Nur eine Anmerkung

09. März 2009, von Thomas von der Osten-Sacken

Seit einiger Zeit findet vor allem auf den Seiten der Achse der Guten eine Auseinandersetzung um Islamophobie, Rassismus und Antisemitismus statt, der man folgt, aber ueber die ich mich eigentlich nicht selbst gross aeussern wollte.

Seit aber staendig die Frage aufgeworfen wird, ob nicht Antisemitismus und die sog. Islamophobie unter dem allgemeinen Begriff Rassismus subsumiert werden solenl, hier doch ein kurzer Einwand.

Antisemitismus zielt, wie Sartre vor Jahren so trefflich feststellte, immer auf den Tod des Juden, nicht etwa auf seine Ausbeutung, Ausweisung oder Diskrimierung alleine. Die Ermordung des konkreten lebenden Juden als Traeger eines abstrakten Prinzips macht daher das Wesen des modernen Antisemitismus aus.

Rassismus leitet sich dagegen aus einem Ausbeutungsverhaeltnis ab, dem zwar unzaehlige Menschen zum Opfer gefallen sind, taeglich fallen und noch fallen werden, aber im Kern geht es um die Ausbeutung von Menschen, die deshalb unter anderem als essentiell andersartig und/oder minderwertig stigmatisiert werden. Rassistische Regimes herrschten beispielhaft in Suedafrika oder den Suedstaaten der USA, wo Hunderttausende Schwarze ermordet wurden, aber nie ihre Ausrottung geplant war, da man sie als billige Arbeitskraefte benoetigte.

Selbst jene ethnisch oder national legitimierten Kriege, Ausrottungsfeldzuege oder “Saeuberungen”, wie es neuerdings heisst, lassen sich, so schwer es einem faellt, dies auszusprechen, meist auf einen oekonomisch determinierten Grund zurueckfuehren (der spaeter dann in Vergessenhiet geraten kann):  Ressourcen und/ oder Land. Die Indianer in den USA etwa wurden derart dezimiert, weil weisse Siedler ihr Land in Besitz nehmen wollten. Dies ging einher mit heute unglaublichen Ausserungen amerikanischer Praesidenten ueber die “Loesung der Indianerfrage”. Die Tasmanier, um ein weiteres Beispiel anzufuehren, wurden gar bis auf den letzten ausgerottet. Solche Konflikte, deren Protagonisten sich haeufig einer extrem rassistischen Diktion bedienen und Menschen aufgrund von Merkmalen wie Abstammung, Hautfarbe oder Sprache  diskrimieren, sind leider so alt wie die Menschheit selbst und es scheint nicht so, als wuerden sie in naher Zukunft der Vergangenheit angehoeren.

Es macht aber absolut keinen Sinn, dies gegeneinander aufwiegen oder hierarchisieren zu wollen, jedes fuer sich ist fuerchterlich, aber eben nicht dasselbe. Wem nuetzt also diese elende Vergleicherei?

Die vermeintliche Islamophobie, von der ich nicht weiss, was sie sein soll, waehrend ich sehr genau weiss, wie sich Rassismus gegen Menschen aus sog. islamischen Laendern aeussert, moegen sie sich nun selbst als Muslime definieren oder nicht, ist ein Kampfbegriff. Wenn in Moelln eine tuerkische Familie abgefackelt wird, ist das ein rassistisch motivierter Mord; die Frage, wo und wie und wer Moscheen bauen soll, die laut der Durban II Vorbereitungspapiere Rassismus sein soll, ist es nicht.

Nazis bruellen “Auslaender raus!”, moderne Antisemiten wollen den Staat Israel vernichten. Selbst der radikalste Nazi verfolgt - zumndest nicht dass ich wuesste -, die Agenda Tuerken in der Ruerkei oder Vietnamesen in Vietnam zu ermorden. Der Antisemit dagegen wendet unglaubliche Muehe auf, Juden noch in entferntesten Lanedern aufzuspueren und zu ermorden.

Rassisten keonnen sich die Debatte um den Islam sicher zunutze machen, tun dies zum Teil auch und gehoeren als Rassisten angegriffen und stigmatisiert. Nur kann jeder, der es will, sofort unterscheiden, ob der potentielle Bau einer Grossmoschee von einem Rassisten kritisiert wird, oder von einem der Aufklaerung und dem Saekularismus verpflichteten Kosmopoliten.

