Tiefer gelegt

24. September 2008, von Thomas von der Osten-Sacken

Der Herrn Leo Sucharewicz wäre  ein wirklich talentierter Verkaufsagent und verfügte bestimmt über die Fähigkeit dem Tuikonzern aus der Krise zu helfen. Statt aber mit flotten Sprüchen mediterrane Beachressorts an den Mann bzw. die Frau zu bringen, hat Herr Sucharewicz sich entschieden, seine Fähigkeiten ganz in den Dienst Israels zu stellen, und einen eingetragenen Verein namens “I like Israel” gegründet.

Der Name, der so kligt, als handele es sich bei dem jüdischen Staat um irgend ein Produkt, das auf dem verstopften Werbemarkt an den Mann zu bringen sei, ist Programm: Wöchentlich erhält man von dem Verein sogenannte Ili-News, die unter anderem über neueste technologische Errungenschaften und die Geburtenrate in Israel informieren. Das ganze soll dann ein “Think Tank für Pro Israel Organisationen” sein. 

Da das jüdische Neujahrsfet naht, gratuliert ILI schon einmal allen, die Israel auch liken, in unnachahmlicher Form:

Happy New Year 5769. Was für ein gesegnetes Alter  hat das Judentum erreicht, auch wenn es nicht immer „gesegnet“ war. Abenteuerlich ist die   jüdische Geschichte auf jeden Fall. Sie beinhaltet Siege und Niederlagen, Erfolge und Verfolgungen, beispiellose Errungenschaften für die Welt  -nicht immer mit Dankbarkeit belohnt.

Das sind in etwa Formulierungen, die auch der Praktikant einer mittelständischen Firma aus der Provinz, sich aus dem Internet zusammenklauben würde, um in seiner Lokalzeitung eine Anzeige zum fünfjährigen Bestehen der Wäscherei oder des Pizzaauslieferungsdienstes zu schalten, um dann fortzufahren, im neuen Jahr wünsche man sich ganz viele neue Pizzaesser.

Mit ähnlicher Cleverness formuliert angesichts des “gesegneten Alters“, das das Judentum nun erreicht habe, Leo Sucharewicz seine Wünsche fürs neue Jahr:

Was bringt das neue Jahr? Niemand weiß es. Was soll es bringen? Hier ein paar Vorschläge:

 Mehr Verstand für die Medien, die Israel mit libidinöser Lust kritisieren, sich am  völlig falschen Adressaten festbeißen und seltsame  Symptome  der  Selbstaufgabe  und Erodierung der
wichtigsten europäischen Werte zeigen.  

Mehr Sanktionen gegen Iran, um die Eskalation zu verhindern, auf die Irans irrer Präsident Ahmadinedschad hinarbeitet.

Wünschte man sich, bevor ILI die Bühne betrat, zu Neujahr noch Frieden, Glück, wahlweise vielleicht auch das baldige Kommen des Messias, oder anderes in marketingkonformer Sprache unausdrückliches, wird’s im Jahr 5796 etwas tiefer gelegt. Nicht etwa ein Ende der Diktatur im Iran und Freiheit für die Menschen dort, Frieden und Wohlstand im Nahen Osten und damit vor allem auch in Israel, nein ein paar Sanktionen wünschen wir uns vom neuen Jahr und dass in den Medien mindestens fortan so viel Verstand sei, wie im Vorstand von ILI.

 

 

  

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