Archiv für die Kategorie ‘Syrien’

Geisterschiffe

Sonntag, 04. Januar 2015

Ein Flüchtling, der seinen Namen nicht nennen möchte, hat eine Antwort: “Wenn du nichts mehr besitzt und das Einzige, was dir geblieben ist, die Hoffnung ist, ein neues Leben zu beginnen, dann bist du zu allem bereit.”

Er ist einer von insgesamt mehr als 1000 Flüchtlingen, die in den vergangenen Tagen vor Italien in Seenot gerieten – hilflos zurückgelassen von den Schleppern: Zuerst am Mittwoch und dann Freitagnacht strandeten an der süditalienischen Küste die abgewrackten Frachter “Blue Sky M” und “Ezadeen”, in Gallipoli und in Corigiliano Calabro. Beladen mit Bürgerkriegsflüchtlingen aus Syrien – unterkühlt, dehydriert und ausgehungert. “Blue Sky M” hatte 797, “Ezadeen” 450 Menschen an Bord.

In beiden Fällen gab es keine Spur von der Besatzung. Die Schleuser hatten die Frachter offenbar auf Autopilot gestellt und ihrem Schicksal überlassen. Seitdem ist von “Geisterschiffen” die Rede. Wenn die italienische Küstenwache und die Marine nicht eingegriffen hätten, dann wäre es zur Katastrophe gekommen. Die Schiffe wären auf die Felsen geprallt. Und hätten die Menschen in den Tod gerissen. (…)

Wer verstehen will, was die Menschen über das Meer treibt, muss nach Mersin. Eine türkische Hafenstadt. Nicht weit von der syrischen Grenze entfernt. 1,6 Millionen syrische Flüchtlinge leben in Feldlagern an der Demarkationslinie. Anwälte, Mediziner, Unternehmer. Sie sind den Grausamkeiten in ihrer Heimat entkommen. Und sie sind in der Perspektivlosigkeit gelandet. Die Männer selbst finden keine Arbeit, ihre Kinder bekommen keine Schulausbildung. Das Leben in den Camps ist auf Dauer unerträglich. Und ein Ende ist nicht absehbar. Der Bürgerkrieg in Syrien scheint noch viele Jahre zu dauern.

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Glimmer of Hope

Mittwoch, 31. Dezember 2014

Despite its shortcomings, the Southern Front coalition does provide a glimmer of hope amid Syria’s increasingly dismal political landscape. The international community should recognize the demonstration effect offered by the SF model in Daraa and more strongly support its local, indigenous governance structure — including by increasing military and humanitarian assistance to the armed groups leading the coalition. The Southern Front should be the focus of training and material support from the United States and its allies, allowing it to repel potential IS advances in the region.

Alas, Bashar al-Assad is well aware that the relative endurance of rebel rule in Daraa challenges his narrative that the West must choose between his regime and the terrorists. In the coming months, it is likely that the regime will try to retake Daraa to prevent just this sort of a secular, nationalist alternative from emerging. Therefore, any international efforts to “freeze” the conflict in areas such as Aleppo should take into account that the regime may use any freed-up forces and assets in order to turn its firepower southward. Freezes in fighting in the north should not come at the expense of those in the south, where rebel rule is providing one of the few blueprints for how Syria could emerge from this crisis.

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Voraussehbare Entwicklung

Samstag, 27. Dezember 2014

Interview mit Kurt Pelda:

