Am Schlamassel selbst schuld

17. April 2009, von Thomas von der Osten-Sacken

Ein Interview aus dem Schweizer Blick mit Nasrin Amirsedghi über Durban II. Must read:

 Frau Amirsedghi, ab Montag tagt in Genf der Uno-Menschenrechtsrat. Auch Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat sein Kommen angekündigt. Was hat der mit Menschenrechten zu tun?
Nichts. Genau so wenig wie der Uno-Menschenrechtsrat in der heutigen Ausprägung. Der ist total überflüssig. Der Grundgedanke ist gut. Es braucht eine moralische Institution für Demokratie sowie Menschenrechte. Diskriminierung und Rassismus jeglicher Form muss bekämpft werden. Doch der Uno-Menschenrechtsrat vertritt zurzeit mehrheitlich die Interessen von islamofaschistischen Ländern wie Iran und Lybien – oder etwa China, wo Menschenrechte nichts gelten.

Wie konnte der Rat so tief fallen?
Nach den bitteren Erfahrungen des zweiten Weltkriegs was Menschenrechte und Antisemitismus anbelangt, musste die internationale Gemeinschaft handeln. Die Uno-Charta der Menschenrechte von 1948 hatte berechtigte Ansätze. Seither lief einiges schief. Reformen scheiterten und die geringen Beitrittshürden machten islamistisch und diktatorisch geführten Ländern eine Mitgliedschaft sehr leicht.

Der Westen ist also am Schlammassel selber schuld.
Ja. Besonders die Faszination der europäischen Linken der 68er-Bewegung für alles anti-kapitalistische und kommunistische hat geschadet. Sie haben islamistische Staaten regelrecht verherrlicht. Die europäische Haltung innerhalb des Uno-Menschenrechtsrats war und ist zu lasch. Jetzt sitzen da Länder, die die Scharia praktizieren, gegen alles sind, was wir unter Humanismus verstehen. Und die sollen uns sagen, was Menschenrechte sind? Eine Frechheit! Gleichzeitig findet in Europa eine schleichende Islamisierung statt, deren Folgen wir für unsere Demokratien noch nicht abschätzen können.

Bundesrätin Micheline Calmy-Rey ist eine glühende Anhängerin des Uno-Menschenrechtsrates. Sie war federführend bei den Reformen von 2006. Wie ist jetzt die Rolle der Schweiz innerhalb des Rates zu werten?
Ich bin sehr, sehr enttäuscht von der Schweiz. Seit 2006 scheint der Rat noch islamischer programmiert zu sein. Das schlechte Image des Menschenrechtsrates färbt jetzt auch auf die Schweiz ab. Stellen Sie sich vor: Ein Land, das eigentlich für Neutralität steht, lässt sich von einigen skrupellosen Staatsführern in den ideologischen Krieg gegen Menschenrechte und Demokratie einspannen!

Sie sprechen den Besuch von Micheline Calmy-Rey in Teheran an.
Nicht nur. Aber das war eine Katastrophe. Ausgerechnet eine europäische Frau setzt sich in einem islamistischen und frauenfeindlichen Land den Schleier auf – bei einem Treffen mit Mahmud Ahmadineschad. Wir dürfen nicht vergessen: Der Mann will Israel auslöschen. Das war eine Schande – für alle europäischen Frauen. Ich vermute, dass dahinter heimliche Idealeinfühlung mit den Agressoren steht. Es ist ein Hohn, dass er jetzt dank der Uno sogar in die Schweiz kommt.

Sie rufen zum Boykott der Konferenz in Genf auf.
Mein Ziel ist ein humanistisch geprägter Gegengipfel, der wirkliche Menschenrechte zum Ziel hat und nicht Ideale. Nebst Israel hat als einziges europäisches Land erst Italien den Boykott beschlossen. Man kann Silvio Berlusconi belächeln. Aber der Mann hat Prinzipien – im Gegensatz zu anderen Staatsführern.

Sie selbst exponieren sich stark mit ihren Ansichten. Werden Sie bedroht?
Genug! Aber so geht es allen islamkritischen Intellektuellen in Europa. Ich bin vor 30 Jahren aus dem Iran nach Deutschland geflüchtet. Aus Angst. Jetzt werde ich auch im Exil bedroht – mitten in Europa!
Interview v. Blick, Schweiz, 15.04.09

 

3 Antworten zu “Am Schlamassel selbst schuld”

  1. Delara wird in zwei Tagen hingerichtet « Iran Baham Blog sagt:

    […] II”-Konferenz beschäftigt. Ein gutes Interview zu dieser Konferenz gab übrigens Nasrin Amirsedghi dem Schweizer “Blick”. Es bleibt zu hoffen, dass die Organisationen, die sich für […]

  2. Felix sagt:

    16.04.09: Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Günter Nooke, sagte WELT ONLINE, er sehe „mehr Gründe, an der Konferenz nicht teilzunehmen als dort hinzugehen“.
    Genau genommen gibt es nur Gründe nicht teilzunehmen, und keine Gründe teilzunehmen.
    Dass die Bundesregierung sich mit dieser Entscheidung so schwer tat, ist eine Schande für jeden Bundesbürger der noch ein bisschen an christliche Moral glaubt.

  3. Peter sagt:

    Warum wird eigentlich nur ueber einen Boykott geredet? Meines Erachtens sollten nicht nur keine Vertreter demokratischer Staaten an dieser Konferenz teilnehmen, sondern vielmehr duerfte doch diese ganze Konferenz gar nicht erst stattfinden. Und wenn, dann sollten diese Tyrannen & Massenmoerder sowie ihre Fanclubs doch bitte in eigenen Gefielden und aus der eigenen Tasche finanziert tagen. In Zimbabwe zum Beispiel, oder in Nordkorea.

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