Ebéné.

Seriöser Journalismus bestünde darin, zumindest eine Person oder Organisation zu nennen, die den Antisemitismusvorwurf erhoben habe. Aber der Nachweis bleibt aus.

Auch auf dieser Seite wurde Frau Ebéné für ihre Entscheidung scharf kritisiert. Aber so wenig wie wir, hat irgend wer anderes, der mir zumindest bekannt wäre, sie deshalb eine Antisemitin genannt. Dumm, feige, alles das ja. Aber Antisemitin? Nein.

Statt dies klar zu stellen, macht sich Annette Kahane – wie die Taz uns freundlicherweise erklärt, selbst Jüdin, also sozusagen per Geburt Antisemitismusexpertin – für die Frau Ebéné stark, und entkräftigt jenen Vorwurf, der eben nie erhoben wurde:

Frau Ebéné Antisemitismus vorzuwerfen, ist Unsinn“, sagt auch Anetta Kahane, Vorsitzende der Amadeu-Antonio-Stiftung und selbst Jüdin.

In Kürze wird – ich wette – die Dame von der Werkstatt der Kulturen selber sich als Opfer präsentieren können, Opfer der bösen Israel-Lobby, die ständig die Antisemitismuskeule schwingt.

P.S.: Hier ein auflussreiches Dokument, dass dem Leser den Gemütszustand von Frau Ebéné näher bringt:

 Weiße Menschen haben vor Arabern nichts zu befürchten. Vielen von Ihnen scheint das jedoch (…) in jüngster Zeit allzu oft zu entfallen – zumal in Zeiten des Krieges gegen den Terror. (…) Ich bin nicht weiß und bilde mir daher auch nicht ein, Angst vor Arabern haben zu müssen – trotz des transsaharischen Sklavenhandels und Darfur.

Was sollen diese Kollektivierungen und debilen Zuschreibungen? Kurden im Irak und Syrien etwa haben allen Grund vor panarabischen Regierungen und panarbischen Ideologen Angst zu haben, ebenso wie Schiiten in Saudi Arabien, die selber Araber sind, von den herrschenden Salafiten als solche aber nicht anerkannt werden. „Weiße“ Mitarbeiter von Hilfsorganisationen im Irak, die den Irakis helfen, haben sicher keine Angst vor „Arabern“, wohl aber vor Menschen, die im Namen des Panarabismus oder des Islam ihnen die Hälse abschneiden wollen. „Weiße“ Menschen sollten momentan nicht unbedingt versuchen den Norden des Jemen zu bereisen und wären gut beraten, noch immer ganze Stadtviertel von Baghdad zu meiden. Jahrelang konnten Kurden, die wohl kaum als Weiße durchgehen, nicht mit dem PKW von Arbil nach Baghdad reisen: alleine die Tatsache, dass sie Nichtaraber waren, reichte aus, sie auf dem Weg zu ermorden. Diese Menschen hatten Angst, nicht vor DEN Arabern, wohl aber den Arabern, die im sunnitischen Dreieck lebten.

 

10 Antworten zu “Antisemitismuskeule”

  1. faux sagt:

    Es kann doch nicht angehen, dass ein solche Polemik um sich greift, nur weil ein Austellungsmacher namens Rössel, komplett an einem Thema vorbeiagiert und deshalb zur wirkungsvollsten Waffe greift. Nämlich dem Vorwurf des Antisemitismus.

    Welch eine Anmaßung und Arroganz!

    Nur weil Herr Rössels, am Thema völlig verfehlter Beitrag zur Austellung, abgelehnt wird, führt der Mann sich derartig auf.

    Gekränkte Eitelkeit. Nichts weiter.

    Mit der gehörigen Prise „Verdacht auf Antisemitismus“ garniert, hat der Mann natürlich sofort die deutsche Medienlandschaft auf seiner Seite.

    Eine Schande ist das.