Aber man kann auch nicht neutral bleiben, wenn Menschen reihenweise geköpft werden, wenn ein Regime Sprengstofffässer über Wohngebieten abwirft und man diese Zerstörung sieht. Ich meine, in Aleppo sieht das mittlerweile wirklich so ein bisschen aus wie in den deutschen Städten im Frühling 1945. Also der Vergleich, der hinkt nicht. Und da – natürlich ergreift man Partei. Natürlich bin ich nicht für diesen Diktator. Dieser Diktator hat Giftgas eingesetzt gegen seine eigene Bevölkerung. Aber diese ganzen Oppositionsgruppen, die haben eben auch Fehler gemacht, die haben auch schreckliche Kriegsverbrechen begangen. Ich würde sagen, verglichen mit Assads Kriegsverbrechen sind sie immer noch Peanuts, auch die Verbrechen, die der IS begeht, sind zwar medial sehr gut ausgeschlachtet und sind äußerst brutal, aber rein zahlenmäßig sind sie eben wenig, verglichen mit dem, was Assads Schergen angerichtet haben. Man darf als Journalist gegenüber all diesen Verbrechen auf allen Seiten nicht einfach gleichgültig sein, man darf sie nicht verschweigen. Ich war einer der ersten Journalisten, die darauf hingewiesen haben, dass in Syrien jetzt geköpft wird. Das waren meines Erachtens die Tschetschenen, die diesen Brauch quasi nach Syrien brachten. Und ich habe auch davor gewarnt, dass Rebellen, wenn die gewisse Regionen von Syrien erobern würden, wo es Schiiten gibt oder Alawiten, also eben Nicht-Sunniten, dass es dort zu Massakern kommen würde. Und das ist dann auch geschehen. Und da darf man nicht still sein. Aber das heißt noch lange nicht, dass man in diesem Krieg einfach neutral ist und sagt, ja, beide Seiten sind gleich schlimm und beide Seiten haben gleich unrecht. (…)

Ich meine, diese Entwicklung, die konnte man schon in Teilen zumindest voraussehen. Ich habe nicht vorausgesehen, dass es irgendwann mal so eine Gruppe gibt wie den IS jetzt. Ich hatte eigentlich eher erwartet, dass das Vakuum, das der Westen mit seiner Untätigkeit in Syrien geschaffen hat, dass das durch Al Kaida, durch die klassische Al Kaida ausgefüllt würde. Aber dass die Islamisten und die Extremisten dort Zulauf haben würden, wenn der Westen die Syrer, die ursprünglich Demokratie und Freiheit forderten, im Stich lässt, das war mir ganz schnell klar, schon im Sommer 2012

Escaping Hell

Dienstag, 23. Dezember 2014

Torture, including rape and other forms of sexual violence, suffered by women and girls from Iraq’s Yezidi minority who were abducted by the armed group calling itself the Islamic State (IS), highlights the savagery of IS rule, said Amnesty International in a new briefing today.

Escape from hell- Torture, sexual slavery in Islamic State captivity in Iraq provides an insight into the horrifying abuse suffered by hundreds and possibly thousands of Yezidi women and girls who have been forcibly married, “sold” or given as “gifts” to IS fighters or their supporters. Often, captives were forced to convert to Islam.

“Hundreds of Yezidi women and girls have had their lives shattered by the horrors of sexual violence and sexual slavery in IS captivity,” said Donatella Rovera, Amnesty International’s Senior Crisis Response Advisor, who spoke to more than 40 former captives in northern Iraq.

“Many of those held as sexual slaves are children – girls aged 14, 15 or even younger. IS fighters are using rape as a weapon in attacks amounting to war crimes and crimes against humanity.”

The women and girls are among thousands of Yezidis from the Sinjar region in north-west Iraq who have been targeted since August in a wave of ethnic cleansing by IS fighters bent on wiping out ethnic and religious minorities in the area.

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Flüchtlingshilfe eingestellt

Dienstag, 02. Dezember 2014

Der Winter kommt, es werden täglich mehr Flüchtlinge, die ersten sind schon erfroren, die Situation in unzähligen Unterkünften und Lagern ist schier unerträglich und nun dies. Für Flüchtlinge ist eben kein Geld da. Sollen sie doch verhungern, dann kommen sie wenigstens nicht am Ende gar noch nach Europa:

The World Food Program has suspended emergency food vouchers to more than 1.7 million Syrian refugees on the eve of winter, setting the stage for “devastating” consequences, the organization said Monday.

“Without WFP vouchers, many families will go hungry,” the agency said in a statement issued in its headquarters in Rome. “For refugees already struggling to survive the harsh winter, the consequences of halting this assistance will be devastating.The United Nations food program has long provided vouchers that allow registered refugees to purchase foodstuffs in shops in Jordan, Lebanon, Turkey, Iraq and Egypt. The vouchers’ monetary value is loaded onto debit cards provided to the refugees.

But many financial commitments from nations and other donors remain unfulfilled, the group said, forcing it to suspend the program due to a $64-million shortfall in funds needed to support refugees in December.

