Wikipedia postkolonial

27. Oktober 2008, von Arvid Vormann

Nun findet sich der übelkeitserregende Jargon der Genderkompetenten vom „Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien“ der HU schon in Wikipedia. Unter „Beschneidung weiblicher Genitalien“ (siehe insbes. 8.2.3) erfahren wir, dass die meisten Betroffenen Verstümmelung voll geil finden. Ganz frei nach dem Motto:

Auch wenn ich mir beide Arme abhacke, heisst das nicht, dass ich keine Kekse mehr essen kann. Vom Entfernen der Arme wird auf eine zwangsläufige Verringerung der Greiffähigkeit geschlossen. Dem lässt sich entgegenhalten, dass auch im Westen das Entfernen der Nagelhaut und Kürzen der Fingernägel inzwischen üblich ist. Die Übertragung der westlichen Arm-Fixiertheit ist nicht ohne weiteres möglich. Somit sind auch Studien nachvollziehbar, die keinerlei negativen Einfluss auf das Greifen feststellten: Der Befund, dass Menschen ohne Arme gegenüber Menschen mit Armen keine Einbußen haben, überwiegt. So gaben in einem strukturierten Interview 91% der Armlosen an, gern Kekse zu essen.

11 Antworten zu “Wikipedia postkolonial”

  1. ZDragon sagt:

    Als einer der Hauptautoren jenes Wikipedia-Artikels muss ich deine Kritik entschieden zurückweisen. Komm mal von deiner emotionalen Schiene runter und lies noch einmal genau, was da steht. Deine hier geäußerte, polemische Kritik ist nämlich wirklich nicht gerechtfertigt. Denn ich darf auf die Schamlippenplastik verweisen. Stell dir vor, sogar in unseren westlichen Gefilden lassen sich (mehr und mehr) Frauen FREIWILLIG an ihren Schamlippen und der Klitorisvorhaut rumschnippeln! Verstümmelt sie das?

    Mit etwas anatomischer Ahnung oder wenn du den Artikel ganz gelesen hättest, wüsstest du auch, dass die Klitoris beispielsweise nie entfernt wird, sondern nur ihr äußerer Teil. Sicherlich kann man darüber streiten, ob das die Lust mildert – aber erstens wird das eben nicht bei allen Formen von FGM gemacht sondern bei einem Minimum der Eingriffe (sieh wieder Artikel!) und zweitens ist der innere Teil der klitoris weit größer und kann noch immer stimuliert werden.

    Den Vergleich mit „Arm abhacken“ zu ziehen ist daher wirklich grundlegend falsch. Ich hoffe, so viel siehst du auch ein.

    Überdies: wenn du den Artikel so nicht okay findest, bist du wie jeder andere Mensch auf Erden herzlich dazu eingeladen, dich bei Wikipedia anzumelden und zu helfen, den Artikel zu verbessern. Natürlich setzt das Eigeninitiative und wissenschaftliche Arbeit voraus. Dieselbe Arbeit, mit der wir den Artikel erstellt und die entsprechenden (auch die von dir kritisierten) Passagen mit Einzelbelegen aus der wissenschaftlichen Literatur versehen haben.

    Ja, sowas nennt sich wissenschaftliche Arbeit. So ein Eintrag wie in dem Blog hier? Das nennt sich persönlicher Kommentar. Dreimal darfst du raten, was davon auf Wikipedia stehen sollte.

  2. daniel sagt:

    interessante interpretation, ZDragon. Wenn eine Frau sich aus ästhetischen oder gesundheitlichen oder anderen gründen von einem arzt an der vagina herumschnippeln lässt, ist das also das gleiche, wie wenn kleinen mädchen zwangsweise , ohne sie zu fragen und teils unter furchtbaren hygienischen bedingungen ein teil der klitoris abgetrennt wird. so kann mans auch sehen.

    Zum thema „wissenschaftlichkeit“: Eine behauptung wird noch lange nicht dadurch wahr, dass man zum beleg ein buch angibt, dessen autor einen „Dr.“ vor dem Namen stehen hat.

