Intervention, Demokratie und Nichtintervention

17. Juni 2014, von Thomas von der Osten-Sacken

Richard Herzinger in einem Essay zur Lage im Nahen Osten:

Mag man den Interventionen im Irak und in Afghanistan berechtigterweise auch noch so viel Konzeptlosigkeit und Inkompetenz vorwerfen – das wahre Desaster sind nicht diese selbst, sondern ihr überstürzter Abbruch. Denn ohne bewaffnete Schutzmacht sind die Befriedungs- und Demokratisierungsansätze in dieser Region der entfesselten Gewalt jener Kräfte ausgeliefert, die in dem westlichen Rückzug nichts als das Eingeständnis der Niederlage und den Beweis für die ohnmächtige Schwäche des verhassten Westens sehen. Und nirgendwo weit und breit ist eine andere Macht als der Westen – und das heißt namentlich die USA – in Sicht, die diese Schutzfunktion ausüben könnte oder wollte. Merke: Wo sich der Westen in Nichteinmischung und Zurückhaltung übt, führt das zu nichts anderem, als dass sich alle anderen Mächte der Region rücksichtslos einmischen.

Wer angesichts der blutigen Katastrophen in Syrien und im Irak jetzt freilich eilfertig verkündet, Demokratisierung sei im Nahen Osten ohnehin von vorneherein eine Schnapsidee gewesen, da sie in dieser Region gleichsam genetisch ausgeschlossen sei, müsste von den 60% der afghanischen Wähler beschämt sein, die vor in paar Tagen trotz Terrordrohungen durch die Taliban zu den Wahlurnen geströmt sind, um ihren neuen Präsidenten zu wählen (man vergleiche das mit der Wahlbeteiligung bei der Europawahl…).

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