Nicht zu vergessen sind, neben Rassismus und Antisemitismus, jene genozidale Massenmorde, die von keinem der Begriffe erfasst werden werden, etwa der Voelkermord an den Armeniern, Hereros und Hottentotten, der an den Tutsis, die Millionenmassaker in Kambodscha und China, Uganda, dem Irak oder dem Sudan.

16 Antworten zu “Nur eine Anmerkung”

  1. peeka sagt:

    Sorry, aber das funktioniert dann nicht mehr hinsichtlich einer einheitlichen Logik.
    Wenn in Moelln eine Familie abgefackelt wird, dann wird sie nicht abgefackelt, um sie auszubeuten, sondern um sie zu vernichten.
    Wenn im 3. Reich jüdische Zwangsarbeiter beschäftigt wuredn, dann wurden sie gleichzeitig zur Ausbeutung und zur Vernichtung beschäftigt.
    Völkermorde an Herero oder Armeiniern dienten genauso der Vernichtung aus rassistischen Motiven wie der industrielle Versuch der Judenausrottung der Nazis. Somit gibt es hier einen deutlicheren Zusammenhang als wiederum die Massaker in Kambodscha und China, die wohl eher aus ideologischen denn aus rassistischen Gründen erfolgten.

    Islamophobie scheint eher Teil einer Xenophobie zu sein, die aber auch eine Grundlage des Anti-Semitismus darstellt.
    Perfide stellt sich die Islamophobie zum Beispiel hier dar:
    http://conceptwizard.com/ger/pipe_ger.html

    Unter dem Deckmantel, gegen Antisemitismus sein zu wollen, wird eine Verschwörung von Muslimen aus der ganzen Welt mit der “Anti-Globalisierungsbewegung” und der “Linken” im Allgemeinen suggeriert, die massiv an eine “jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung” erinnert.

    Es scheint die Angst zu sein, den hegemonialen Anspruch zu verlieren, über die Leitkultur bestimmen zu können.

    Es ist mit Sicherheit sinnvoll, die unterschiedlichen Aspekte heraus zu arbeiten. Ob es aber wirklich so wichtig, sinnvoll und überhaupt möglich ist, jede einzelne Intention, einen in irgendeiner Form Andersartigen zu ermorden, in eine der ablehnenden Begrifflichkeiten fest zu verorten, halte ich aber für zweifelhaft. Es geht schließlich nicht darum, wer die “besseren” Opfer sind, sondern darum, die Stereotype zu erkennen und entsprechend gegen zu steuern.

  2. Adrian Leverkühn sagt:

    Wenn man den Begriff der “Islamophobie” in seine Wortbestandteile seziert, so kommt am Ende “Furcht vor der Islam” heraus. Es beschreibt eine begründete oder nicht begründete Furcht vor der Religion des Friedens. Wer diesen Begriff mit Rassismus oder gar Antisemitismus auf eine Stufe stellt, der setzt die Furcht vor einer konkret werdenden abstrakten Idee, die in Gestalt der Scharia oder des Terrors auch Form annehmen kann, mit der Ablehnung von Menschen aufgrund wahrgenommer äußerlicher bzw. projizierter geistiger Merkmale gleich.

    Im Grunde genommen erweisen sich die Leute als die wahren Islamophobiker, die in ihrer verdrängten Furcht solche Floskeln wie “Islam heißt Frieden” in den Raum werfen und dabei reflexartig jede harmlose Koran- Sure rezitieren, in der nicht der islamische Absolutheitsanspruch verankert ist.

  3. Adrian Leverkühn sagt:

    @peeka - Grundsätzlich stimme ich Dir zu. Die Grenzen zwischen eliminatorischem Antisemitismus und auch vernichtendem Rassismus fließen ineinander über, was wadi auch am Begriff des “rassistisch motivierten Mordes” belegt.

    Dennoch bestehen strukturelle Unterschiede zwischen der antisemitischen und der rassistischen Denkweise, auch wenn diese viele Schnittmengen aufweisen. Der Rassismus benötigt für seinen Hass eine sichtbare Projektionsfläche; dem Antisemitismus genügt das unsichtbare Ziel des Hasses.

    Die besagte “conceptwizard.com”- Seite mag ein guter Untersuchungsgegenstand sein. Zum einen ist die Äußerung idiotisch, dass es den islamischen Antisemitismus schon immer gäbe. Einige Geschichtskenntnisse genügen, um zu wissen, dass die antisemitische Propaganda in der islamischen Welt vorrangig ein westliches Import ist.
    (Zur Islamophobie bin ich bereits eingegangen.)

