Archiv für die Kategorie ‘Nahost’

“Flüchtlinge stehen unter Generalverdacht”

Freitag, 15. Januar 2016

Aus einem Interview der Wiener Zeitung mit Thomas v. der Osten-Sacken:

Sexualisierte Gewalt in der Öffentlichkeit ist also eine politische Waffe. Warum sollten Migranten und Flüchtlinge diese in Köln einsetzen? Führen die Krieg gegen die deutsche Gesellschaft?

Mir scheint es aus meiner Erfahrung sehr unwahrscheinlich, dass das etwas Spontanes war. Ein Flüchtling, der jetzt aus Syrien nach Deutschland kommt, versucht, sich irgendwie zu organisieren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es dessen größtes Problem ist, sich in Köln auf den Hauptbahnhof zu stellen. (…)

Aber – wer war es dann? Haben Sie eine Theorie?

Ich habe keine Theorie. Ich sage nicht, dass es ein Anschlag war, aber der Effekt ist derselbe. Vorher ist nie etwas passiert und dann plötzlich passiert es in sieben Städten am gleichen Tag. Das sind Fragen, die man sich stellen muss. Justizminister Heiko Maas, einer der ganz wenigen, die einen vergleichsweise kühlen Kopf bewahrt haben, hat ja angedeutet, dass es sich da um etwas Organisiertes handeln kann. Man muss schauen, was da passiert ist: Wie schnell es möglich ist, in Deutschland eine hysterische Massenbewegung zu erzeugen, deren Folgen fatal sind. Jetzt wird der Ruf nach Verschärfung der Gesetze, nach Ausweisung laut, jeder Flüchtling steht unter Generalverdacht.

Saudi Arabien und die syrische Opposition

Mittwoch, 23. Dezember 2015

Aus einem Gastbeitrag von Thomas v. der Osten-Sacken für MENA-Watch:

Wenn die Saudis heute als erklärte Gegner Assads auftreten, seinen Sturz fordern und verschiedene Rebellen- und Oppositionsgruppen unterstützen, dann sicher nicht, weil es ihnen um mehr Freiheit in Syrien geht. In ihren Augen hat das syrische Regime bloß den Fehler begangen, sich nach 2011 noch enger an den schiitisch-revolutionären Iran, seinen traditionellen regionalen Alliierten und zugleich Hauptfeind der sunnitischen saudischen Monarchie, anzulehnen. Dass Assad die Demonstrationen mit iranischer Hilfe niederkartätschen ließ, statt sich um Hilfe an seine arabischen Brüder am Golf zu wenden, war aus saudischer Sicht sein Kardinalfehler.

Denn auch Riad hat kein Interesse an einer erfolgreichen Transformation Syriens in einen freieren, pluraleren und demokratischeren Staat. Ganz im Gegenteil: Von Anfang an förderten und finanzierten die Saudis deshalb Gruppen, die eine dezidiert sunnitisch-islamistische Agenda verfolgten. Wenn schon Assad gestürzt werden muss – und eigentlich halten es die Saudis eben nicht mit Regime Change – dann wenigstens von einem Klientel, das Syrien eine Zukunft unter der Fahne des Propheten verspricht.

Ausgerechnet an Saudi-Arabien delegieren jetzt Europa und die USA die Organisation der syrischen Opposition für kommende Friedensverhandlungen mit dem Regime. Unwidersprochen einigte man sich auf den Syrien-Konferenzen im Wiener Hotel Imperial, an denen keine Syrer teilnahmen, dass in diesem Prozess die syrische Opposition fortan von Riad betreut und organisiert werden solle.

‚Stabilität‘ bis zum bitteren Ende

Montag, 09. November 2015

Aus einem Artikel von Thomas v. der Osten-Sacken auf MENA-Watch:

In diesem Nahen Osten gibt es nichts mehr zu stabilisieren. Der Zerfall und die entfesselten Destruktivkräfte werden von keinem starken Mann mehr aufgehalten werden können. Die Zeit der großen Führer, die in ihren Ländern für Friedhofsruhe sorgen, ist vorbei. Wer deshalb heute im Gestus des zynischen Realpolitikers fordert, notfalls müsse man eben auch mit Diktatoren wie Assad reden, wenn dies denn der ‚Stabilität‘ diene, ist in Wirklichkeit Phantast. Die Botschaft allerdings kommt an: Das Angebot, mit dem Teufel einen Pakt einzugehen, ist immer auch ein öffentlicher Verrat an jenen, die trotz allem in der Region verzweifelt versuchen, jene im Arab Human Development Report beschriebenen Verhältnisse zu verändern, die erst dazu geführt haben, dass die ganze Region eine einzige Depressionslandschaft ist.

