Krieg und … Friedensbewegung

10. August 2008, von Thomas von der Osten-Sacken

Seit Tagen herrscht Krieg im Kaukasus und zwar einer, gegen den zu sein, nicht schwerfallen dürfte. Ein Grund also für die Friedensbewegung einmal mehr auf die Straße zu mobilisieren.

Oder nicht? Ein Blick auf die zwei großen Internetauftritte der deutschen Friedensbewegung und: bei den einen findet man nichts, die anderen sind im Urlaub:

Bis zum 13. August legen wir eine Pause ein. Es werden in dieser Zeit keine neuen Beiträge erscheinen. Es dürfte aber nach wie vor genügend “alte”Artikel und Analysen geben, die zu entdecken sind. – Viel Spaß und Lesevergnügen (auch wenn es um ernste Dinge geht) wünscht Ihnen
die online-Redaktion der AG Friedensforschung
.

Woran das große Schweigen wohl liegen könnte? Dass ihr Flaggschiff Junge Welt voll auf Seiten Rußlands publizistisch mitkämpft? Oder weil die USA nicht beteiligt sind und der Unterlegene in diesem Konflikt, nämlich Georgien, als US-Verbündeter gilt? Fragen über Fragen …

Update 12.8. Ich wurde gebeten, darauf hinzuweisen, dass die Friedenskooperative inzwischen eine Erklärung zu dem Konflikt abgegeben hat.

12 Antworten zu “Krieg und … Friedensbewegung”

  1. Jan sagt:

    Die Friedensbewegung kann die Russen nicht beeindrucken, die “Achse des Guten” (?) scheinbar schon. Proteste sind also in dem einen Fall sinnlos und finden deshalb nicht statt, im anderen Fall scheinen sie auf fruchtbaren Boden zu fallen. Ja, es gibt Krieg und wieder haben Amerikaner die Hände im Spiel. Wie kann das?

  2. toni weiler sagt:

    hat georgien nicht angefangen?

  3. Jan sagt:

    Nachdem was ich (wie wohl die meisten) gehört habe, ja. Im Schatten der Olympiade. Wußte Bush Bescheid?

  4. Jan sagt:

    “Oder weil die USA nicht beteiligt sind und ……..”

    Wie das?

  5. Jan sagt:

    “Daher hat Russland auch ein besonderes Interesse daran, die Gegend zu kontrollieren, um sich langfristig den Zugriff auf die fossilen Energieträger zu sichern. ”

    Die Welt, 11.08.2008

    Weshalb sind Amerikaner vor Ort? Wollen sie Demokratie bringen?

  6. califax sagt:

    Yup. Demokratien sind als Bündnispartner leichter zu rechtfertigen. Übrigens ist Georgien schon eine Demokratie, wenn auch eine ziemlich korrupte und wacklige.
    Der Leckerbissen, damit die Georgier die Demokatie schlucken, ist die NATO-Sicherheitsgarantie. Was für die Amis dabei herauskäme (Wenn sie Aserbaidschan noch ins Boot bringen), ist nicht nur eine Öl- und Gas-Handelsroute zwischen Europa und Asien, die weder Iran noch Rußland einfach abdrehen können, sondern Präsenz im Norden des Iran und Häfen am Kaspischen Meer. Damit könnte man Teheran gewaltig ärgern.

  7. Gilgamesh X sagt:

    Interessant wie hier das Opfer zum Täter gemacht werden soll.

  8. califax sagt:

    Interessant, wie schnell manche ohne exakte Informationen und auf der Basis von Gerüchten und beidseitiger Propaganda glauben, eine Schulddiskussion führen zu müssen.
    Derzeit sind nur zwei Dinge klar: Georgien macht einen sehr dummen und selbstmörderischen Eindruck. Und die Russen waren zufälligerweise so gut vorbereitet, daß sie zeitgleich mit dem Beginn der Kämpfe eine komplette Armee (die 58.) und zirka 9000 Mann Fallschirmjäger in den Kampf schicken konnten, der einem ziemlich geschickten Blitzkriegsplan folgt.
    Insbesondere angesichts der Tatsache, daß Georgien seine besten Truppen erstmal aus dem Ausland zurückholen musste und die 58. Armee keine Beamer hat, um sie per Fingerschnippen den ganzen langen engen Weg durch das Gebirge zum Rokatunnel zu bringen.
    Wer jetzt hier einen Handstreich geplant hat, und wer angefangen hat, ist durchaus unklar.

  9. Gilgamesh X sagt:

    Fakt ist aber, dass die UdSSR (nichts anderes ist Putin’s Russland) kein Recht hatte, in Süd-Ossetien militärisch einzugreifen. Gleiches kann man von Georgien sagen und vor allem verlangen, eine politische Lösung mit den seperatistischen Kräften zu suchen. Nur die Süd-Osseten brauchen gar keine Lösung, solange sie die UdSSR an ihrer Seite haben.

    “Wer angefangen hat, ist durchaus unklar.”

    Es ging und geht nie um “wer angefangen hat”, dann könnte man weit weit in die Geschichte zurückgehen.

    Wer behindert einen Frieden ? Doch wohl nicht die 40.000 große georgische Armee?

    “Wer angefangen hat, ist durchaus unklar.” Das könnte glatt von einem SPD – Mann kommen.

  10. califax sagt:

    Wer über Täter-Opfer redet, redet immer darüber, wer warum wann und wie angefangen hat. In diesem Fall wäre also die Frage, wann der gegenwärtige Krieg begonnen hat.

  11. gilgamesh X sagt:

    Diese Frage hat sich nie gestellt. Dazu müsste man weit in die Geschichte gehen, nicht nur die der letzten hundert Jahre.

    Fakt ist, dass die UdSSR unverhältnismäßig Positionen verteidigt, die in anderen Fällen (Tschetschenien, Kosovo) gar nicht von der UdSSR geteilt werden.

    Wer heute Georgien wegen Süd-Ossetien kritisiert, hätte gestern auch Russland wegen Tschetschenien kritisieren sollen.

  12. Orientierung in Kriegszeiten « Brodaganda sagt:

    […] die Friedensbewegung. Die muß natürlich verurteilt werden: wahlweise erst weil sie Russland nicht verurteilt und dann weil sie unverschämte Forderungen an Russland richtet. Glück gehabt. Man stelle sich […]

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