Warnende Drohungen und blockierende Besatzer

30. Dezember 2008, von Thomas von der Osten-Sacken

Zweifelsohne muss in Kriegssituationen gewährleistet werden, dass verwundete Zivilisten, Obdachlose und andere Opfer der Auseinandersetzung schnell geholfen werden kann. Zweifelsohne stellt dies sich momentan im Gaza Streifen auch als äußerst schwieriges Unterfangen dar.

Erfreulich ist es deshalb, wenn Hilfsorganisationen wie medico zu Spenden für die Zivilisten aufrufen und die Lage vor Ort schildern, schließlich haben sie Ärzte und anderes Personal „on the ground“.

Aber warum müssen solche Dinge in einem Spendenaufruf stehen?:

Als Besatzungsmacht, die den Gazastreifen gegenwärtig kontrolliert, trägt Israel die Verantwortung für die durch seine Bombardements Verwundeten und muss ihnen den Zugang zu gesundheitlicher Versorgung in Krankenhäuser ermöglichen.

Würde Israel den Gazastreifen kontrollieren und wäre nicht 2005 abgezogen, dann bräuchte es wohl kaum die dort regierende Hamas aus der Luft bombardieren oder die Grenzübergänge zu blockieren. Gestern noch erklärte nämlich die selbe Organisation, man stehe  „der fortwährenden Weigerung der israelischen Regierung, die Blockade von Gaza aufzugeben, im höchsten Maße kritisch gegenüber.“

Um Zivilisten zu schonen, ruft das israelische Militär Bewohner des Gazastreifens an und warnt sie, ihre Häuser, sollten diese in der Nähe militärisch relevanter Ziele stehen, zu verlassen.

Daraus werden bei medico „Drohungen“:

Das israelische Militär bedroht Zivilisten
Viele Patienten haben die Ärzten für Menschenrechte – Israel in der letzten 24 Stunden telephonisch informiert, dass sie übernacht aufgezeichnete Drohungen per Telefon erhielten. Die erste aufgezeichnete Drohung forderte sie auf, ihre Häuser zu verlassen, da sie geplantermaßen bombardiert würden. Die zweite Drohung warnte davor, Militante zu unterstützen oder Waffen zu verstecken, da sie ansonsten bombardiert würden
.

Es gibt, das verrät der Text selbst, der die drohende Warnung erfindet, zwischen beidem einen Unterschied aufs Ganze. Aber wie klänge in diesen Kreisen der Satz: „Das israelische Militär warnt Zivilisten„? Nicht so richtig gut, wenn man Israel der „Verletzung des internationalen Menschenrechts“ anklagen will, eines Rechtes, das es nebenbei nicht gibt und vermutlich auch nie geben wird, sondern höchstens jene Genfer Konventionen, die festlegen, wie kriegsführende Parteien sich im Konfliktfall zu verhalten haben. Die sehen etwa vor  Zivilisten zu warnen, wenn sie sich in der Nähe militärischer Ziele aufhalten, also genau das, was, folgt man medico, die Israelis getan haben.

Niemand stellt in Zweifel, dass die humanitäre Lage in Gaza katastrophal ist und die Menschen dort medizinische Hilfe brauchen. Aber warum müssen Spendenaufrufe dann Formulierungen enthalten, wie diese?

2 Antworten zu “Warnende Drohungen und blockierende Besatzer”

  1. Bucaro sagt:

    Weil nur so die Leute auch Spendengelder rüberwachsen lassen, also die meisten… ist man auch nur einen Deut zu pro-Israel wird eben an die nächste Organisation gespendet!

  2. Zitate « abseits vom mainstream - heplev sagt:

    […] aus der Luft bombardieren oder die Grenzübergänge zu blockieren. Thomas von den Osten-Sacken, WadiNet-blog, 30.12.08 über die argumentativen Fehlgriffe von […]

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