Iran als Alliierter im War on Terror?

19. Juni 2014, von Administrator

Aus einem Artikel in der Jungle World von Thomas v. der Osten-Sacken über die Offensive von ISIS im Irak:

Was weiter droht, ist eigentlich klar: ein unkontrollierbarer Krieg zwischen Sunniten und Schiiten, angeheizt vom Iran auf der einen und den von Saudi-Arabien geführten Golfstaaten auf der anderen Seite. Die US-Regierung könnte sich wie in Syrien entscheiden, mehr oder weniger nichts zu tun und damit dem Iran das Feld im vermeintlichen Antiterrorkampf überlassen, den dieser zu gerne mit internationaler Rückendeckung im Irak und Syrien mit seinen Alliierten führen würde. Dann gerieten der Westirak und Ostsyrien endgültig zum Schlachtfeld eines innerislamischen Krieges, die Kurden nutzten die Gunst der Stunde, um sich vom Rest des Landes loszusagen, während Isis die Freiwilligen aus allen Ländern nur so zuströmten.

Halbherzige Luftschläge gegen Isis an der Seite der irakischen Regierung hätten fatalerweise dieselbe Wirkung: Ob gewollt oder nicht, die sunnitische Welt sähe die USA trotzdem im Bündnis mit dem verhassten Iran. Die einzig Alternative wäre, den Nahen Osten gemeinsam mit all jenen Akteuren, die für eine Zukunft ohne Kalifate, Theokratien und Diktaturen eintreten, langfristig zu verändern und zu befrieden, ohne dass die USA und Europa dafür weiter im Namen illusorischer Stabilität Diktatoren und Autokraten unterstützen. Das aber würde Geld kosten und langfristiges Engagement erfordern, vor allem gegen den Iran. Doch dessen Regierung wird fatalerweise gerade als Alliierte im Kampf gegen den Terrorismus umworben, wovor die israelische Regierung eindringlich warnt.

Solange Bagdad nicht auch in die Hände von Isis fällt und die kurdischen Gebiete ruhig bleiben, besteht aber durchaus die Möglichkeit, dass nach diesem Desaster im Irak wieder Kräfte erstarken, die für eine andere Zukunft stehen, als die, die Isis und schiitische Milizionäre anzubieten haben.

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