Radikale Eskalation

17. November 2014, von Administrator

Aus einem Essay von Luis Liendo Espinoza zur Lage im Nahen Osten:

Die naive Idee mancher Experten, das ein schiitischer-sunnitischer regionaler Krieg im Interesse des Westens und Israels sei, weil deren schlimmsten Feinde sich gegenseitig umbringen würden, ist nur ein weiteres Beispiel des von Arendt konstatierten Verlustes der Urteilsfähigkeit der nicht-totalitären Gesellschaften am Vorabend Totaler Herrschaft. Gesellschaftliche Prozesse sind kein Summen-Spiel, schon gar nicht im Zustand totalitärer Eskalation. Das paradoxe Resultat dieses brutalen Krieges, der vollständigen Preisgabe der Region, war nämlich nicht die Schwächung der rivalisierenden totalitären Bewegungen, sondern allein deren Aufrüstung, Mobilisierung und Radikalisierung. Heute ist die Region fest im Griff mächtiger antizionistischer Regime und Bewegungen, welche sich in ihren Kriegen derart verfahren haben, dass jeder unbedachte Schritt eine weitere radikale Eskalation (mehr als 200.000 Tote, Krieg und Aufruhr in 4 Staaten) zur Folge haben kann. Mit dem ISIS und Assad hat diese Hydra das Stadium systematischen Massenmordes erreicht, womit ein weiterer Rubikon überschritten wurde, ohne, dass wir eine Ahnung hätten, wie diese Entwicklung zu stoppen sei.

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