Moderate Mörder

08. März 2009, von Arvid Vormann

Schon vor zwei Jahren hat der “Problembär außer Rand und Band” Kurt Beck sie erschnüffelt: die moderaten Taliban. Nun endlich weiß man diese pfälzische Kreation auch in Washington zu würdigen:

President Obama declared in an interview that the United States was not winning the war in Afghanistan and opened the door to a reconciliation process in which the American military would reach out to moderate elements of the Taliban, much as it did with Sunni militias in Iraq.

Und wer erinnert sich schließlich nicht an George W. Bushs Annäherungsversuche an die “moderaten al-Qaida-Milizen”…
Nein, die Rethorik macht den Unterschied. Wer bereit ist, auf eine klare Unterscheidung zwischen Freund und Feind zu verzichten, gibt Terrain preis, das er noch gar nicht verloren hat und macht sich obendrein unglaubwürdig. Wie Hohn und Spott müssen den afghanischen Frauen die Worte aus Washington erscheinen. Die kluge und erfolgreiche Interessenpolitik von Petraeus im Irak gründete auf der Maxime der Bush-Regierung, Terroristen auch Terroristen zu nennen. Nur auf dieser Grundlage war der massenhafte Seitenwechsel der Stammesführer erst denkbar und möglich.

7 Antworten zu “Moderate Mörder”

  1. Thomas von der Osten-Sacken sagt:

    Mit den “moderaten” Taliban verhaelt es sich so: da man sie fuer sein Dialog-Konzept braucht, wurden sie erfunden, geistern nun durch die Medien und Politikeransprachen - nur gesehen oder gesprochen hat noch jemad mit ihnen, weil es sie bislang offenbar nicht gibt. Also werden sie beschworen und herbeigeredet, solange bis alle an ihre Existenz glauben.

  2. Haiduk sagt:

    Dieses Terrain hatte Obama schon vor seiner Wahl mit der Ankündigung seines Verhandlungskurses gegenüber Iran preisgegeben. Der Unterschied zwischen Taliban und iranischer Führung ist nur ein gradueller. Worauf Obama hinarbeitet ist ein formeller Friedensschluß mit der ganzen Welt, um dann mit einer Art kalten Krieg weiterzumachen. Der Theorie nach klingt das zwar gut, aber dieser Krieg kann nur dann kalt bleiben, wenn beide Seiten mitspielen. Außerdem ist nicht klar, womit die USA in diesem kalten Krieg wuchern wollen. Wenn Organisationen wie Human Rights Watch nun schon Studien herausbringen, in denen sie hierzulande geltende, demokratisch beschlossene Gesetze mit einer sich auf die Menschenrechte beziehenden Argumentation wissenschaftlich aushebeln, dann kann man sich ausrechnen, wie wenig Kampfeswillen die geistige Elite in den USA überhaupt hat.

  3. Hilfsbereite Waffen-SS « Die schwarze Pest sagt:

    [...] ähnlicher Weise kommentiert Vormann auf WADI unter der Überschrift “Moderate Mörder”: Wie Hohn und Spott müssen [...]

  4. Weblog Sicherheitspolitik sagt:

    Ich möchte mich Ihren Worten grundsätzlich anschließen. Die Idee, es gäbe “moderate Taliban”, ist irreführend.

    Die ganze Diskussion hat jedoch noch einige weitere Aspekte:
    http://weblog-sicherheitspolitik.info/2009/03/09/afghanistan-verhandlungen-mit-moderaten-taliban/

  5. Berliner Kindl sagt:

    Sagte das Mädchen,

    ich bin fast noch Jungfrau, nur moderat schwanger …

  6. Yael sagt:

    Nu, die Taliban haben schon harsch abgelehnt. Kein Wunder.

  7. Sagte das Mädchen: ich bin fast noch Jungfrau, nur moderat schwanger …* » Gegenstimme sagt:

    [...] * Kommentar von Berliner Kindl im Wadi-Blog-Beitrag “Moderate Mörder” [...]

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