    Zumal das Thema Rassismus bzw. Antisemitismus zu ernst ist, als das man es aus persönlicher Kränkung heraus, für die eigenen, eitlen Zwecke instrumentalisiert.

    Selbst das Thema verfehlen und deshalb einen derartig riesigen Wind veranstalten und der WdK deshalb unterstellen, dass „Kritik an Arabern nicht erwünscht sei.“

    Einer Einrichtung die nachweislich immer um den Ausgleich beider Gruppen bemüht ist.

    Der Großmufti hat doch rein garnichts mit den Soldaten der von den Kolonialmächten besetzten Ländern zu tun, die im zweiten Weltkrieg gekämpft haben und um die es bei dieser Austellung geht.

    Warum also kann dieser Mann hier so einen Käse veranstalten?

    Kann man auf diese Weise heutzutage, jede seiner Interessen, auf biegen und brechen durchsetzen?

    Einfach ein bisschen Presse darüber informieren, dass es hier nach Antisemitismus riecht und schon bricht der Sturm los.

    Herr Rössel sollte mal von seinem hohen „Rössel“ herunterkommen, den eigentlichen Zweck des Themas der Austellung erfassen, die Füße das nächste mal einfach mal ein bisschen still halten und sich vorher besser informieren.

  2. Daniel M. sagt:

    Die Mohammed-Karikaturen gaben den Startschuß. Nun lautet die Frage was können wir in der westlichen Welt noch sagen und zeigen.

    Allein die letzten Wochen waren da schon Aufschlußreich. Türkische Funktionäre fordern den Vökermord an den Armeniern aus den Schulbüchern zu nehmen. Das Vereinslied von Schalke wird heiß debattiert und nun dieser Vorfall.

    Wieviel Islam/Muslime verträgt eine freiheitliche und pluralistische Gesellschaft?

  3. antje sievers sagt:

    Weil diese Einrichtung so um Ausgleich bemüht ist, hat sie auch eine hauseigene ‚Muslimische Akademie‘.
    Auf die Einrichtung einer jüdischen, buddhistischen und hinduistischen Akademie warten wir mit Spannung.

  4. Guerreiro sagt:

    Ein Faux hat es nicht verstanden um was hier eigentlich geht!
    Und den Antisemitismusverdacht hat nicht Herr Rössel in die Welt gesetzt!

  5. faux sagt:

    Die Ausführung der WdK zu diesem Thema sind ja mittlerweile hinlänglich bekannt.
    Demnach hat – und das muß man ja anscheinend wie eine Litanei herunterbeten – das Konzept besagter Austellung, rein GAR NICHTS mit dem Thema arabische Kollaboration der Araber, mit den Nazis zu tun.

    Trotzdem beharren die Kritiker des WdK in dieser Diskussion auf einem Standpunkt der einfach gar nicht ZUR DEBATTE steht.

    Warum also trotzdem diese Hysterie?

    Weil das Thema politischer Islam wohl immer emotional geführt werden wird.
    Das mag ja zum Teil gerechtfertigt sein, aber in diesem Fall geht das einfach komplett am Thema vorbei und hat nichts mit der Sache zu tun.

    Im Gegenteil: die Reaktion derjenigen, die jetzt so empört tun, spiegelt doch im Grunde nur die arrogante Ignoranz wider, mit der diejenigen, um deren Andenken und Würdigung es in dieser Austellung EIGENTLICH geht, immer bedacht wurden.

    Durch diese Debatte und die völlig arrogante Ignoranz gegenüber diesem Ansatz und dem eigentlichen Geist dieser Austellung, wurde im Grunde ERST RECHT unter Beweis gestellt, wie längst überfällig und bitter nötig diese Würdigung war und ist.

    Hier wurde einfach marktschreierisch und unangemessen, vorschnell das Interesse eines einzelnen über die Presseorgane instrumentalisiert, um eine wichtige und gute Einrichtung in Mißkredit zu bringen.

