Hochnotpeinlich

14. November 2008, von Thomas von der Osten-Sacken

Haeufig schlimmer noch als die antisemitisch motivierte Tat selbst geraten in Deutschland die nachgereichten Entschuldigungen, wenn man dabei ertappt wurde. Und sie entlarven in der Regel die Tater nur ein zweites Mal.

Bibliotheken liessen sich fuellen mit hochnotpeinlichen Erklaerungen, warum man nicht gewollt habe, was geschehen ist, und nun sich drehend und wendend um jede Verurteilung drueckt, weil eigentlich die Tat ja doch nicht so schlecht war.

Neuestes Beispiel hierfuer sind jene demonstrierenden Schueler, die die Ausstellung „Jüdische Unternehmen in Berlin 1933-1945“ an der HU im Rahmen ihrer Proteste verwuesteten und sich dann, nach langen einleitenden und, in diesem Zusammenhang komplett ueberfluessigen, Worten ueber die herrschende Bildungsmisere, mehr notgedrungen als freiwillig, folgendermassen herauszureden versuchen:

Bei der Demonstration in Berlin kam es während der Zwischenkundgebung zu Zwischenfällen, bei denen einige wenige SchülerInnen eine Ausstellung im Eingangsbereich der Humboldt-Universität mit dem Titel „Verraten und Verkauft. Jüdische Unternehmen in Berlin 1933-1945“ beschädigten.

Es gehört zu den selbstverständlichen Grundsätzen der SchülerInnen-Initiative „Bildungsblockaden einreißen!“, dass wir Toleranz gegenüber Menschen mit anderen sexuellen Orientierungen, anderer oder ohne Religionszugehörigkeit, anderen Meinungen, anderen ethnischen Zugehörigkeiten und anderen Herkunftsländern für einen der wichtigsten Werte menschlichen Zusammenlebens halten. Homophobie, Xenophobie, Rassismus oder Antisemitismus sind damit absolut unvereinbar.

Sie haben richtig gelesen: Ein paar Tage nach dem 70ten Jahrestag der Reichpogromnacht wird eine Ausstellung ueber Juden im 3. Reich verwuestet und man babbelt ueber Toleranz, sexuelle Orientierung und aehnliches um im letzten Absatz, fast verschaemt, versteckt hinter Homophobie, Xenophobie und Rassismus, noch die Ablehnung des Antisemitismus zu nennen.

Dumm nur, dass im Zweifelsfall juedische Unternehmer in Berlin mehrheitlich weder schwul waren, noch aus anderen ethnischen Zusammenhaengen kamen, keine anderen Herkunftslaender vorzuweisen hatten, ja nicht einmal Auslaender waren, und einige sogar nicht einmal ueber eine andere Religionszugehoerigkeit verfuegten; kurz schlicht nicht in die Kategorie derer gefallen waeren, denen die Schueler erklaertermassen Toleranz entgegenzubringen sich verpflichtet haben …

Schliesslich richtete sich die Randale ja auch weder gegen Schwule, noch Auslaender. Im Gegenteil: ich wette mein Abitur, dass, haette  besagte Ausstellung Homophobie oder Xenophobie zum Sujet gehabt, kein bildungshungriger Schueler sie auch nur anzufassen gewagt haben wuerde.

5 Antworten zu “Hochnotpeinlich”

  1. Nothingman sagt:

    Hochnotpeinlich? Wohl eher pervers, in diesem Zusammenhang auch noch andere Minderheiten mit ins Spiel zu bringen. Minderheiten, die mit dieser ganzen Angelegenheit nun rein gar nichts zu tun haben. Aber dafür sind sie ja bekannt, diese „Aufrechten“. Ist ja nicht das erste x, dass sie wahllos ungefragte Minderheiten, Minderheiten die sich nicht mal dagegen wehren können, in ihre schäbigen Absichten mit einspannen. Die Schamlosigkeit dieser Leute kennt eben keine Grenzen. Wahrhaft würdige Nachfolger.

  2. » deutschland wütet kotzboy.com sagt:

    […] berichtet haben bereits u.a. idrawescapeplans, netzklempnerin, wadiblog, fenster nach draußen, gran, hedonistische mitte, bak shalom und sicher noch viele […]

  3. classless Kulla sagt:

    Die Sache im HU-Foyer…

    Ich habe den Stand der Dinge bezüglich der Beschädigung der Ausstellung über jüdische Unternehmen in der Nazizeit durch die HU-Besetzer für die Drink-soaked Trotskyite Popinjays for War zusammengefaßt: Mere accident or targeted attack on Jewish e…

  4. NPD-BLOG.INFO » HU und die Jüdische Gemeinde laden zur Podiumsdiskussion Wiedereröffnung der zerstörten Ausstellung sagt:

    […] Dummheit verantwortlich machen. Lizas Welt berichtet: Am Ende stand eine Erklärung, die alles nur noch schlimmer machte: Bei den Verwüstungen, die mehrere hundert Schülerinnen und Schüler am vergangenen Mittwoch in […]

  5. Schooligans für Bildung & Frieden - BDS News, Letters from our Readers - SPME Scholars for Peace in the Middle East sagt:

    […] {{url}} (via @[ScholarsForPeace])" } } TweetAm Ende stand eine Erklärung, die alles nur noch schlimmer machte: Bei den Verwüstungen, die mehrere hundert Schülerinnen und Schüler am vergangenen Mittwoch in […]

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