Feindbild Vorurteilsforscher
07. Dezember 2008, von Arvid VormannWolfgang Benz und sein wissenschaftliches Institut verspielen zur Zeit den letzten Rest von Seriosität, indem sie sich angestrengt bemühen, Islamgläubige als Opfer darzustellen. Benz erhebt nun pauschale Vorwürfe gegen “die Medien”: “…es gibt seit einiger Zeit, wenn man Medien genau betrachtet, gibt es einen Unterton. Und genau das ist das, wogegen wir uns mit den Mitteln der Wissenschaft fragend aufstellen, einen Unterton, ob denn nicht alle Muslime, ob denn nicht die islamische Religion, allen Muslimen gebiete, gegen Ungläubige, gegen westliche Demokratie von Grund auf feindselig zu sein.”(1)
Das ist Quatsch mit Soße, die Benz natürlich in keiner Weise belegen kann, und so verweist er auf Nachfrage in einigermaßen wirren Stellungnahmen auf “Rechtsextreme” und “Neonazis”. Zudem führt er den Verschwörungstheoretiker und Muslimhasser Hans-Peter Raddatz an, den er fälschlicherweise als “selbsternannten” Islamwissenschaftler bezeichnet (Raddatz promovierte 1967 bei Otto Spies, dem Direktor des Orientalischen Seminars der Universität Bonn, Nachfolger von Rudi Paret). So müssen die schrillen Behauptungen von Neonazis und Raddatz dazu herhalten, “die Medien” zu geißeln für angebliche “pauschale Anfeindungen”. Dabei sieht Benz sich im Trend, und Affirmation wertet er als Bestätigung: “Sich mit Islamfeindschaft und Antisemitismus zu befassen, liegt im Mainstream der Forschung.”(2)
In welchem Verhältnis der Ex-Antisemitismus- und - in der Tat selbsternannte - Vorurteilsforscher zum Antisemitismus steht, lässt sich leicht an seiner Beteuerung ablesen, man betreibe keinen “Empathieentzug gegenüber der jüdischen Sache”, wenn man “auf das Wachsen eines bestimmten Vorurteils öffentlich aufmerksam” mache. Benz versteht mithin das Einstehen gegen Antisemitismus als Parteinahme für eine ominöse “jüdische Sache”, in deren Diensten er sich offenbar wider Willen wähnt, und ist der Auffassung, die Auseinandersetzung mit Antisemitismus diene den Interessen der Juden. Wer selbst in derlei Mythen verstrickt ist, der vermag gewiss keinen adäquaten Begriff vom Antisemitismus zu entwickeln. Wie das Amen in der Kirche offenbart sich denn auch das Ressentiment im Banalen. Wenn Benz schildert, was Feindbild Muslim und Feindbild Jude eine, dann ahnt man etwas von den intellektuellen Abgründen seiner Pseudo-Wissenschaft: “Ich definiere von der Mehrheit aus eine bestimmte Gruppe, stigmatisiere sie dann, dann kann ich sie ausgrenzen mit allen weiteren Erfolgen.”(1)
Gefragt, was der Vergleich bringe, antwortet Benz: “Uns geht es nicht um Vergleiche oder Gleichsetzung, sondern um die Ausgrenzung von Gruppen.”(2) Ungeachtet der unfreiwilligen Ironie dieses verunglückten Satzes, in dem sich wieder einmal Form und Inhalt Gute Nacht sagen, ließe sich zweierlei fragen: 1. Worin liegt die Botschaft des Titels “Feindbild Muslim - Feindbild Jude”, wenn dieser angeblich weder Vergleich noch Gleichsetzung vermitteln soll? 2. Hält das Zentrum für Antisemitismusforschung die Shoah für das Resultat einer “Ausgrenzung von Gruppen”? Doch vergeblich, einer adäquaten Antwort zu harren. Kritische Fragen werden mit der Opferpose quittiert. Absichtlich missverstanden werde er (1), und seine Kritiker verfolgten nur schmähliche “politische Absichten”(2). Schließlich gar, soweit geht die Projektion, legt er nahe, sie seien darauf aus, ihm den “Schädel einzuschlagen”(1).
(1)
“Ich bin völlig fassungslos”, Wolfgang Benz im Gespräch mit Joachim Scholl, D-Radio Kultur, 05.12.08
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/886682/
http://podcast-mp3.dradio.de/podcast/2008/12/05/drk_20081205_0909_915dca1b.mp3
(2)
“Muslime werden ausgegrenzt”, Tagesspiegel 07.12.08
http://www.tagesspiegel.de/politik/Islamfeindlichkeit;art771,2677852
07. Dezember 2008 um 23:45
Du bist vielleicht ein arme Wurst, dass du den Raddatz anführen musst… bah.
14. Dezember 2008 um 0:36
“Ich definiere von der Mehrheit aus eine bestimmte Gruppe, stigmatisiere sie dann, dann kann ich sie ausgrenzen mit allen weiteren Erfolgen.”
Beeindruckend, LOL, viele arme Würstchen unterwegs.
Der Vergleich Islamophobie/Antisemitismus ist in mehrfacher Hinsicht beleidigend.
15. Dezember 2008 um 20:58
Zwar hat Benz sich mit seinem Islamophobie/Antisemitismus-Vergleich ein dickes Ei ins Nest gelegt, das er nicht so schnell wieder loswerden wird, aber ihn deswegen nur mit Häme zu übergießen, ist einfach unfair. Der Mann hat mit seinem ZfA immerhin einiges geleistet.
06. April 2010 um 14:35
Man merkt leider, dass ihr euch nicht intensiv mit dem Thema befasst habt.
In der wissenschaftlichen Welt ist dieser Vergleich bei den meisten Autoren anerkannt. Belege für eine islamfeindliche Darstellung in der Presse gibt es unter anderem von Sabine Schiffer: Darstellung des Islam in der Presse, 2005 im Ergon Verlag
Weiterhin werden Vergleiche abgehandelt bei:
Thorsten gerald Schneiders (Hrsg.): Islamfeindlichkeit-Wenn die grenzen verschwimmen, 2009 im VS Verlag für Sozialwissenschaften
John Bunzl und Alexandra Senfft (Hrsg.): Zwischen Antisemitismus und Islamophobie-Vorurteile in Europa und Nahost(hier wird ein Vergleich unterschiedlich gehandhabt), 2008 im VSA-Verlag Hamburg
Und natürlich in den Werken, die vom Zentrum für Antisemitismusforschung herausgegeben werden:
Islamfeindschaft und ihr Kontext, Judenfeindschaft als Paradigma etc.
um nur ein paar wenige Beispiele aufzuzeigen.
Wäre schön, wenn ihr auch nur eins der Werke lesen könntet bevor ihr hier Stellung nehmt…