Ägyptens Männer verzweifeln am Nein ihrer Frauen

11. Januar 2014, von aus dem Netz

Birgit Svenson berichtet aus Ägypten über die Folgen des „arabischen Frühlings“:

Zweifellos hat der „arabische Frühling“ das Leben der Menschen am Nil verändert. Wie auch immer die Revolution ausgehen mag, in welche Richtung sich das Land entwickeln wird, eines ist sicher: Ägypten wird nie wieder so sein wie vor dem 25. Januar 2011. Der Aufstand gegen die Staatsmacht hat eine eigene Dynamik entwickelt. Er hat dazu geführt, dass die 83 Millionen Ägypter zu politisch erwachsenen Menschen wurden, die eine angemessene Teilhabe am politischen Geschehen und der Entwicklung der Gesellschaft einfordern. (…)

Ägypten ist das Land in der arabischen Welt mit den schlechtesten Lebensbedingungen für Frauen, das ergab eine Mitte November veröffentlichte Studie der britischen Thomson Reuters Stiftung. Sie hat untersuchen lassen, welche Rechte Frauen in islamisch geprägten Staaten haben und welchen Gefahren sie in ihren jeweiligen Heimatländern ausgesetzt sind. (…)

Doch während die Frauen sich die Schmach jahrelang nahezu unkritisch gefallen ließen, begehren sie jetzt auf, sagt die Mutter dreier Kinder. „Die Frauen werden lauter und prangern die Missstände öffentlich an.“ In den Familien liefen heftige Diskussionen ab. „Immer mehr Frauen entziehen sich ihren Ehemännern“, erfährt die Frauenrechtlerin. Das führe dazu, dass immer mehr Frauen alleine leben.

Das sei früher undenkbar gewesen in Ägypten. Eine allein lebende Frau sei gesellschaftlich geächtet worden. Zwar hätten sich diese familiären Auseinandersetzungen noch nicht in höheren Scheidungsraten niedergeschlagen, aber das sei nur eine Frage der Zeit, meint Abol Komsan. „Die Revolution hat die Frauen tapferer werden lassen.“ Aus den Gesprächen in ihren Sprechstunden weiß die Anwältin, dass für Männer über 40 Jahre eine Scheidung heutzutage eine echte Krise bedeutet. Während die Frauen in der Zwischenzeit wählerischer geworden seien, hielten die Männer noch an ihrem alten Status fest.

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