Im Guardian beschreibt Joshua Teitelbaum, warum Erdogan dieser Tage derart zu sich selbst kommt. Das war nicht immer so. Bis zum Amtsantritt von Versöhner Obama hat sich die AKO-Regierung noch einigermaßen zurückgehalten. Jetzt, wo offensichtlich wird, dass die USA weder einen Plan haben, was sie eigentlich im Nahen Osten wollen, noch irgend einen Willen zeigen, gestaltend in der Region einzugreifen und sich zudem noch feindlich gegenüber Israel verhalten, schlägt die Stunde der Demagogen und Jihadisten:
It is difficult to imagine that Turkey would be engaging in this kind of behaviour were the US demonstrating world leadership and not abandoning the field to the likes of Erdogan. While the administration works to assure Israel’s security with co-operation on missile defence, it has yet emboldened Israel’s enemies by publicly pressuring Jerusalem at every turn, not taking decisive action against Iran, and caving to Egypt by singling out Israel – to the exclusion of Iran – at the nuclear non-proliferation treaty review conference last month. Post-conference palliatives offered up by US officials did little to ameliorate the impression in the region that the US was hanging Israel out to dry. Turkey was simply bandwagoning.
Und Teitelbaum hat so Recht: wenn die USA ihre jetzige Nahostpolitik weiterführen, drohen in der Tat nicht nur weitere Kriege in der Region, sondern ein generelles Chaos, das zu nichts führen wird außer zu mehr Chaos. Und zahlen dafür werden die Menschen, und unter ihnen zuallererst jene, die genau keine großen Nahostführer mit ihren Parolen mehr haben wollen. Und derer gibt es viele, vermutlich mehr als je zuvor, nur ihre Stimme ist wesentlich leiser als die der Schreihälse.
Immerhin, und das sollte dieser Tage keineswegs unterschätzt werden, melden sich immer mehr Stimmen in der Türkei zu Wort, die ihrem Unmut über Erdogan und seine Politik Ausdruck verleihen, siehe etwa hier und hier.