Lob aus berufenem Munde

27. August 2008, von Thomas von der Osten-Sacken

Eine Presseerklärung:

Es ist heuchlerisch, daß die westlichen Länder jetzt zu einer Instrumentalisierung des Völkerrechts greifen und auf das Prinzip der territorialen Integrität Georgiens pochen. Hat der Westen dieses Prinzip nicht selbst als erster im Kosovo ausgehebelt und damit einen Präzedenzfall geschaffen, auf den die Russen sich nun zurecht berufen? Außerdem sieht auch das Völkerrecht Autonomiebefugnisse für ethnische Minderheiten vor, die Georgien den Abchasen und Osseten verweigert. (…)

Einer von den wenigen Politikern, die derzeit in Deutschland einen kühlen Kopf bewahren, scheint der Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder zu sein. Man fragt sich, warum sich Medien und Politik nun wutentbrannt auf ihn stürzen, wo er doch nur das ausspricht, was alle doch im Innersten wissen.

Hat Schröder etwa nicht recht, wenn er feststellt, daß das auslösende Moment der jetzigen Kampfhandlungen im Kaukasus der Einmarsch der Georgier in Südossetien gewesen ist? Hat er etwa nicht recht, wenn er Georgiens Präsident Micheil Saakaschwili Hasardeur nennt?

Diesmal sind es weder Politiker der PDS, noch die Junge Welt, die zwar genau so klingen, sondern die nationalen Genossen von der  NPD, die sich solcherart für Mütterchen Russland erwärmen:

Wir freuen uns, daß der Altkanzler momentan auf NPD-Kurs ist. Die NPD teilt seine Auffassungen in Bezug auf die Kaukasus-Krise und fordert Medien und Politik auf, die antirussische Hetze endlich zu stoppen und nicht weiter am Eskalationsrad zu drehen.

Nach Auffassung der NPD ist nach der Auflösung des Warschauer Paktes auch die Auflösung der NATO überfällig. Deutschland sollte nicht dem us-amerikanischen Imperialismus dienen und aus der NATO austreten.

Denn wenn’s um Eurasien geht, dann vergessen sie alles sie sonst trennende, die Russophilen, Nationalbolschewisten und Mitglieder im Aufsichtsrat von Gazprom.

5 Antworten zu “Lob aus berufenem Munde”

  1. Hansi sagt:

    Eine Frage an den Autor: was sind Nationalbolschewisten? Der Begriff ist nicht aktuell sondern ist lediglich in der Weimarer Republik anzusiedeln!
    Sollen hier wieder rechts und links gleichgesetzt werden?

  2. Thomas von der Osten-Sacken sagt:

    Wenn für Sie die NPD rechts ist, die Junge Welt und Schröder links, nun dann finden sich hier gewisse Übereinstimmungen in der Positionierung und Kommentierung.
    Sicher stammt der Begriff “Nationalbolschewismus” aus der Weimarer Republik, trifft heute aber durchaus auf Versuche solcher Linker und Rechter zu, eine Front aufzubauen, die das Vereinende und nicht das sie Tennende betont. Da der eurasische Gedanke dabei eine ebenso wichtige Rolle spielt, wie ein antiwestlicher national orientierter Antikapitalismus, halte ich den Begriff für durchaus angebracht - deskriptiv verwendet und in nicht polemischer Absicht.

  3. heplev sagt:

    Michael Totten hat mal ein paar Dinge zum Beginn des Georgienkrieges in Erfahrung gebracht:
    http://www.michaeltotten.com/archives/2008/08/the-truth-about-1.php.htm

  4. Dietmar Näher (2) « Dietmarnaeher’s Weblog sagt:

    [...] Antwort auf das NMD in Polen und Tschechien Atomraketen auf Europa ausrichtet, erhoffen so einige rot-braune Friedensfreunde eine Renaissance des sowjetischen Unrechtssystems - nach dem imperialistischen Gebaren Moskaus in [...]

  5. Dietmar Näher (2) « Gegenkritik sagt:

    [...] Antwort auf das NMD in Polen und Tschechien Atomraketen auf Europa ausrichtet, erhoffen so einige rot-braune Friedensfreunde eine Renaissance des sowjetischen Unrechtssystems - nach dem imperialistischen Gebaren Moskaus in [...]

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