Quelle: http://www.latimes.com/world/middleeast/la-fg-un-syria-20141201-story.html

Missbraucht und verkauft

Donnerstag, 27. November 2014

Es sind Geschichten, wie sie die Mobilen Teams, die Wadi in Kooperation mit der lokalen Organisation Alind in Dohuk einsetzt, fast jeden Tag zu hören bekommen. Die Mitarbeiterinnen der Team besuchen die verschiedenen Flüchtlingslagern und Unterkünften, in die im August hunderttausende von Yeziden vor dem Terror des Islamischen Staates geflohen. Sie betreuen dabei auch Mädchen und Frauen, die den Jihadisten in die Hände gefallen sind, als Sexsklavinnen verkauft und missbraucht wurden und es irgendwie geschafft haben, dem Milizionären des Islamischen Staat zu entkommen.

Da ist etwa die Geschichte von A. D., einer sechzehnjährigen Yezidin. Sie wurde im August, weil es ihr wie tausenden anderen auch nicht mehr gelang, vor den anrückenden Islamisten zu fliehen, zusammen mit einigen ihrer Schwestern und ihrer Mutter gefangen genommen.

Nachdem sie neun Tage im Irak, gemeinsam mit über fünfzig anderen festgehalten, geschlagen und als Ungläubige beschimpft und beleidigt wurde, selektierten der IS die nach ihrer Meinung gutaussehenden Mädchen von den anderen und verschleppten sie nach Syrien. A. D. Wurde mit sechs anderen Mädchen in eine syrische Kleinstadt gebracht, wo man sie Nacht für Nacht vergewaltigte. Eines der Mädchen war erst neun Jahre alt, auch sie wurde missbraucht und musste sich anhören, dass ja der Prophet Mohammad auch das erste Mal Sex mit seiner seine Lieblingsfrau Aisha, als diese neun gewesen sei. Man folge nur dem Vorbild des Propheten.

A.D. Versuchte mehrmals zu fliehen und wurde jedes mal wieder eingefangen und danach geschlagen und missbraucht. Ein Mädchen, das mit ihr zu entkommen versucht hatte, wurde von einem IS-Kämpfer so heftig geschlagen, dass es kurz danach starb. (mehr …)

Radikale Eskalation

Montag, 17. November 2014

Aus einem Essay von Luis Liendo Espinoza zur Lage im Nahen Osten:

Die naive Idee mancher Experten, das ein schiitischer-sunnitischer regionaler Krieg im Interesse des Westens und Israels sei, weil deren schlimmsten Feinde sich gegenseitig umbringen würden, ist nur ein weiteres Beispiel des von Arendt konstatierten Verlustes der Urteilsfähigkeit der nicht-totalitären Gesellschaften am Vorabend Totaler Herrschaft. Gesellschaftliche Prozesse sind kein Summen-Spiel, schon gar nicht im Zustand totalitärer Eskalation. Das paradoxe Resultat dieses brutalen Krieges, der vollständigen Preisgabe der Region, war nämlich nicht die Schwächung der rivalisierenden totalitären Bewegungen, sondern allein deren Aufrüstung, Mobilisierung und Radikalisierung. Heute ist die Region fest im Griff mächtiger antizionistischer Regime und Bewegungen, welche sich in ihren Kriegen derart verfahren haben, dass jeder unbedachte Schritt eine weitere radikale Eskalation (mehr als 200.000 Tote, Krieg und Aufruhr in 4 Staaten) zur Folge haben kann. Mit dem ISIS und Assad hat diese Hydra das Stadium systematischen Massenmordes erreicht, womit ein weiterer Rubikon überschritten wurde, ohne, dass wir eine Ahnung hätten, wie diese Entwicklung zu stoppen sei.

Sieben mal mehr Kämpfer

Sonntag, 16. November 2014

The West may have severely underestimated the strength of the Islamic State (IS) Sunni radical organisation, which may have raised an army of at least 200,000 fighters, a Kurdish leader has claimed.

This number is seven to eight times more than Western intelligence estimates of up to 31,500 fighters, said Fuad Hussein, the chief of staff of Kurdistan President Massoud Barzani, in an exclusive interview to The Independent on Sunday.

Hussein speculates that the CIA and US intelligence agencies may only have been speaking about “core” fighters in estimating the jihadis’ numbers.

He said that the ability of the IS to attack on many widely separated fronts in Iraq and Syria at the same time is proof of its swelling numbers.

