Steilvorlage
15. Juni 2009, von Thomas von der Osten-SackenWegen des tiefen Misstrauens, mit dem die Führung in Teheran die USA betrachtet, ist diese Glaubwürdigkeit nur mit großer Entschlossenheit und Geduld zu erreichen. Wahrscheinlich hat die Entspannungsinitiat ive Obamas dieses Misstrauen sogar noch erhöht, weil das Regime von dem Fortfall des bequemen Feindbildes vom „Großen Satan Amerika“ eine Schwächung des Rückhalts im eigenen Lande befürchtet.
So weit so gut. Der Ball liegt in Washington, die USA sind indirekt verantwortlich, weil sie erst ein “bequemes Feinbild” aufbauen und dann einfach so fallen lassen.
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Nun müssen Taten folgen. Damit wollte Obama bis nach der iranischen Wahl warten. Jetzt hat das Außenministerium in Washington bekräftigt, die Entscheidung des Präsidenten, sich um einen Ausgleich mit Iran zu bemühen, sei vom Wahlausgang unabhängig. In den kommenden Monaten ist deshalb aus eine formelle Einladung zur Aufnahme direkter Gespräche wahrscheinlich, ebenso eine grundsätzlich positive Antwort aus Teheran. Für einen Neuanfang reicht das jedoch nicht aus, allenfalls für den unfruchtbaren Austausch alter Beschuldigungen – eine Methode, in der die Iraner Meister sind.
Mehr Zugeständnisse muss Obama jetzt schon machen, fraglos, ja Mut beweisen:
Obama muss vielmehr Mut beweisen, die eigenen Überzeugungen durchzusetzen, auch gegen Widerstände im eigenen Land. Wer ein neues Verhältnis zu Iran anstrebt, darf sich nicht allein in der Atomfrage festbeißen, sondern muss bereit sein, die gesamte Breite der Beziehungen zu erörtern. Wer Respekt zur Grundlage des Dialogs machen will, darf nicht schon jetzt neue Wirtschaftssanktion en androhen, falls der Iran sich amerikanischen Wünschen nicht fügt. Und wer die Herausforderung ernst nimmt, iranisches Misstrauen zu überwinden, darf nicht zu schnell Ergebnisse erwarten und verlangen.
Und zwar Respekt vor einer Regierung, die den Holocaust leugnet, nicht nur Meister im “Austausch unfruchtbarer Beschuldigungen”, sondern auch im Einknasten, Foltern und Steinigen ist und ansonsten weltweit als einer der Hauptfinanziers des islamischen Terrorismus gilt. Respekt ist das ganz wichtig, ebenso wie auch Nordkorea endlich mal der gebührende Respekt entgegen zu bringen ist.
Nicht der gelenkte Wahlausgang in Teheran ist deshalb entscheidend dafür, ob das Verhältnis zwischen dem Land und dem Westen neu geordnet werden kann und dabei vielleicht auch eine brauchbare Lösung für das iranische Atomprogramm gefunden wird, sondern die Entschlossenheit Obamas.
Die Situation ist gar nicht so vertrackt: Obama muss nur Israel fallen lassen, die US-Truppen möglichst zügig aus dem Irak und Afghanistan abziehen, weitere Verneigungen vor der imaginierten “islamischen Welt” tätigen und dem Iran unter Ahmedinejad eine Hegemonialrolle zugestehen - und schon stehen die Chancen gut, dass man auf allen Ebenen mit der neu-alten Führung ins Geschäft kommt.
Ein if allerdings sei am Ende angehängt:
Womöglich wird aber selbst die am Ende an iranischer Uneinsichtigkeit scheitern. Doch die Wiederwahl Achamdineschads darf nicht als Rechtfertigung dafür herhalten, es nicht wenigstens zu versuchen.
Diese Ergüsse sind nicht auf dem Muslimmarkt vröffentlicht, sondern in der Zeit, Verfasser: der Iran-Experte Christoph Bertram. Neigte man zu Verschwörungstheorien, es wäre nicht schwierig zu der Überzeugung zu gelangen, der Mann stehe auf der Payroll Teherans.