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Ältere Warnung

Dienstag, 21. Juli 2015

Im März warnte die libanesische Jouranlisten Hanin Ghaddar vor den Folgen eines Deals mit dem Iran:

The question today for people in the region is not whether there’s a nuclear deal with Iran or not. The problem is more fundamental. It is about what will become of the Middle East when our values and aspirations are shattered by betrayal and deception. Why is Iran, which has one of the worst human rights records in the region, and which has and still is using violence all over the region, a potential ally to the United States? Where do our liberal values stand?

The result of this abandonment will not only backfire in the region. The whole world will suffer the consequences. Europe is already considering tougher immigration policies due to both violence inside European cities and the increasing number of people trying to go to Europe from the region. Like Al-Sarout, more Sunnis will be radicalized, and ISIS—along with other Islamist groups—will grow stronger. And they will all blame the United States for both abandoning them and siding with Iran, Assad, and Hezbollah, who are today perceived by many Sunnis as the main enemies. (…)

Reality now tells us that today’s America does not care about our aspirations for freedom, for democracy, and for citizenship. The reality today says one thing: Take things into your own hands because no one will help you. The gap left by the United States will be filled with extremists who despise liberal ideas, freedom of speech, and democracy. Whatever is left of our civil society will eventually lose legitimacy, because its ideals and goals will be considered too liberal and Westernized for communities radicalized by sectarian tension. The people who will emerge from the societies that are formed along this sectarian model will not be good citizens of open societies. They will be locked in cages of hatred and fear. We know from experience how that story turns out.

100 years and ongoing

Dienstag, 21. April 2015

breathless

Ypres, Halabja, Ghouta… The campaign Breathless has formed to denounce the ongoing use of chemical weapons manufactured with help of European and especially German companies and many blind eyes of the governments. They protest against the fact that Syria will not even be mentioned in the official commemoration events.

Listen to this impressing radio feature which has many shattering accounts from survivors.

Democracy is the answer

Dienstag, 20. Januar 2015

Von Amir Taheri:

The long-term and most effective antidote to terrorism is democratization. This is borne out not only by the European experience but also by the success of Latin American nations in defeating their homegrown terrorists. The more democratic they became, the more successful they became in fighting terror.

Terrorists see democracies as soft targets. Provided you are not suicidal, like the Kouachi brothers, the worst that could happen to you is a prison sentence, which, in time, is cut by half for good behavior. What terrorists do not understand is that a democracy does not think like them. A democracy does not want to kill the individual terrorist but to defeat terrorism.

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Sieben Millionen Kinder bedroht

Dienstag, 18. November 2014

Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (Unicef) ist angesichts des heraufziehenden Winters alarmiert. Die Kinder in den Konfliktgebieten im Nahen Osten sind besonders in dieser Jahreszeit dringend auf Hilfe angewiesen. Viele der Flüchtlingskinder im türkischen Nachbarstaat Syrien und in Nordirak seien schutzlos Kälte, Regen und Wind ausgesetzt. Die Organisation verteilt derzeit eigenen Angaben zufolge gemeinsam mit Partnern Winterpakete mit warmer Kleidung für eine Million Babys, Kleinkinder und Jugendliche. Doch viele Kinder, die dringende Hilfe bräuchten, könnten im Moment nicht mitversorgt werden.

„Der bevorstehende Winter und der Anstieg der Flüchtlingszahlen in Syrien und in Irak bedeuten, dass viele Kinder dringend Schutz brauchen“ so Maria Calivis, Unicef-Regionaldirektorin für den Nahen Osten und Nordafrika in Amman in einer den Deutsch Türkischen Nachrichten vorliegenden Mitteilung. „Viele Kinder können jedoch nicht erreicht werden, da sie entweder in schwer zugänglichen Konfliktgebieten leben oder weil nicht genügend finanzielle Mittel zur Verfügung stehen.“

Quelle

In Memoriam

Sonntag, 16. November 2014

Über den vom IS enthaupteten Peter Kassing:

Eventually, he set up a program with the opposition local coordinating committee in Deir el Zour, Syria, and worked for a couple of weeks in their hospital under constant government bombardment. In one well reported incident, he even helped operate on the wounded commander of the al Qaida-affiliated Nusra Front from the area, who upon finding that Peter was being held by the Islamic State immediately issued a statement demanding his release, because it was clear he had only come to Syria to serve Syrians without any sort of political agenda.