“They are fighting in Kobani,” said Hussein. “In Kurdistan last month, they conducted assaults in seven different places as well as in Ramadi (the capital of the Anbar province, west of Baghdad) and Jalawla (an Arab-Kurdish town close to the Iranian border). It is impossible to talk of 20,000 men or so.”

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Das syrische Regime und Kobani

Dienstag, 11. November 2014

Syrian Foreign Minister Walid al-Mualem stated army has sent weapons and ammunition to Kurdish town of Kobani that is under the siege of the militants of the Islamic State (IS) and reiterated that further resistance of the city against the radical group would lead into the defeat of Kurdistan Region President Massoud Barzani and Turkish President Recep Tayyip Erdogan. (…)

He hailed Kurdish resistance in Kobani and said Turkey Kurds are against Turkey policies and Kurdish resistance in Kobani changed U.S. President Barack Obama policies towards Kobani or what he called by its Arabic Name Ain al-Arab.

He predicted that the continuation of the situation would make Barzani and Erdogan policies defeated, revealing that Damascus has been in cooperation with Kurds in the city in bombing the IS radicals but the situation changed as U.S. interfered as there was no cooperation between Syrian forces and the U.S. forces.

He denied Syria pro-Kurdish co-leader of Democratic Union Party (PYD) is a separatist and said his party has entangled in a very tough situation in northern Syria developments.

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Mehr Barrel Bombs

Sonntag, 02. November 2014

With global attention focused on the fight against jihadists, Syria’s regime has in recent weeks stepped up its use of deadly barrel bomb strikes, killing civilians and wreaking devastation.

In less than a fortnight, warplanes have dropped at least 401 barrel bombs on rebel areas in eight provinces, according to the Syrian Observatory for Human Rights, a monitoring group.

Activist Yassin Abu Raed, from the town of Anadan in northern Aleppo province, has seen his house hit three times in barrel bomb attacks.

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Airstrikes in Syria kill over 200

Freitag, 31. Oktober 2014

The intensifying offensive by President Bashar al-Assad’s forces has heightened concerns among his opponents that he may be taking advantage of U.S.-led air raids on Islamic State insurgents to regain territory elsewhere in the country.

Since Oct. 20 the Syrian military has staged at least 769 attacks including barrel bombings in many areas of Syria, according to the Britain-based Syrian Observatory for Human Rights, and more than 500 people have been wounded.

It said the strikes targeted the eastern province of Deir al-Zor, Homs in central Syria as well as contested provinces in the more populated west such as Latakia, Quneitra, Hama, Aleppo, Idlib and Deraa, as well as the fringes of Damascus.

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Was Syrer sich wünschen: Neither Assad nor the Islamic State

Dienstag, 28. Oktober 2014

To answer the question, “What do Syrians want?” the Foundation to Restore Equality and Education (FREE-Syria) created a project to survey as many Syrians as possible. Armed with 32 questions and notepads, activists committed to nonviolence (from the Local Coordination Committees and independent activists) conducted face-to-face interviews with ordinary Syrians across the country, in every governorate. Another group of activists based outside Syria conducted interviews among refugee populations in neighboring countries, and a few expatriates. The results of this project are astounding: more than 50,000 Syrians have expressed what they want, and how they define freedom. And it is neither Assad nor the Islamic State.

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Let them eat bombs

Freitag, 17. Oktober 2014

The money is there, available for spending on crises in the Middle East—just not on the humanitarian side. For example, while the WFP is desperately calling for $0.35 billion to feed Syrian civilians, the cost of U.S. military operations in Syria and Iraq against the Islamic State was recently estimated at some $2.4 billion–$6.8 billion per year. In fact, in the three and a half years since the Syrian conflict began, the U.S. government has only spent about $1.4 billion on addressing the refugee crisis,. While this is still enough to make Washington the conflict’s top donor in absolute terms (and a lot more than humanitarian freeloaders like France or Russia), it is a pittance considering the size of the U.S. economy and the importance attached by the White House to the Syrian conflict.

It neatly illustrates a perennial paradox in international policy: there never seems to be enough money to spend on the humanitarian projects that could avert a social collapse—but there’s always enough to fund a military response once violence becomes inevitable.