    Das ist für mich als regelmäßigen und zufriedenen Besucher der WdK so einfach nicht hinnehmabar und akzeptabel!

  6. paul sagt:

    Das schreckliche Verbrechen der Shoa war ein gesamteuropäisches „Projekt“.

    Ohne die Kollaboration der gesamten europäischen CHRISTLICHEN Staaten, wäre dieses Verbrechen in dieser Dimension überhaupt nie zustande gekommen.

    Sich jetzt – wie Herr Rössel es getan hat, nur die arabische Kollaboration herauszupicken – und zwar deshalb, weil der Mann den eigentlichen Sinn und Zweck der Austellung nicht begriffen hat – ist völlig lächerlich.

    Alle bilden plötzlich einen Kreis um die Aufarbeitung der Kollaboration des Großmuftis und zeigen hysterisch mit dem Finger darauf, um – denn es geht ja auch um die aktuelle Bedrohung des Islam – die Araber dazu zu bringen, das „jetzt auch endlich mal aufzuarbeiten“.

    Dafür also pickt man sich jetzt also ausgerechnet den Großmufti heraus und tut so als hätte nicht das christliche Gesamteuropa, das Verbrechen der Shoa durch Kollaboration in seiner WAHREN Dimension nicht überhaupt erst möglich gemacht.
    Und wie lange hat z.B. nur Frankreich dazu gebraucht, um sich für seine Schuld an der Deportation von Juden DURCH Franzosen, zu entschuldigen?
    Wenn es einen Staat Palästina gäbe, könnte die Entschuldigung für diese Kollaboration vielleicht auch mal von palästinensischer Seite aus, offiziell passieren.
    Aber bis es soweit ist, sind wahrscheinlich eine Menge Entschuldigungen fällig.

    UNSERE Schuld als Deutsche macht die Kollaboration der christlichen Nachbarstaaten natürlich nicht kleiner, aber die der anderen eben auch nicht.

    Es soll ja noch Leute mit jüdischer Konfession geben, die z.B. die christliche gesamteuropäische Beteiligung an diesem Jahrtausendverbrechen nicht kennen bzw. abstreiten.
    Ich selbst bin so jemandem mal begegnet und was soll ich sagen: ich hatte schlechte Nachrichten für ihn.. .

    Der Mann war völlig fassungslos, ob dieser „neuen“ Information.

    Sei´s drum: es ging also in dieser besagten Austellung um den Beitrag derjenigen Soldaten des zweiten Weltkriegs, die von den Kolonialmächten aus der sogenannten „Dritten Welt“, eingesetzt wurden.
    Diese Menschen haben AUCH denjenigen Beitrag geleistet, dem die WdK sich verpflichtet gefühlt hat, die entsprechende Würdigung zuteil werden zu lassen.

    Die Arroganz mit der hier über den Beitrag dieser Menschen an der Befreiung drüber-gebulldozert wird, spiegelt tatsächlich eine neokolonialistische Arroganz wider, die – sorry – gewisse jüdische und christliche Interssengruppen bis heute anscheinend verkörpern.
    Und das sage ich als jemand der den politischen Islam völlig ablehnt.
    Von der Abgründigkeit der Nazis, die ich natürlich auch zutiefst verachte, ganz zu schweigen.

    Etwa mehr Feingefühl bitte, wenn es mal um Menschen geht, die nicht in´s übliche eurozentrische Bild passen.

    Das ist aber anscheinend zuviel verlangt. Sagt aber einiges über die Kritiker dieses Ansinnens der WdK aus.

    Die Leiterin der WdK´Frau Ebéné, hat gut daran getan, hier zu intervenieren. Mein Respekt!