  3. ZDragon sagt:

    Interessante Interpretation von deiner Seite, würde ich sagen. Denn das habe ich einfach nicht geschrieben. Ich habe lediglich einen Kommentar zu dem vorliegenden Blogpost geschrieben und der bestritt, dass Frauen es „geil finden“ können, sich an ihren Genitalien herumschneiden zu lassen. Das habe ich widerlegt.

    Wie kommst du dazu, dass ich damit irgendwas mit kleinen Mädchen vergleichen will? Dass vor allem kleine Mädchen beschnitten werden und das eine enorm schmerzhafte und schlimme Erfahrung ist, steht so auch im Artikel und wird nie angezweifelt. Schau dir doch mal alleine das Artikelintro an.

    Und „Wissenschaftlichkeit“ und „Wahrheit“ müssen natürlich nicht dasselbe sein. Hat auch nie jemand behauptet. Aber wenn du meinst, dass eine Quelle nicht wissenschaftlich ist, dann besorg‘ sie dir in der Bibliothek deines Vertrauens, arbeite sie durch und stelle abschließend dar, wieso es nicht wissenschaftlich ist. Was wissenschaftlich ist, lässt sich ja an der Methodik erkennen. Für Wikipedia-Artikel gilt aber immer, dass derjenige in der Bringpflicht ist, der Änderungen am Artikel vornehmen will. Wenn du die Gültigkeit einer Quelle anzweifelst, so ist es überhaupt kein Problem, den Artikel dann zu verändern!

    Angemerkt sei aber, dass es eben auch in der Wissenschaft kontroverse Themen gibt. Als Wikipedia-Autor soll man nicht eine Vorentscheidung übernehmen, was richtig ist und was nicht. Es geht ja um eine Enzyklopädie, und die stellt nun mal möglichst alle Seiten gleichwertig (das heißt: ohne Wertung und neutral!) dar. Und das wird denke ich in dem vorliegenden Artikel getan.

    Sich nur hinzustellen und zu sagen „ist schlecht“, naja komm, das ist noch viel weniger wissenschaftlich.

  4. daniel sagt:

    Ok gut, das war vllt ein bisschen hart dargestellt von mir, du hast FGM nicht mit freiwilligen eingriffen gleichgesetzt, aber dennoch finde ich die intention deiner anmerkung sehr problematisch. Wenn es um FGM geht, macht es meiner meinung nach absolut keinen sinn, darauf hinzuweisen, dass es auch frauen gibt, die ähnliches unter komplett anderen bedingungen freiwillig tun, sondern das FGM ein furchtbares verbrechen ist, gegen das man vorgehen muss.

    Das bei wikipedia auch verschiedene meinungen dargestellt werden, weiß ich, unddaher finde ich es auch sehr problematisch. es wird bekanntermaßen immer wieder von irgendwelchen leuten genutzt, um dort allerlei widerliche dinge zu schreiben, z.B. antisemtische, geschichtsrevisionistische und sonstige artikel, die dnan von den anderen wikipedia-autoren als „diskussionswürdige positionen“ bezeichnet werden, über die man – wie es so schön heißt – dialog führen kann. Ich aber habe eine meinung zu bestimmten dingen. Daher lese ich eben lieber den wadi-blog als wikipedia, denn dort ist man nicht der meinung, das man über FGM dialog führen kann, sondern dass man FGM bekämpfen muss.

    Und eins noch, ich will dir nicht vorwerfen, FGM zu verharmlosen, aber ich finde es, wie oben gesagt, dann doch merkwürdig, dass du darauf verweisen willst, es gäbe so was ähnliches ja auch freiwillig. was hat denn das mit genitalverstümmelung zu tun?

  5. ZDragon sagt:

    Es ist ganz einfach: viele Anti-FGC-Organistationen sprechen davon, dass das Lustempfinden der Frauen generell herabgesetzt wird. Das stimmt aber eben so nicht. Und Wikipedia darf solche Dinge durchaus klarstellen. Hätten Anti-FGC-Organistationen solche Argumente nie vorgebracht, würden wir da vielleicht auch nix zu sagen.

