Einer gibt Nachhilfeunterricht im Islam

10. März 2009, von Thomas von der Osten-Sacken

Dem Bernhard Schmid sein Lieblingspublikationsort ist ein linkes Onlineportal namens Trend-Info Partisan, auf dem, neben Schmids brillianten Analysen, gerne auch mal sowas veroeffentlicht wird:

“Das Israel von Faschisten regiert wird, belegen mittlerweile zahlreiche israelkritische jüdische Portale, die bei SteinbergRecherche gut aufgelistet sind.  Einfach dort mal öfter reinschauen: www.steinbergrecherche.com

Zum 8. Maerz nun hatte Schmid sich viel vorgenommen, naemlich den Mullahs mal zu erklaeren, was Islam ist: Entgegen “anderslautenden Gerüchten “ habe weibliche Genitalverstuemmelung (FGM) naemlich, so Schmid ,”nichts mit „dem Islam“ zu tun.”

Jetzt also muessen die Jungs vom sudanesischen Fiqh ganz schnell ihre Fatwa zurueckziehen, die im Februar zu einer Re-legalisierung der sog. Sunna-Verstuemmelung gefuehrt hatte.

Und selbst die Badische Zeitung weiss inzwischen, dass in Asien nicht nur Irakisch-Kurdistan von dieser Praxis betroffen ist, sondern auchJemen,  Indien, Indonesien und Malaysia.” Und dort fast ausschliesslich Toechter muslimischer Eltern.

Und ein anderer Nahoestler muss nun auch von Schmid lernen, denn Kamal Ahmady, der im Iran gegen FGM ankaempft, kommt offenbar faelschlicherweise zu dem Schluss, dass diese Praxis zumindest von der Shafi-Rechtsschule als Halal sowohl fuer Jungen wie fuer Maedchen eingestuft wird. (Und nicht nur er vertritt diese Ansicht). Dies ist auch die Begruendung, die im Nordirak 80% der befragten Frauen angeben, warum sie ihre Toechter verstuemmeln.

So wird denn, nach Belehrung durch Schmid, auch einer der ranghoechsten Kleriker in Irakisch-Kurdistan, Bawke Hared, seine Meinung jetzt endlich aendern. Noch vergangenes Jahr naemlich erklaerte er in der kurdischen Zeitung Hawlati:

Our prophet Mohammad (God bless him) said: You need to do the following things: circumcision, cutting your nails and your moustache.

This Hadeth is accepted by the majority of Muslims. Once upon a time a non-believer converted to Islam and Muhammad asked him immediately to circumcise himself. We belong to the Abrahamite family and circumcision is approved by Abraham and he was even 80 years old when he circumcised himself.

There is no difference between males and females and both are asked by their God to circumcise and there are many articles in Quran prove this.

Natuerlich ist FGM also auch ein islamischer Problem, aber es gibt genug Menschen, auch religioese Muslime, die gegen diese Praxis ankaempfen. All diese Leute brauchen eines ganz bestimmt nicht: solche Belehrungen.

Die Tatsache, dass der Islam offenbar ein grosses Problem mit FGM hat wird auch nicht etwa widerlegt,  weil auch Christen oder Animisten in einigen Laendern Afrikas Genitalverstuemmelung praktizieren.

 

5 Antworten zu “Einer gibt Nachhilfeunterricht im Islam”

  1. Sedat sagt:

    Herr Osten-Sacken,

    im März wollten wir mit einer Studentengruppe von Amed beginnend auch Südkurdistan besuchen und dabei mehrere Menschenrechtsvereine und Hilfsorg. besuchen, darunter auch wadi.

    Die Reise wurde nun auf den Oktober 2009 verschoben: Da werde ich die Gelegenheit nutzen und so viele Mitarbeiter, vor allem Kurden, ansprechen, was sie davon halten, dass Herr Osten-Sacken in seinem Blog verbreitet, dass die islamische Religion faschistisch sei und schuld an weiblicher Genitalverstümmelung trägt!