  4. Pan sagt:

    sorry, aber einen islamischen antijudaismus gab es seit der koran schriftlich erfasst wurde. es gibt zu viele antijüdischen stellen im koran, aus denen sich dann der antijudaismus in der realität manifestierte.mag dieser antijudaismus in der arabischen welt weniger ein körperlicher angriff, als ein geistiger angriff gegen das judentum gewesen sein und gab sich damit zufrieden, wenn ein jude sein judentum aufgab und zum islam konvertierte. keine frage, im vergleich zum europäischen mittelalter haben pogrome gegen juden seltener in islamischen ländern stattgefunden als im christentum. trotzdem gibt es auch paralellen, wie zb. das tragen des gelben flecks und beschränkte ausübung von berufen. die islamische strategie war eher eine geistige auslöschung des judentums und nicht die des jüdischen menschen. deshalb sage ich auch das der antijudaismus nicht erst aus dem westen in den arab. raum importiert worden ist, dafür sprechen auch pogrome vor den 30er jahren wie zb. das pogrom in hebron in den 20er jahren oder die pogrome von bagdad. eher ist der antisemitismus aus dem nahen osten durch das christentum in den westen gekommen und dann wieder als moderner antisemitismus zurückgewandert. dort traf er dann den religiös islamischen antisemitismus, der mit verschwörungstheorien wie zb. der jüdische bolschewist, der jüdische kapitalist etc. noch nichts anfangen konnte. der christlich motivierte antisemitismus ist in der westlichen welt heute eher seltener anzutreffen als der moderne. im islamischen raum ist jeweils der religiöse und der moderne gleich stark anzutreffen und ist sehr gefährlich, da er nicht nur den juden geistig erledigen möchte, sondern jetzt auch körperlich. so gesehen stimmt es das der moderne antisemitismus aus europa stammt, aber zu sagen das der islam den antisemitismus vorher nicht kannte ist so nicht richtig. der religiös motivierte antisemitismus existierte schon immer im islam wie im christentum auch.

  5. peeka sagt:

    @Adrian: Der Rassismus - zumindest wenn man Ausländerfeindlichkeit dazu zählen möchte - kommt auch gut ohne eine reale Projektionsfläche aus. Ansonsten würde die NPD nicht genau an den Orten die meisten Stimmen bekommen, an denen es gar keine Ausländer gibt.

    Wenn es eher eine Besonderheit des Antisemitismus im Gegensatz zur Ausländerfeindlichkeit gibt, dann wohl eher die Formulierung einer internationalen Weltverschwörung gemeinsam mit einer Ideologie, egal ob es früher “Bolschewismus” war oder heute “Ostküstenimperialismus” genannt wird.
    Und genau diese Weltverschwörung wird nun von der “conceptwizard”-Seite auf die Muslime projeziert:
    Die Welt wird grün überschwemmt, an allen Konflikten auf der ganzen Welt sind Muslime beteiligt, die Muslime drängen als Einwanderer nach Europa und verbünden sich mit der “Linken” und den “Antiglobalisierern”, um den Islam auf der ganzen Welt durchzusetzen.
    Und an dieser Stelle setzt eben auch eine Form der Islamophobie an, die sich genauso darstellt wie eine Form - oder nennen Sie es ein Werkzeug - des Antisemitismus. Dass Islamophobie und Antisemitismus trotzdem gleichzeitig noch ganz andere Ursachen und Begründungen finden, sei nicht bestritten. Wenn man aber gerade keine Rangfolge der Bösartigkeiten einführen will, dann halte ich es für sinnvoll, genau diese Parallelen zu erkennen, um darauf dann auch antworten zu können.
    Wenn es lediglich darum geht, die Exklusivität der Verfolgung einer der Gruppen darzulegen, so muss natürlich die spezifische Verfolgung des jüdischen Volkes vorgelegt werden.
    Nur ist zumindest für mich das eher eine Frage für Akademiker.

  6. Martin sagt:

    Naja. Der Unterschied ist vielleicht eher, das der Antisemitismus eine Angst vor etwas völlig Eingebildetem ist, während es bei der “Islamophobie” genügend echten Grund für die Angst gibt?

  7. In eigener Sache und in aller Kürze « Zeitung für Schland sagt:

    [...] wie unsinnig sie auch sein mag. Ansonsten hat Thomas von der Osten-Sacken bereits geschrieben, was es zu der Diskussion zu sagen gibt. « Alle israelischen - aber keine palästinensischen Führer - wollen den [...]