    Meine persönliche Ansicht ist tatsächlich, dass erwachsene Frauen entscheiden dürfen sollten, ob und wie sie sich ihre Genitalien beschneiden lassen. Das sehe ich bei der männlichen Zirkumzision übrigens auch so (ja, und bevor du aufschreist, natürlich ist die Zirkumzision was ganz anderes – hier geht es aber um das Prinzip, das falsch ist: Kindern sollte man nicht am Körper herumschnippeln dürfen, solange das nicht medizinisch notwendig ist!). Ich finde es genauso eine Schweinerei wenn Kinder dazu gezwungen werden wie ich es eine Schweinerei finde, wenn in Amerika wie im Artikel beschrieben ein Krankenhaus keine rein rituelle Beschneidung für erwachsene Frauen mehr anbieten darf, nur weil es eben ein kulturelles Ritual ist und kein Schönheitswunsch. Das ist eine Doppelmoral.

    Es ist dein gutes Recht, dass du diesen Blog lieber liest als Wikipedia. Der Fokus ist ja ein ganz anderer. Nur sollte man von einem Artikel, der eben möglichst wissenschaftlich und neutral gehalten sein muss, bei einem so dramatischen Thema nicht erwarten, dass er dann zur Bekämpfung von FGC aufruft. Das ist eben nicht sein Fokus, so evident es für dich auch erscheinen mag, dass man als vernünftig denkender Mensch auf jeden Fall gegen FGC sein muss.

    Ich kann dir gleichzeitig garantieren, dass ich die meisten Änderungen an dem Artikel überwache, schon seit über einem Jahr, und extremistische Einflüsse natürlich nicht darin sehen will. Ich finde es nur extrem ungerecht, hier tatsächlich in eine Kategorie „Deppen“ gesteckt zu werden, nur weil man einen Artikel mit einem anderen Fokus schreibt und irgendjemandem hier das nicht scharf/verurteilend genug ist. Wikipedia ist aber nicht zur Verurteilung da, sondern der Neutralität verpflichtet.

  6. Arvid Vormann sagt:

    So ist es leider mit den Postkolonialen und ihrem obsessiven Hadern mit dem „Westen“ und irgendwelchen „Dekadenzerscheinungen“: Da tritt dann genau jener ignorante Eurozentrismus ganz ungeniert zu Tage, welchen sie selbst sonst immer und überall erblicken.

    „Denn ich darf auf die Schamlippenplastik verweisen.“ Aber gern, das ist amüsant. „Schamlippenplastik“. Wollen wir mal versuchen, das einem der ca. 8000 pro Tag zwangsverstümmelten Kleinkinder zu erklären?

    Aber wahrscheinlich kann das nur verstehen, wer ebenfalls auf dem hohen Ross der „Wissenschaftlichkeit“ sitzt, unter deren geschwurbelten Mäntelchen sich noch der reaktionärste Scheißdreck verkaufen lässt. Quod erat demonstrandum.

  7. ZDragon sagt:

    Arvid, du demonstrierst hier auf tolle Weise, dass du meine Beiträge hier nicht gelesen hast. Was du tust ist, auf rein emotionaler Ebene zu reden und auf Basis dessen kann man keine Diskussion führen. daniel hat denke ich verstanden, was ich aussagen wollte. Zumindest höre ich da irgendwie heraus, dass er meine Beiträge auch gelesen hat. Bei dir tue ich das leider nicht :(

    Wenn du nur in dritter Person von mir redest, so sehe ich das jedenfalls als klares Anzeichen, dass du einen Dialog hier nicht einmal wünschst, sondern lieber auf deinen einseitigen Ansichten beharrst und mit so Sachen wie „Wollen wir mal versuchen, das einem der zwangsverstümmelten Kleinkinder zu erklären“ daherkommst. Hier schändest DU meiner Meinung nach die Opfer, weil du sie zum reinen Mittel für dein emotional aufgeladenes Statement missbrauchst. Diese Kinder haben etwas besseres verdient als von dir missbraucht zu werden, um mich zu denunzieren, als ob ich Pro-FGC wäre. Die hätten mal drei Zeilen weit gelesen, wo auch ich den Eingriff an Kindern vehement verurteile. Das hast du offenbar NICHT getan.