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UN-Erfolge

Donnerstag, 16. Oktober 2014

Despite Venezuela’s record of human rights abuses against judges, students and peaceful protesters, and its backing of Syria’s Assad regime, a majority of EU member states today were among the 181 states that voted Venezuela onto the UN Security Council, drawing the ire of human rights activists.

“It’s an outrage that at least 16 of 28 EU states today empowered and legitimized a repressive government that openly sides with the murderous Syrian regime,” said Hillel Neuer, Executive Director of the Geneva-based UN Watch, an independent human rights group which recently brought Venezuelan human rights victims to testify before the world body.

“Electing Venezuela to the UN Security Council is like making a pyromaniac into the fire chief,” said Neuer.

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“Pflicht gegenüber Gott”

Donnerstag, 16. Oktober 2014

Über Versklavung und sexuellen Missbrauch von Yezidinnen ein Artikel von Thomas von der Osten-Sacken in der Jungle World:

Manchmal lassen die Jihadisten, anders als im Falle Alis und seiner Schwester, die weiblichen Familienangehörigen ans Telefon, ermuntern sie sogar, detailliert zu beschreiben, was ihnen angetan wurde. Der IS verheimlicht nämlich keineswegs, was mit den Mädchen und Frauen von Ungläubigen geschieht, die ihm in die Hände fallen, genauso wie er auch Massenexekutionen, Kreuzigungen und Enthauptungen filmen und über das Internet verbreiten lässt. Das unterscheidet ihn von anderen Diktaturen und Autokratien in der Region, ob in Syrien unter Bashar al-Assad, früher in Saddam Husseins Irak oder im Iran, wo sexueller Missbrauch und Vergewaltigungen in Gefängnissen zwar an der Tagesordnung waren und sind, in der Regel aber heimlich stattfinden und offiziell geleugnet werden.

Der Islamische Staat dagegen verübt seine ­Verbrechen ganz öffentlich – auch weil es sich nach den Gesetzen und Regeln seines Kalifats gar nicht um Verbrechen handelt, sondern um die wortgetreue Befolgung von Gottes Wort. Nichts dort geschieht, ohne dass es zuvor ein religiöser Rat abgesegnet hätte. (mehr …)

Kein Geld für Flüchtlinge

Mittwoch, 15. Oktober 2014

Der Winter steht vor der Tür, die Hilfe wird zusammengestrichen, weil nicht genügend Geld vorhanden ist:

Die Vereinten Nationen haben damit begonnen, ihre Lebensmittelhilfe für die notleidende Bevölkerung in Syrien zu reduzieren. Als Begründung für diesen Schritt nannten die UN Geldmangel. Die Hilfsleistungen würden diesen Monat um 40 Prozent gesenkt, sagte die Sprecherin des Welternährungsprogramms (WFP), Elisabeth Rasmusson.

Demnach wird die UN-Organisation zwar wie bisher Lebensmittel an 4,3 Millionen Menschen in Syrien verteilen, doch werde sie die individuelle Menge stark reduzieren. Auch die Bürgerkriegsflüchtlinge außerhalb des Landes seien von November an von den Kürzungen betroffen.

Laut Rasmusson wird auch im Libanon die Hilfe für die Flüchtlinge gesenkt und zwar um 20 bis 30 Prozent. In der Türkei werde das Welternährungsprogramm sogar gar keine Hilfen mehr verteilen.

ISIS used chemical weapons on Kurds: report

Mittwoch, 15. Oktober 2014

ISIS savages appear to have used chemical weapons taken from the abandoned arsenals of Saddam Hussein in their slaughter of ethnic Kurds in the Syrian city of Kobani last July, according to a frightening new report.

The jihadi terrorists are believed to have pillaged an old weapons complex in northern Iraq, where they obtained poison gas they transported to Syria. Shocking photos posted on Fox News show gruesome wounds inflicted on the victims.

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Über das kleinere Übel

Mittwoch, 15. Oktober 2014

Ines Kappert in der TAZ:

Die US-Luftangriffe dürften bereits jetzt nahezu eine Milliarde Dollar gekostet haben.“ So titelte die Washington Post am 29. September. Die Quelle: das unabhängige „Zentrum für Bewertung von Strategie- und Budgetfragen“ in Washington.

Dieses schätzt, die Kosten werden weitersteigen – auf monatlich 350 bis 570 Millionen US-Dollar. Bislang fallen die militärischen Erfolge gegen den IS noch sehr dürftig aus.