  8. Serdar sagt:

    @Adrian Leverkühn
    Man könnte natürlich auch den Begriff “Homophobie” in seine Wortbestandteile zerlegen und analysieren. Dann könnte man natürlich auch die schwulenfeindliche Gesinnung auf die wörtliche Ebene dieses Begriffes reduzieren. So gesehen gäbe es keinen Homophobie auf der Welt.
    Das gleiche lässt sich auch gegen den Antisemitismus-Begriff wenden. Das zeigt uns natürlich das es ziemlich naiv ist, den Inhalt eines Begriffes anhand seiner Wortbestandteile zu analysieren. Begriffe verändern ihren Bedeutungsinhalt und erweiteren ihn.

    Ein analytischer Vergleich mit dem Antisemitismusbegriff ist durchaus möglich. Es gibt bestimmt auch Ähnlichkeiten. Da es nicht das gleich ist, ist eigentlich trivial.

  9. Haiduk sagt:

    Wer die Zukunft gestalten will, der muß auch in die Zukunft blicken. Deshalb würde ich bezweifeln, daß bei an der Vergangenheit orientierten Diskussionen wirklich etwas sinnvolles herauskommen kann. Immerhin ist es so, daß die im Rahmen von Durban II ausgehandelten Normen weltweit Anwendung finden sollen. Das bedeutet, daß diejenigen, die sie auslegen sollen, völlig unterschiedliche weltanschauliche, religiöse und geschichtliche Hintergründe haben werden. Ein gedankliches Modell, das nur in unserer historisch-kulturellen Erfahrung gründet, wird der Sache also schon vom Ansatz her nicht gerecht.

    Vielleicht kann man ja mal klären, wer bei Fällen wie diesem hier der Rassist wäre:

    “Libya Tortures Four Christian Converts From Islam”
    http://www.aina.org/news/2009039174117.htm

    Sind das jetzt die Folterer, weil sie verhindern wollen, daß sich jemand aus dem “Volk” der Muslime verabschiedet oder sind es die zum Christentum Konvertierten, weil sie vermutlich Angst vor ihren Folterern aus dem “Volk” der Muslime haben?

    Die Folterer leiden natürlich unter schwerer “Christianophobie”, während die Gefolterten an “Islamophobie” leiden, aber freilich nur, wenn sie sich während ihrer Folterung irgendwie fürchten. Wenn beide Phobien als Rassismus einzuordnen sind, müßte man also beide gleichermaßen als Rassisten bezeichnen.

    Das wäre dann ein in sich stimmige Sicht, aber was man dabei gewonnen hätte, wüßte ich schon gerne.

    So sähe die Bilanz aus:

    (a) die Gefolterten würden weiterhin gefoltert werden
    (b) man würde das Foltern tolerieren, weil die Gefolteren ja sicherlich Rassisten sind
    (c) über die Folterer wüßte man immerhin, daß sie auch Rassisten sind

    am Leiden der Gefolterten ändert das überhaupt nichts. Es ist im Gegenteil an Zynismus kaum zu überbieten, sich eine international gültige Norm auszudenken, auf deren Basis man dann argumentieren kann, daß derart gefolterte Rassisten wären!

    In der Welt steht heute, daß Lybien dem Planungskomitee vorsteht, “dessen Vertreter Ibrahim Dabbashi im UN-Sicherheitsrat das israelische Vorgehen in Gaza mit den systematischen Morden der Nazis während des Holocaust verglichen hat”. Solange in seinem Land Christen gefoltert werden, würde ich mich nie und nimmer mit ihm in eine Konferenz begeben. Denn wer das tut, der hat diejenigen, die ohne irgendeine Schuld jetzt in Foltergefängnissen leiden müssen und dann wohl Zeit ihres Lebens schwere Phobien haben werden, schon verraten und zwar bevor er in dieser Konferenz auch nur EIN Wort gesagt hat!