  2. Der Leibhaftige sagt:

    Hihi… Immer wieder witzisch, der Herr Osten-Sacken. Deshalb finde ich es ja auch immer wieder so amüsant, seine Website zu lesen. Zum Artikel: “Ay ay, der hat aber gesessen”, meint der edler Herr wohl… Die Operation ging leider gründlich daneben. Lesen will eben auch gelernt sein, und “sauberes” Zitieren (ohne den Sinn zu verfälschen) auch eine schwierige Kunst,

    Es soll Leute geben, die sich schon länger als Herr Osten-Sacken mit FGM befassen und dagegen einsetzen. Der Autor des Interviews kennt das Thema auch schon seit ein paar Tagen (vgl. http://www.nadir.org/nadir/periodika/jungle_world/_99/09/23a.htm), die Interviewte hat schon gegen FGM gekämpft, als Herr Osten-Sacken wohl noch in seine Windeln schiss.

    Rein zufällig “vergisst” Herr Osten-Sacken, die vor und hinter dem von ihm herausgerissenen Zitatfetzen stehende Sätze in Betracht zu ziehen, die u.a. Teile der Begründung enthalten: “Dieser Brauch wurde erstmals vor rund 2.700 Jahren im pharaonischen Ägypten praktiziert. Entgegen anderslautenden Gerüchten hat diese Praxis nichts mit ‘dem’ Islam zu tun - sondern war zur Zeit der Entstehung der muslimischen Religion bereits uralt -, und sie wird etwa von der christlich-koptischen Bevölkerung in Ägypten dort ebenso praktiziert wie von Moslems.” Ansonsten steht da auch: “Allerdings ist im Aberglauben örtlicher Bevölkerungsteile (..) die irrige Vorstellung, dass es sich dabei angeblich um eine moslemische Glaubensvorschrift handele, ebenfalls weit verbreitet.”

    Und wenn angeblich “der” Islam - wie an vielem anderem - auch an FGM schuld sein soll: Ähm, warum wird die Genitalverstümmelung dann bei Ureinwohnern in Kolumbien praktiziert (die wohl vom ollen Mohammed noch nie etwas gehört haben), aber - nach allem was bekannt ist - z. Bsp. nicht im Iran mit Ausnahme seiner kurdischen Region?

  3. Susanne sagt:

    Also hängen all die oben zitierten Kleriker nur dem “Aberglauben örtlicher Bevölkerungsteile” an, die irren, Herr Schmid? Etwas mehr Respekt vor der sudanesischen Ulema hätte ich mir schon von jemandem wie Ihnen gewünscht.
    Und wer hat je gesagt, dass FGM NUR ein islamischen Problem ist? Gesagt wir es ist ein islamisches Problem.
    Polygamie hat es auch vor dem Islam gegeben, aber der Islam hat sie institutionalisiert. Ist Polygamie also auch kein Problem des Islam?

  4. Der Leibhaftige sagt:

    @Susanne

    ‘Ist Polygamie also auch kein Problem des Islam?’

    Doch. Klar, ist es.

    So, wie Sie es sagen (betreffend die FGM), hört es sich schon vernünftiger an: ‘Nicht nur, aber AUCH ein islamisches Problem’. Allerdings ist es mitnichten ein Problem ‘des’ Islam überall - im Gegensatz zur Polygamie, die der orthodoxe Islam überall erlaubt respektive vorsieht. In einem Gutteil der muslimisch geprägten Länder hingegen gibt es keine FGM, etwa im Grossteil des Iran.

    Dagegen haben sich prä-islamische Glaubensvorstellungen etwa in Nordafrika oft örtlich mit Praktiken des Islam vermischt. In Mali sind die Leute bspw. gleichzeitig animistisch und muslimisch geprägt. Und sie können oft gar nicht auseinanderhalten, welche Praxis aus welchem Kontext stammt. Aus eigener Anschauung vor Ort weiss ich, dass die Mehrheit der Menschen in Mali überzeugt ist, FGM stehe irgendwo im Qoran (Koran), was allerdings nicht zutrifft.

  5. Stoff für’s Hirn! « abseits vom mainstream - heplev sagt:

    [...] zu tun. Verdammt nochmal, glaubt das endlich! Na ja, da gibt’s ein klitzekleines Problem, wie Thomas von der Ostensacken [...]

Hinterlasse eine Antwort