Zwei Wochen später geben die UN bekannt, dass sie ihre Lebensmittelhilfe für Syrien um 40 Prozent kürzen werden. Denn die auf den Geberkonferenzen in Kuwait 2013 und 2014 zugesagten Gelder wurden nur in Teilen bezahlt.

Obwohl der Winter vor der Tür steht, will auch die deutsche Regierung die Hilfe für Syrien minimieren – es sind ja neue Krisenherde hinzugekommen wie der Nordirak oder die Ebola-Epidemie.

Gleichzeitig wird im Bundestag und am Küchentisch munter weiter über die neue deutsche Weltverantwortung gestritten, die die meisten im Verbund mit Waffen sehen. Keine Kosten werden gescheut. Waffen sind die Investionen offenbar wert.

Syrien steht längst nicht mehr nur für ein von Russland und Iran gestütztes faschistisches Regime, das der Westen zwar nicht mag, aber stur für das kleinere Übel hält. Es steht für ein Versagen der zivilisierten Welt und ihrer Institutionen und Werteordnung. Die von Anfang an barbarische Idee, für Stabilität in der Region und ein verbessertes Verhältnis zum Iran Syrien und damit 22 Millionen Menschen einem Diktator auszuliefern, sie wird sich rächen. Ja, sie rächt sich bereits.

Denn die Überlebenden fliehen zu Millionen – und die teils hochprofessionellen Gotteskrieger sind nicht faul und fassen in dem sich leerenden und komplett chaotisierten Land dauerhaft Fuß. Von Stabilität kann keine Rede sein.

Im Kalifat des Islamischen Staates ist Versklavung von Frauen legal

Montag, 13. Oktober 2014

Nun ist es offiziell: Die Versklavung von “ungläubigen” Frauen und Mädchen ist unter dem Islamischen Staat legal:

IS has just released the fourth installment of Dabiq, an official publication that they began to produce in July. This issue, called “The Failed Crusade,” contains an article entitled “The Revival of Slavery Before the Hour,” which details how IS fighters kidnapped and distributed Yazidi women as slave concubines. The article also provides their rationale for reviving slavery, which they root in their interpretation of the practice of the earliest Islamic communities. The Islamic State has now officially disclosed that it engages in the sexual enslavement of women from communities determined to be of “pagan” or “polytheistic” origin.

 

Gespielte Hilflosigkeit

Sonntag, 12. Oktober 2014

Markus Bickel über die Syrienpolitik des Westens:

Mit gespielter Hilflosigkeit versucht die Bundesregierung deshalb die schrecklichen Konsequenzen ihrer nüchternen Realpolitik zu verdecken.

In Washington ist man da freimütiger. Unumwunden gestand Präsident Barack Obama am Mittwoch ein, dass Luftangriffe allein Kobane nicht retten könnten. Auch andere Kommunen würden in den kommenden Monaten in die Hände der Dschihadisten fallen. Das Kalkül dahinter ist klar: Syrien ist Europas Hinterhof, will Obama damit sagen, Amerika kümmert sich allenfalls noch um den Irak.

40 Monate nachdem friedliche Demonstranten erstmals gegen Assad auf die Straße gingen, zahlen Deutschland und seine Partner nun den Preis dafür, die syrische Freiheitsbewegung nie entschieden unterstützt zu haben. Dass Europa dem drohenden Massaker in Kobane gleichgültig und tatenlos zusieht, ist nicht neu: Hunderte Male hat die Opposition aufgeschrien, doch eine internationale Intervention konnte sie damit nicht bewirken. Allein auf weiter Flur befindet sie sich in ihrem Zweifrontenkrieg gegen Assads Einheiten und die Dschihadisten des Islamischen Staats.

Wie ein roter Faden zieht sich diese Kultur des Wegschauens durch die Syrien-Politik des Westens. Bis zuletzt setzte auch Berlin auf eine Verhandlungslösung mit dem Diktator in Damaskus – und verhöhnte die durch Jahrzehnte der Unterdrückung geschwächte Opposition als gespalten. Alle Forderungen nach Flugverbotszonen schlugen die sogenannten “Freunde Syriens” als unrealistisch in den Wind. Dass nach Hunderttausenden Toten nicht einmal eine Debatte über UN-Blauhelme geführt wird, ist eine Schande.