    Deshalb:
    - raus mit dem Holocaust-Relativierer Ibrahim Dabbashi aus diesem Planungskomitee
    - Boykott Durban II, solange kein Ende der Folterungen in Sicht ist
    - daher Ratifizierung und Einhaltung der UN-Antifolterkonvention in Lybien und weltweit
    - solange Religionen foltern muß man sich ja fürchten und Phobien entwickeln

    http://www.welt.de/welt_print/article3348520/Alle-roten-Linien-ueberschritten.html

  10. Adrian Leverkühn sagt:

    @Pan - Ich sprach auch bewusst von Antisemitismus, nicht von Antijudaismus. Diesen zeichnet eine biologisch motivierte Judenfeindschaft aus, während jener religiös motiviert ist. Der “Antisemitismus”- Begriff an sich stammt aus dem Umfeld Wilhelm Marrs in der Kaiserzeit; er besitzt folglich seine historischen Konnotationen. Und gerade dieser “moderne Antisemitismus” in der islamischen Welt ist ein Import aus dem Okzident. Aber ich verleugne es nicht, dass es Formen einer religiös motivierten Judenfeindschaft, in der sich auch antisemitische Stereotype vermengen, schon dem Islam als Religion immanent ist. Aber diese lässt sich eher aus dem Absolutheitsanspruch des Islam herleiten, die sich ebenso gegen Christen und Anders- Gläubige richtet.

  11. Adrian Leverkühn sagt:

    @Serdar - Jedes Wort für sich besitzt seine eigene Ethymologie und Wortbedeutung. Dass dabei auch verschiedene Konnotationen zustande kommen, versteht sich von selbst. Natürlich lässt sich der “Antisemitismus”- Begriff nicht in seine Bestandteile zerlegen; sonst käme man zu einer Argumentation wie “Wir können ja nicht antisemitisch sein, weil wir selbst Antisemiten sind”. Aber die Antisemiten in der Kaiserzeit bezeichneten sich ja selbst so (siehe Beitrag von eben); deswegen verdienen auch die geistigen Erben von Wilhelm Marr auch diese Bezeichnung.

    Dass “Homophobie” schon ein gutes Synonym (beziehungsweise Bedingung) für Schwulenfeindschaft ist, beruht auf der Tatsache, dass man sich vor der eigenen verdrängten Homosexualität [ich vertrete hierbei die These, dass jeder Mensch bisexuell ist] fürchtet, welche man im Anderen erkennt.

    Dies ändert aber nichts an meiner grundsätzlichen Kritik am ideologiegeladenen “Islamophobie”- Begriff. Man beachte schon die Tatsache, dass es keine semantischen Entsprechungen wie “Christianophobie” oder ähnliches gibt.

  12. Adrian Leverkühn sagt:

    @Peeka - Weltverschwörungsphantasien lassen sich an der conceptwizard- Portfolio nicht belegen. Diese beruhen auf der Paranoia, dass es hinter den Schaltstellen der Macht geheime Mächte gibt, die das Geschick der ganzen Welt bestimmen. Diese Marionettenspieler wurden als Illuminaten, Freimaurer oder eben Juden identifiziert. Zu den Eigenschaften dieser Marionettenspieler gehört es, dass sie ihre Fäden an unterschiedlichen Orten der Welt, sei es das bolschewistische Russland, der Vatikan oder die Sowjetunion (und schließlich im eigenen Land), ziehen, was für Paranoiker eine Legitimation zur Elimination darstellt.

    Deshalb lassen sich antisemitische Konspirationsfantasien nicht mit den Gedankengängen von conceptwizard gleichsetzen. Es gehört nun mal zu den Fakten, dass es Bestrebungen im politischen Islam gibt, den Staat “Israel” von der Karte zu streichen. Ebenso lässt es sich nicht leugnen, dass zum Absdolutheitsanspruch einer Religion auch das Moment der Missionierung zu tun hat.

    Und eine Koalition bedeutet noch längst keine Konspiration, schon allein aufgrund der Offenheit einer Koalition. Aber es ist schon erstaunlich, dass sich Großteile der Linken mit einer klerikalfaschistischen mittelalterlichen Religion identifizieren.

  13. peeka sagt:

    “Weltverschwörungsphantasien lassen sich an der conceptwizard- Portfolio nicht belegen. Diese beruhen auf der Paranoia, dass es hinter den Schaltstellen der Macht geheime Mächte gibt, die das Geschick der ganzen Welt bestimmen. Diese Marionettenspieler wurden als Illuminaten, Freimaurer oder eben Juden identifiziert. Zu den Eigenschaften dieser Marionettenspieler gehört es, dass sie ihre Fäden an unterschiedlichen Orten der Welt, sei es das bolschewistische Russland, der Vatikan oder die Sowjetunion (und schließlich im eigenen Land), ziehen, was für Paranoiker eine Legitimation zur Elimination darstellt.”

