Kurdistan ist keine Einheit – im besten Sinne

23. September 2014, von Arvid Vormann

Im Osten Irakisch-Kurdistans hat alles seine Ordnung: Flüchtlinge sind im Flüchtlingslager (Arbat), und nirgendwo sonst, jedenfalls nicht offen sichtbar. Allerdings steigen die Mieten in Folge erhöhter Nachfrage durch Flüchtlinge, die sich das leisten können – auch von denen gibt es nicht wenige.

Aber warum kommen nicht mehr in die Region Suleimaniya, wo sie vielleicht bessere Bedingungen vorfänden als in Dohuk? Ein Grund, neben der weiteren Strecke, die zu bewältigen wäre, ist sicherlich, dass Kurdistan eben kein relativ homogenes (Proto-)Staatsgebilde ist, in dem es weitgehend unerheblich wäre, ob man beispielsweise in Hamburg oder Berlin unterkommt. Suleimaniya ist unbekanntes Ausland für die meisten aus der Gegend um Mosul, inklusive fremder Sprache, anderem sozialen Gefüge und ungewohnten Sitten und Gebräuchen.

Kurdistan ist keine Einheit, weder politisch noch kulturell. Und das muss gar nicht mal schlecht sein. Jedenfalls nötigt es doch einigen Respekt ab, wie man hier selbst im Angesicht des ISIS-Terrors nicht mit Messer zwischen den Zähnen in kollektive Mobilmachung und nationale Raserei verfällt, wie es für ein „Volk zwischen heiß ersehnter Unabhängigkeit und existenzieller Bedrohung“ zu erwarten wäre. Hier teert man, sofern es irgend geht, lieber Straßen und installiert Satellitenschüsseln.

Hinterlasse eine Antwort