Saudi Arabien und die syrische Opposition

23. Dezember 2015, von Administrator

Aus einem Gastbeitrag von Thomas v. der Osten-Sacken für MENA-Watch:

Wenn die Saudis heute als erklärte Gegner Assads auftreten, seinen Sturz fordern und verschiedene Rebellen- und Oppositionsgruppen unterstützen, dann sicher nicht, weil es ihnen um mehr Freiheit in Syrien geht. In ihren Augen hat das syrische Regime bloß den Fehler begangen, sich nach 2011 noch enger an den schiitisch-revolutionären Iran, seinen traditionellen regionalen Alliierten und zugleich Hauptfeind der sunnitischen saudischen Monarchie, anzulehnen. Dass Assad die Demonstrationen mit iranischer Hilfe niederkartätschen ließ, statt sich um Hilfe an seine arabischen Brüder am Golf zu wenden, war aus saudischer Sicht sein Kardinalfehler.

Denn auch Riad hat kein Interesse an einer erfolgreichen Transformation Syriens in einen freieren, pluraleren und demokratischeren Staat. Ganz im Gegenteil: Von Anfang an förderten und finanzierten die Saudis deshalb Gruppen, die eine dezidiert sunnitisch-islamistische Agenda verfolgten. Wenn schon Assad gestürzt werden muss – und eigentlich halten es die Saudis eben nicht mit Regime Change – dann wenigstens von einem Klientel, das Syrien eine Zukunft unter der Fahne des Propheten verspricht.

Ausgerechnet an Saudi-Arabien delegieren jetzt Europa und die USA die Organisation der syrischen Opposition für kommende Friedensverhandlungen mit dem Regime. Unwidersprochen einigte man sich auf den Syrien-Konferenzen im Wiener Hotel Imperial, an denen keine Syrer teilnahmen, dass in diesem Prozess die syrische Opposition fortan von Riad betreut und organisiert werden solle.

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