    Nun - in der “conzeptwizard”-Präsentation ist das die “Islamische Beteiligung an Konflikten rund um die Welt” vom Kosovo über Tschetschenien zu den Uiguren, Israel, Irak, Sudan, Äthiopien-Eritrea, Indien-Pakistan, Phillipinen und Ost-Timor. Auch wenn jedem denkenden Menschen die Gleichsetzung als “Konflikte mit islamischer Beteiligung” absolut schwachsinnig vorkommen wird, so dient sie hier deutlich als Beleg für eine internationale Verschwörung des Islam gegen den Rest der Welt. Denn es gibt hier keine offenen Koalitionen (wie auch und zwischen wem auch?).

    “Und eine Koalition bedeutet noch längst keine Konspiration, schon allein aufgrund der Offenheit einer Koalition. Aber es ist schon erstaunlich, dass sich Großteile der Linken mit einer klerikalfaschistischen mittelalterlichen Religion identifizieren.”

    Es gibt ja eben diese hier gemalte Koalition nicht. Aber sie wird als “Pipeline des Hasses” dargestellt, eben die Verschwörung der “Anti-Globalisierer” mit dem Islam. Es ist sehr deutlich eine Theorie der Verschwörung, weil eben Koalitionen der dargestellten Art gar nicht existieren. Wer zumindest für einen Moment seine eigene Ideologie ausschaltet wird schnell erkennen, welche Parallelen hier gezogen werden können, wenn es heißt:”Zum Beispiel leben in Frankreich schätzungsweise 5-6 Millionen Moslems und jeden Tag kommen unzählige weitere hinzu”.

  14. Antisemitismus, Rassismus und Islamophobie « Nach der Wahrheit graben sagt:

    [...] via http://www.wadinet.de [...]

  15. Adrian Leverkühn sagt:

    Natürlich kann man den Betreibern der Seite Fehler in ihrer Argumentation bzw. eine vereinfachte Darstellung vorwerfen. Wenn sie statt “Islamischer Beteiligung” die präzisere Formulierung “islamistisch motivierte Konflikte”, welche auch an bestimmten Krisenherden belegt worden wären, gewählt hätten, dann wäre eine solche Aussage eindeutiger. Aus der unglücklich gewählten Argumentation eine Verschwörung zu konstruieren, weil im Unterschied zum Wort “jüdisch”, was in antisemitischer Tradition sich auf eine wesentliche (konstruierte) Eigenschaft eines Menschen bezieht, das Wort “islamisch” auf Aspekte der Religionsausübung bzw. einer politischen Ideologie verweist. Eine Organisiertheit (was zur Konspiration wesentlich dazu gehört) muss nicht zwingend beim gemeinsamen Praktizieren einer Idee vorhanden sein.

    Auch der Begriff “Pipeline des Hasses”, der eine Analogie zur “Achse des Bösen” aufweist, unterstellt nicht notwendigerweise eine Verschwörung. Er lässt sich auch als eine geistige Verbundenheit im Hassen auslegen, die nicht zwingend ein Bündnischarakter haben muss.

  16. peeka sagt:

    Nun - in der Präsentation wird explizit von “Koalition” gesprochen, also wird der Bündnischarakter vorausgesetzt.
    Die Aneinanderreihung verschiedener Tatsachen innerhalb einer Präsentation sind wohl nicht zufällig gewählt. Einen Zusammenhang wird hergestellt zwischen Kriegen, an denen eine “islamische Beteiligung” konstatiert wird und an der Zuwanderung “unzähliger Moslems”. Es wird davon gesprochen, dass “radikale Moslems” die “islamische Weltherrschaft” anstreben.
    Es wird davon gesprochen, dass in drei Schritten “radikale Bewegungen des linken Flügels” sich mit dem “islamischen Fundamentalismus” verbünden und dann die ganze Welt mit Antisemitismus überziehen würden.

    Wer dies nicht als Verschwörungstheorie ansieht, der sollte sich dann doch noch einmal überlegen, wie er eigentlich regelmäßig die andere Seite beurteilt. Denn wenn das keine Verschwörungstheorie ist, dann ist Mahmud Ahmadinedschad auch kein Antisemit sondern der beste Freund Israels, der lediglich den Zionismus aus der Geschichte streichen möchte.
    Es hilft oftmals, die eigene rosarote Brille abzunehmen und mal die Begriffe einer solchen Präsentation im Kopf zu ersetzen. Danach fällt wohl auch die Beurteilung leichter.

    Mir ist es ziemlich gleich, auf welcher Seite einem Menschen das Augenlicht fehlt, aber man sollte sich zumindest darüber im klaren sein, wenn man die eigenen Maßstäbe nur an andere anlegt.

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