  7. Guerreiro sagt:

    @ Paul
    von 96 Schilder zeigen gerade mal 3 auf die Kollaboration der Araber.
    Wer hier also „wie Herr Rössel es getan hat, nur die arabische Kollaboration herauszupicken“ und „rumbulldozert“ ist die gutmenschliche Linke Atitüde, welche nicht einmal mit der Vergangenheit zurecht kommt geschweigeden die Gegenwart, von Zukunft wollen wir gar nicht erst reden.
    Wenn die Verweigerung der geschichtlichen Tatsachen nicht Angriff genommen würde, würde heute keiner darüber „rumbulldozern“

  8. Loewe sagt:

    Der Herr Rössel behauptet er habe die Anti-Semitismuskeule nicht geschwungen, aber er hat mehrere Tage lang zugeschaut wie genau diese Bombe hochging ohne auf eine Klarstellung wertzulegen.

    Ich unterstelle ihm deswegen dass er einfach mehr Bücher verkaufen möchte und das hat er mit dieser Aktion wohl auch geschafft.

    Auch ich gratuliere Frau Ebene.

  9. Knallchargen « abseits vom mainstream – heplev sagt:

    […] Philippa Ebéné – das ist die Geschäftsführerin der „Werkstatt der Kulturen“, die dafür sorgte, dass eine Ausstellung über die Dritte Welt und den Zweiten Weltkrieg verhinderte, weil dort auch die Rolle der arabischen Kollaboration im Allgemeinen und des Großmufti Hadsch Amin al-Husseini im Besonderen beleuchtet wurde. Als Grund führt sie jetzt an, sie habe eine Ausstellung haben wollen, die den Kampf Nichtweißer gegen den Nationalsozialismus würdigt. Aha, über Kollaborateure darf nicht aufgeklärt werden – jedenfalls nicht über solche, die man gerne ignoriert haben will. „Sie sei von einer Hommage an die Befreier ausgegangen“, gibt sie zu Protokoll. Ja, die Dritte Welt muss massenhaft an der Westfront aktiv gewesen sein. Oder haben doch die Sowjets ihre Rote Armee mit Kämpfern aus aller Dritt-Welt bestückt? Ach ja, das sollte doch eine Gedenkveranstaltung werden, glaubte sie; und bei Gedenkveranstaltungen ist es unüblich auf Kollaborateure aufmerksam zu machen. Ja, wo denn sonst noch nicht? Wenn man „Drittweltler“ und ihre Rolle im Zweiten Weltkrieg beleuchtet, wo steht dann, dass das Gedenken ist und dass deren Rolle nicht komplett abgedeckt werden darf? Die Frau offenbart nicht nur ein seltsames Geschichtsverständnis, sondern auch reichlich schräge Ansichten und Gehirn-Reflexe. (Die sich auch in einer Antwort an Antje Sievers ironischen Kommentar zeigen.) Die Reaktion der Trulla ist auch noch bezüglich eines weiteren Punktes bezeichnend: Sie wehrt sich gegen Antisemitismus-Vorwürfe – die es nicht gibt. Damit liegt ein Fall von Schubladendenken und pawlowschen Reflexen vor. Ich bin mal gespannt, was von Frau Ebéné noch so kommt; sie scheint sich für meine hofierten Hetzer bewerben zu wollen. […]

  10. Bee sagt:

    Hier wird Rassismus gegen Antisemitismus ausgespielt. Deutschland weiss genau wie es auf angebliche pro-arabische und deswegen automatisch anti-semitische Vorwürfe reagieren muss.

    Der Umstand dass 74 migrantische Organisationen in Berlin Frau Ebene unterstützten fällt völling unter den Tisch, dabei haben ein viertel der Bevölkerung einen migrantischen Hintergrund.

    Der Rössel nennt alle nicht-weissen Soldaten ‚Drittweltländler‘.
    Wenn einer so doof ist da muss die migrantische Bevòlkerung nicht vor Dankbarkeit auf die Knie fallen weil zum ersten mal das Thema wenn auch rassistisch angesprochen wird. Ganz einfach.

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