Weibliche Genitalverstümmelung im Diskurs

26. Oktober 2013, von Arvid Vormann

Geht es um Genitalverstümmelung, mag man in manchen Expertenkreisen die Islam-Auslegung und Sunnah-Exegese nicht länger den Gläubigen und Religionsgelehrten überlassen:

Menschen, die annehmen, dass die weibliche Beschneidung zur Sunna des Propheten gehört, verweisen auf einen Ausspruch Mohammeds, der einer Beschneiderin zwar erlaubt die Praktik weiterhin anzuwenden, aber sie anweist nur wenig wegzuoperieren. Es lässt sich kaum eine ausdrückliche Befürwortung der Praxis durch den Propheten aus diesen Worten ableiten.

Doch, es lässt sich, ganz prima sogar. Aber die Realität vor Ort schert Anna Kölling, die auch ein Buch zum Thema mit dem bezeichnenden Titel „Weibliche Genitalverstümmelung im Diskurs“ verfasst hat, offenkundig wenig. Was zählt, ist der Diskurs. Der füllt sich alsdann mit dem Lieblingsnarrativ deutscher Orientalisten, Kulturrelativisten und Islamisten: Der Islam ist rein, die Menschen kennen oder befolgen ihn nur nicht richtig, und außerdem ist der Westen auch nicht besser.

Die Tatsache, dass weibliche Genitalverstümmelung in der westlichen Welt praktiziert wurde und ebenso unter koptischen Christen in Ägypten verbreitet ist, spricht gegen die Behauptung eines rein islamischen Ursprungs der Praxis.

Ich meine, wir sollten dringend mal nachprüfen, ob die offenkundig sehr erfolgreichen Konzepte zur Bekämpfung von Genitalverstümmelung in Deutschland nicht auch auf heute betroffene Länder anwendbar sind. Spaß beiseite, die Autorin ist nämlich dem wahren Ursprung von FGM dicht auf der Spur:

Ägyptische Aktivistinnen und Wissenschaftlerinnen sehen den eigentlichen Grund für die Verstümmelung weiblicher Genitalien im Wunsch nach der Kontrolle weiblicher Sexualität.

Diese Binsenweisheit wird immer wieder dann vorgebracht, wenn man vom Islam nicht sprechen mag. Es wird ein Widerspruch konstruiert, der keineswegs der Sache geschuldet ist. Worin schließlich sonst liegt die systematische Diskriminierung der Frau nach islamischem Recht begründet, wenn nicht „im Wunsch nach der Kontrolle weiblicher Sexualität“?

Ähnlich fruchtlos (zumindest im nahöstlichen Raum) sind Spekulationen, ob Genitalverstümmelung eher religiösen oder eher kulturellen Normen folge, wenn die Befragten den Unterschied nicht zu sagen wissen. Wird als weitere Alternative nach sozialem Druck gefragt, ist die Konfusion perfekt, denn alles ist durchaus zutreffend. Religion ist Kultur ist sozialer Druck ist Wunsch nach der Kontrolle weiblicher Sexualität. Und vice versa.

Es kann aber nicht sein, was nicht sein darf, also mault die Expertin ex cathedra:

Die Tatsache, dass der erfüllten Sexualität von Frau und Mann im Islam größte Wichtigkeit beigemessen wird, widerspricht der Annahme, dass es sich bei der weiblichen Genitalverstümmelung um eine religiöse Tradition handelt.

2 Antworten zu “Weibliche Genitalverstümmelung im Diskurs”

  1. mohr sagt:

    ich lehne die beschneidung von frauen und männern ab .

  2. Ugg Kensington Toast Size sagt:

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