Ziel erreicht

28. Juni 2015, von Thomas von der Osten-Sacken

Ein IS- Anhänger spricht:

Was will der Islamische Staat mit so einem Anschlag in Tunesien bezwecken?
Sie wollen die tunesische Wirtschaft kaputt machen, die auf Tourismus basiert. Dann wird der Staat destabilisiert und sie können das Volk gewinnen.

Und sie haben Erfolg:

Nach dem verheerenden Anschlag auf Touristen in Port El Kantaoui verlassen Tausende Urlauber das Land. Bis Sonntag wollten britische Reiseveranstalter 2500 Touristen heimbringen, der belgische Anbieter Jetair sprach von 2000 Urlaubern. Der Reiseveranstalter Tui rechnet damit, dass insgesamt 250 deutsche Urlauber ihre Ferien dort abbrechen werden. „Bis zum Sonntagabend werden wir rund 200 Gäste ausgeflogen haben“, sagte ein Sprecher des Unternehmens an diesem Sonntag in Port el Kantaoui.

Bei den Einheimischen ist das Entsetzen groß. Viele Tunesier können es nicht fassen: Erst im März kamen bei einem Anschlag auf das Bardo-Nationalmuseum in Tunis 21 Touristen ums Leben. Am Freitag dann wurden 38 Menschen bei dem Hotel-Attentat in Port el Kantaoui getötet – die meisten davon Urlauber aus Großbritannien und anderen europäischen Ländern. Auch ein Deutscher zählt zu den Opfern. Dass nun zahlreiche Touristen das Land erst einmal meiden, verstehen viele Tunesier. Zugleich bangen Hotelangestellte, Händler und andere Abhängige um ihre Zukunft. „Das ist ein tödlicher Schlag für den Tourismus“, sagt Ali Soltani, Händler in der Altstadt von Sousse. „Das ist mehr als eine Katastrophe, es gibt nun für mehrere Jahre keine Hoffnung“, sagt er. Auch der Kupferschmied Kamel Ben Sadok zeigt sich pessimistisch. „Ich habe gar keine Lust mehr zu arbeiten“, sagt er. „Seit gestern fühlen wir uns wie Dummköpfe, die nichts tun können.“

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