Probleme und Lösungen

06. Januar 2009, von Thomas von der Osten-Sacken

Ständig zwingen einen deutsche Kommentatoren in ihrer friedensbewegten Empörung, die schlicht faktenresistent ist, sie daran zu erinnern, dass Kriege zweifelsohne für alle Beteiligten eine Katastrophe sind, aber häufig keineswegs ohne positive Folgen bleiben.

So postuliert heute Georg Baltissen in der TAZ ohne Wenn und Aber: „Kein Krieg hat den Nahen Osten bisher einer Lösung seiner Probleme näher gebracht. Israels Krieg gegen die Hamas im Gazastreifen wird da keine Ausnahme bilden.“

Zwar unterlässt es Baltissen zu erklären, welche Probleme er meint, aber gut. Die Probleme von ökonomischer Unterentwicklung, Diktaturen, Analpabetismus, Millionen verhetzter Jugendlichen, die einner Ideologie der Todesverherrlichung anhängen, Bevölkerungen, in denen über 60% unter 25 Jahre alt sind, Genderapartheit, fehlenden Institutionen – von einer Rule of Law ganz zu schweigen -, Trennung von Staat und Kirche etc. pp., die ich als die wirklichen Probleme des Nahen Ostens (minus Israel) ausmachen würde, hat keiner dieser Kriege gelöst. Eine weitgehende Stabilität zwischen den betroffenen Nachbarstaaten (minus Syrien und damit Libanon) sehr wohl.

Hier deshalb ein Blick auf zwei Nahostkriege und ihrer Folgen, wobei ich davon absehe, die Kriege von 1948 und 1967 groß zu erwähnen, die das Überleben bzw. die Existenz Israels sicherten, da dies im Sinne Baltissens sicher ja kein Problem des Nahen Ostens, sondern eher eine Ursache für die dortigen Probleme ist:

1973: Nach der „ehrenvollen Niederlage“ im Suez-Krieg ringt sich Ägypten zu einen Frieden mit Israel durch, der bis heute andauert. Zwischen Syrien und Israel wird in einem Waffenstillstand eine Grenzlinie festgelegt, die die UN sichert. Seitdem ist diese „Grenze“, nämlich der Golan ruhig.  

1991: Die Niederlage Saddam Husseins im Golfkrieg ist Initialzündung für das jordanisch-israelische Friedensabkommen, das bis heute anhält. Und seit 1991, als der Irak Scud-Raketen auf Israel abgeschossen hat, gab es keinen zwischenstaatlichen Krieg mehr unter Ländern des Nahen Ostens.

Ohne Kriege wäre es hierzu nie gekommen. Leider. Und leider, so wie es aussieht, werden erst weitere militärische Auseinandersetzungen dazu führen, dass auch andere Konflikte eine einigermaßen tragfähige Regelung finden, damit endlich die wirklichen Probleme der Menschen im Nahen Osten angegangen werden können.  Statt sich jetzt mit irgendwelchen Forderungen aus dem Fenster zu hängen, die alle samt und sonders nichts taugen, könnten sich die EU-Staaten anfangen, ein paar Gedanken zu machen, wie langfristig diese Probleme gelöst werden können. Das würde Jahrzehnte dauern und viel Energie kosten, Geld und Commitment. Viel mehr als eine sinnlose „Pendeldiplomatie“, die man betreibt, ohne auch nur einen halbwegs brauchbaren Vorschlag in der Tasche zu haben.

Hier ist abschließend eine recht nüchterne und lesenswerte Analyse des notorisch pessimistischen Martin Kramer, welche Probleme der Krieg gegen die Hamas lösen könnte und welche Gefahren er zugleich mit sich bringt.

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