Peter was kidnapped in early October 2013 while he was attempting to bring a large convoy of aid that he had purchased with donations from all over America to that hospital in Deir el Zour. He’d insisted on leading the convoy himself – despite clear indications that eastern Syria was increasingly unsafe for westerners and Syrians alike – out of fears that the supplies might not make it to the people of Deir el Zour. They were stopped by the Islamic State at a checkpoint in Raqqa and Peter was then taken captive.

His murder is a senseless crime against someone who was willing to risk his life alongside people in a foreign land, without being paid or even congratulated, simply because he couldn’t bear to not use his skills as a medic to help them. His murder, as much as it devastates his family and friends, is just as big a loss to the people of Syria and Lebanon, and the world. Selfless compassion and courage exist in people everywhere, but I’ve met few people who had as much of both as Peter Kassig. My heart is broken but even his death won’t change the fact that the world is full of people willing to risk their lives to help others. It’s just a crime that that willingness is why Peter was murdered.

ISIS within

Freitag, 22. August 2014

Hanin Ghaddar benennt das zentrale Probleme im Nahen Osten, den Grund, warum die Forderungen des sog. Arabischen Frühlings ins Leere liefen:

The dismal aftermath of the Arab Spring ought to have made Hamas realize that today Arabs throughout the region have even more limited choices in governance; namely, political Islam and autocracy. The alternative to Mohammad Morsi in Egypt turned out to be a military coup. Dictatorships in Iraq and Syria have given way to an extremely aggressive Islamic State (IS). The alternative to Hamas would be either a radical Islamist group or a very weak and corrupt Palestinian Authority.

 But if the Arab Spring has given way to this new delimited reality, it’s because it did not put the individual liberties and personal freedoms that define genuine citizenship at the core of its creed. The general rhetoric of the opposition in most of the Arab Spring countries ignored individual rights and freedoms and marginalized the rights of women and minorities. We have failed to act as citizens, and this is why we find ourselves trapped in the same old conspiracy theory narratives.

 Looking at recent developments in Iraq, Syria and Egypt, the takeaway of the past three years of the Arab Spring seems to be more about understanding our shortcomings rather than actually overcoming them. We now know that we are presented with one of two options – freedom or security; never the two in tandem. If anything, recent experiences have taught us that security tends to come in the form of totalitarianism; you either get a military regime or a sectarian ruler, and as long as the individual is not valued, this will always be the formula.

IS zurückdrängen

Mittwoch, 06. August 2014

Richard Herzinger in der Welt:

Zwischen der syrischen Diktatur und dem IS gab es dabei lange Zeit ein Stillhalteabkommen – konnte das Regime so doch dabei zusehen, wie der IS die nicht islamistischen Oppositionskräfte aufrieb.

Nun aber gehen die bisher stillschweigend Verbündeten aufeinander los, und Assad kann sich angesichts der grausigen islamistischen Alternative der Welt wieder als Stabilitätsgarant präsentieren – ein Triumph auch für seine Schutzmächte Iran und Russland.

Aus dem Irak zogen die USA just überstürzt ab, als ihnen eine relative Stabilisierung des Landes gelungen war. Sie gaben so das Feld frei für die faktische Übernahme des Irak durch den Iran – was die sunnitische Bevölkerung gegen die Teheran ergebene Zentralregierung in Bagdad aufbrachte. Aus Furcht vor dem Zerfall der staatlichen Einheit und der Bildung eines kurdischen Staates verweigerten die USA zudem den Kurden, die jetzt die Hauptlast im Kampf gegen den IS tragen müssen, angemessene Unterstützung.

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Interview zum Vormarsch der IS-Kämpfer im Irak “Der Westen muss militärisch eingreifen”

Dienstag, 05. August 2014

Mit brutalster Gewalt ziehen IS-Kämpfer durch den Irak, töten und vertreiben Tausende. Wer sind die Kämpfer? Weshalb sind ihre Gegner so machtlos? Und was könnte der Westen tun? Darüber hat tagesschau.de mit dem Nahost-Experten von der Osten-Sacken gesprochen.

ISIS-Kämpfer im Irak | Bildquelle: AFP

Von der Osten-Sacken: Ich sage das besonders als Geschäftsführer einer humanitären Organisation nur ungern. Aber zunächst hilft in dieser Situation nur militärisches Eingreifen.

