“Platzhalter für Juden”

15. Dezember 2008, von Thomas von der Osten-Sacken

Marc Grimm hat sich dankenswerterweise die Müge gemacht ein Protokoll von den Beiträgen der Konferenz “Feindbild Jude - Feindbild Muslim” zu erstellen.

Und die Konferenz war offenbar so, wie schon im Vorfeld vermutet wurde.

Einige Kostproben:

Heute, so Attia, gäbe es eine moralische Tabuisierung des Antisemitismus. Allerdings wäre der Antisemitismus dadurch nicht verschwunden, er stelle sich nur anders dar: in Form des anti-muslimischen Rassismus. Muslimen werde die Schuld für alle Missstände in der Gesellschaft zugeschrieben. Muslime, so Attia, seien heute die Platzhalter für die Juden. Was gegen die Juden nicht mehr gesagt werden dürfe, wird heute gegen Muslime vorgebracht.

Wenn allerdings Muslime in Deutschland antisemitisch, also eigentlich antimuslimisch sind, dann haben sie dafür gute Gründe, allerdings keine Anknüpfungspunkte in der islamischen Tradition:

Seit Beginn der zweiten Intifada im Jahr 2000, seien antisemitische Stereotype unter muslimischen Migranten virulent. Dabei hat der Antisemitismus keine Anknüpfungspunkte an die islamische Tradition. Dass der Antisemitismus unter Muslimen in Europa mit politischen Ereignissen in Europa einhergehe, sei am besten mit Michael Kiefers Begriff der Islamisierung des Antisemitismus beschrieben. Die jugendlichen Täter seien dabei selbst Opfer von Diskriminierung.

Und:

Während aber der Antisemitismus der Muslime eine Reaktion auf reale Konflikte sei, hätte der Antisemitismus der Mehrheitsgesellschaft mit dem Verhalten realer Juden nichts zu tun.

Weil etwa Menschen, deren Eltern oder Großeltern aus Marokko, Indonesien oder der Türkei eingewandert sind, ununterbrochen reale Konflikte mit Juden erlebt haben, die sie zu Antisemiten werden lassen. Oder, falls dies ausnahmesweise nicht der Fall gewesen ist, dann beneiden sie die Integration der Juden in der deutschen Gesellschaft:

Als eines der Motive für den Antisemitismus unter Muslimen nannte Wetzel das Gefühl der Benachteiligung gegenüber den integrierten Juden. Dieser Neid schüre das Vorurteil. Dazu komme, dass die koloniale Erfahrung (der Eltern) öffentlich nicht so thematisiert werde wie der Holocaust.

Und schließlich erfahren wird, dass es legitime und illegitime Holocaustvergleiche gibt:

Schiffer beklagte, dass im Kontext der Debatte um Iran immer wieder von Vernichtungsdrohung en des Iran die Rede sei. Darin sah sie eine Relativierung des Holocaust. Offensichtlich aber, so Schiffer, gäbe es legitime und illegitime Nazivergleiche.

Denn wer über die Vernichtungsdrohungen des Iran gegenüber Israels redet, der relativiert den Holocaust. Und generell kritisierte Schiffer, “dass Antisemitismus immer mit dem Holocaust assoziiert werde, auch in der politischen Bildung  - statt mit Islmamophobie und kolonialen Erfahrungen, wie offenbar die Damen und Herren dieser Konferenz es künftig gerne hätten

 

Eine Antwort zu ““Platzhalter für Juden””

  1. Stoff für’s Hirn « abseits vom mainstream – heplev sagt:

    [...] allesamt ebenfalls den Knallcharten zuzurechnen.) - Die übrigen Redner der ZfA-Konferenz wollen nicht weniger irre sein als Wetzel; Marc Grimm berichtet ausführlich über die Inhalte der Knalltüten-Veranstaltung. [...]

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