  8. daniel sagt:

    Hallo ZDRagon,

    sag mal, jetzt bestätigst du aber das was ich dir eigtl. nicht unterstellen wollte. Meinst du ERNSTHAFT, das es gleich schlimm ist, wenn ein amerikanisches krankenhaus keine beschneidung aus kulturellen gründen erlaubt und wenn kleine kinder beschnitten werden? vertrittst du tatsächlich die position, diese beiden sachen seien gleich schlimm? bitte, korrigiere mich, wenn ich das falsch verstanden habe, ich will doch wikrlich schwer hoffen, das es sich da nur um eine unglücklich gewählte formulierung von dir handelt und du das nicht wirklich so meinst…

  9. ZDragon sagt:

    Natürlich habe ich das nicht gemeint. Ich finde nicht beides gleich schlimm, aber ich finde beides schlimm und negativ und wenn jemand von mir ein persönliches Statement zu dem Thema haben will, dann werde ich auch in Zukunft beides erwähnen. Ich muss dazu sagen, dass ich mich besonders aus soziologischer Seite mit dem Problem befasst habe und es dort wirklich einige durchaus wissenschaftliche Untersuchungen zu dem Thema gibt, welche die starke Stigmatisierung in den europäischen und amerikanischen Medien kritisch sieht. Einflüsse gibt es sicherlich auch im Artikel. Dabei wird aber niemals die Praxis selbst heruntergespielt!

    Aber es ist nichts falsch daran, sondern im Gegenteil sogar in hohem Maße neutral, wenn man beide Dinge sagt. Dass sowohl die Praktik schlimm ist und auch, dass manche Reaktionen darauf von unserer Seite schlimm sind. Weil es eben nicht nur so ist, dass wir die Guten sind, die den Barbaren in Afrika die Erleuchtung bringen oder sowas – ja, genau so wurde das in vielen Medien dargestellt, vollkommen ohne Selbstreflexion.

    Hast du ein Problem damit, dass man im Artikel auch das amerikanische Krankenhaus kritisiert? Findest du die Kritik nicht gerechtfertigt?

  10. daniel sagt:

    ZDragon,

    Nun, du drückst dich eben unklar aus. Oben sagst du zwar, du findest FGm eindeutig schlimmer als die tatsache das manche US-krankenhäuser keine operation anbieten, später redest du wieder so, als seien das aben beides 2 gelcihwertige schlechte dinge. Ich sage nicht, dass man nicht beides kritisieren darf, man kann natürlich auch die amerikansichen krankenhäuser erwähnen, aber dann soll man doch bitte darauf hinweisen, dass das nicht einmal annähernd so schlimm ist wie FGM, und das ist meiner meinung nach noch milde ausgedrückt. Wie cih schonmal gesagt habe, meiner meinung anch ist hier nun einmal keine neutralität gefragt.

    Und was soll denn bitte das mit dem

    „dass wir die Guten sind, die den Barbaren in Afrika die Erleuchtung
    bringen oder sowas “

    ja klar, hat ja schließlich auch niemand behauptet, also was soll das? FGM ist natüprlich nicht aus „westlicher“ , sondern aus menschlicher sicht eine furchtbare sache.

  11. Jengre6454 sagt:

    ZDragon,
    bei aller meist durchaus differenzierten, manchmal aber auch überheblichen Argumentation von Deiner Seite bleibt immer wieder die Frage übrig, was eigentlich Dein Anliegen ist. FGM ist aus Deiner Sicht zu verurteilen; zu denjenigen, die lieber die Praxis fortfahren lassen, als ins Visier der Großen Weißen Verteidiger außereuropäischer Kulturen in den Peer Groups der einschlägigen Fakultäten zu geraten, willst Du auch nicht gehören, aber doch investierst Du Zeit, um hier und in der Wikipedia zu relativieren, zu relativieren, zu relativieren. Wenn es Dir nur um das Prinzip der Ausgewogenheit geht, gibt es doch sicher noch andere schöne Betätigungsfelder, wo der Schaden, den Du anrichtest, geringer ist. Oder welchen objektiven Nutzen glaubst Du zu stiften? Kläre diese Fragen bitte für Dich; so unterdrückst Du deine Neigung zu reflexhaften Antworten. Ich suche dieses Forum nicht wieder auf und werde Deine Stellungnahme daher nicht lesen.

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