Nur keine internationale Solidarität!
20. Juni 2009, von Thomas von der Osten-SackenVergebliche Mühe wäre es heute etwa gewesen, auf der von iranischen Linken organisierten Demonstration gegen die Regierung der islamischen Republik einen Vertreter von Der Linken, der DKP oder einer anderen linken Gruppierung zu finden. Vielleicht ein Dutzend Nicht-Iraner fanden sich ein.
Dabei wurden rote Fahnen geschwenkt und die Internationale gesungen. Das ertrugen selbst Anhänger des Schahs. Deutschen Linken scheint’s zu viel gewesen zu sein.
Darum erklärt Helmut Scholz: Bitte bitte eskaliert ja nichts, tut nicht zur Destabilisierung des Regimes und mischt Euch nicht ein:
Die gegenwärtigen Proteste signalisieren das seit Jahren massivste gesellschaftliche Aufbegehren, und dennoch darf nicht übersehen werden, dass die politischen Kräfte um den bisherigen Präsidenten weiterhin über eine starke Verankerung in großen Teilen der iranischen Bevölkerung verfügen. Das deutet auf Gräben innerhalb der iranischen Gesellschaft hin, die zu überwinden für keine politische Kraft leicht sein wird. Iran steht offensichtlich an einem wichtigen Wendepunkt seiner Entwicklung seit den letzten drei Jahrzehnten. Es geht auch um die Möglichkeit und die Chance, die Barrieren für eine echte Demokratisierung des Landes niederzureißen.
Vor diesem Hintergrund ist die internationale Staatenwelt gefordert, nicht durch äußere Einmischung oder konfrontative Rhetorik die Spannungen zwischen den politischen Lagern weiter anzuheizen: Die Gefahr einer weiteren Eskalation der Lage besteht real und sollte für niemanden von Interesse sein. Eine weitere Destabilisierung der Lage im Iran kann die gesamte Region gefährden. Das gilt auch in Hinblick auf mögliche Bewegungen in der Nahostfrage, denn der mit der Kairoer Rede von US-Präsident Obama über das Herangehen des Westens an die islamische Welt aufgetane Hoffnungsschimmer würde so schnell wieder zunichte gemacht. Stabile politische Verhältnisse im Iran sind Mitvoraussetzung für ein dauerhaftes und belastbares Fundament einer Lösung des Nahostkonfliktes.
Gräben, die zu überwinden sind? Eine Eskalation ist für niemanden von Interesse? Stabile Verhältnisse - nicht etwas Freiheit und Demokratie im Iran und allen anderen Ländern der Region sind Voraussetzung für die Lösung des Nahostkonfliktes? Welchen Nahostkonfliktes denn? Dem der sich gerade in diesen Minuten in Teheran blutig Bahn bricht.
Was für ein eiskalter Typ muss man sein in diesen Stunden nicht einmal ein Wort der Solidarität zu verlieren. Sie glauben wirklich es wäre 1989 und sie müssten ihren Honecker retten.
Vielleicht ist es ja wahr: die deutsche Linke erstarkte im Protest gegen die iranische Diktatur Ende der 60er Jahre, jetzt erklärt sie ihren Totalbankrott angesichts der iranischen Diktatur 2009.
20. Juni 2009 um 18:41
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21. Juni 2009 um 13:32
Wirklich peinlich, diese Erklärung. Man kann mit geschwurbelter Sprache wirklich alles so zurechtbiegen, wie es gerade passt. Erinnert sehr an das fliegende Selbstmordkommando in “Life of Brian”.
Hier noch ein Aufruf an alle twitteruser:
if anyone is on Twitter, set your location to Tehran and your time zone to GMT +3.30. Security forces are hunting for bloggers using location/timezone searches. The more people at this location, the more of a logjam it creates for forces trying to shut Iranians’ access to the internet down. Cut & paste & pass it on.
21. Juni 2009 um 15:22
Habe soeben über das dortige Kontaktformular folgende Frage geschickt:
«Einen schönen guten Tag - Deute ich Ihre Stellungnahme richtig, daß Sie, also die Linkspartei als ganzes, auch nicht mehr Ihre dafür bekannten Sprecher (u.a. Paech, Jelpke) künftig durch deren “konfrontative Rhetorik” gegen Israel den Konflikt zwischen den dortigen politischen Lagern “anheizen” lassen wollen?»
Man kann ja nie wissen - vielleicht kommt ja doch wider Erwarten eine Antwort! ;-)
21. Juni 2009 um 22:59
[...] gehen und für die eigenen Rechte zu kämpfen. Und was ist? Nichts ist! Tote Hose! Eher schon noch das Gegenteil. Solidarität von Links? Nada! Niente! Nüscht! Was uns wieder viel darüber sagt, was Freiheit und [...]
27. Juni 2009 um 22:33
[...] Helmut Scholz, Partei DIE LINKE – bloß nichts tun, was die Mullahs vergrätzen könnte! Schon gar nicht demonstrieren! Die Gräben, die da angedeutet sind, müssen überbrückt werden. Wir brauchen stabile Verhältnisse im Iran. [...]