Vorgestern haben IS-Kämpfer im Nordirak etliche Angehörige der Religionsgemeinschaft der Jesiden getötet. Während wir hier reden, sind rund 200.000 Jesiden auf der Flucht. 100.000 weitere sind in die Berge geflüchtet, sie sitzen bei 40 Grad, ohne Nahrung und ohne Wasser auf dem Berg, wo sie sich vor den IS-Kämpfern verstecken. Es gibt keine Versorgung, keine Luftbrücke. Vor unseren Augen beginnen die ersten Frauen und Kinder zu verdursten. Das ist die aktuelle Lage.

Das wichtigste ist also, dass die IS-Kämpfer zurückgedrängt werden. Außerdem sind in der Region knapp zehn Millionen Menschen auf der Flucht. 9,5 Millionen von ihnen sind noch in der Region, Europa hat sich regelrecht abgeschottet und nimmt kaum Flüchtlinge auf. Flüchtlingslager ohne Perspektive sind aber Radikalisierungsbrutstätten, das wissen wir aus Erfahrung. Die Taliban sind in Flüchtlingslagern entstanden. Es muss außerdem eine langfristige Perspektive für die Region geben, eine Art Marshall-Plan.

tagesschau.de: Was bedeutet die Entwicklung in Syrien und dem Irak für den gesamten arabischen Raum drei Jahre nach dem “Arabischen Frühling”?

Von der Osten-Sacken: Das ist jetzt ganz klar der Rückschlag. All diese Kräfte – ob es das Assad-Regime, der Iran oder IS ist – sind sich einig in ihrer panischen Angst davor, dass die Region sich demokratisieren könnte. All diese Forderungen nach Demokratie, nach rechtsstaatlichen Strukturen, nach Menschenrechten bedrohen all diese Machthaber in der Region – so zerstritten die Akteure untereinander auch sein mögen, in diesem Punkt sind sie sich einig.

Diejenigen aber, die in diesen Ländern für etwas anderes stehen und eine Demokratisierung wollen, haben keine Unterstützung, keine Waffen, können sich nicht wehren. Damit sind sie die ersten Opfer dieser Entwicklung. Da liegt das komplette Versagen des Westens: Es gibt keinerlei Strategie, wie man Menschen helfen kann in Konflikten, die man mit Verhandlungen und netten Gesprächen nicht lösen kann.

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Der Nahe Osten zwischen arabischem Frühling und Staatszerfall

Montag, 04. August 2014

Bericht über einen Vortrag  in Bruchsal:

Die Forderungen in den arabischen Ländern, insbesondere durch junge Menschen, nach Volkssouveränität, Demokratie, Beachtung der Menschenrechte und „One Law for All“ verglich Thomas von der Osten-Sacken mit den Forderungen der Offenburger Erklärung von 1847 (z. B. Presse- und Lehrfreiheit, Glaubens- und Gewissensfreiheit oder die Gleichheit aller Bürger) und den Forderungen der Badischen Revolution 1848/49. Von der Osten-Sacken wies in seinem Vortag auf die bemerkenswerten Übereinstimmungen hin. Doch wie vor bald 170 Jahren im Südwesten Deutschlands werden auch in den arabischen Staaten, wo die Menschen für ihre Rechte auf die Straße gingen und gehen, diese Forderung nach Grundrechten hart und unerbittlich bekämpft – stellten und stellen sie doch fundamental und grundlegend die herrschenden Systeme in Frage.

Von der Osten-Sacken betonte, dass in der ganzen Region ein konfessionell aufgeheizter Dreißigjähriger Krieg drohe, der weitere Millionen von Menschen in die Flucht treiben und am Ende eine völlig zerstörte Region hinterlassen würde, sollte den Akteuren, wie dem Islamischen Staat, der ISIS und dem Iran das Feld überlassen werden. Denn diese werden nicht aufhören, ihre Ideologie mit roher Gewalt gegen Andersgläubige, Frauen und alle, die sich ihnen in den Weg stellen, durchzusetzen und auszuweiten, bis sich alle widersetzenden, freiheitlichen Strukturen vollkommen zerstört sind.

 

 

Schwindender Einfluss der USA

Samstag, 02. August 2014

“There is no question that U.S. influence has diminished” in the Arab world, said Daniel Kurtzer, a former U.S. ambassador to Israel and Egypt now at Princeton University.

U.S. credibility has also been undercut by its reluctance to intervene in Syria’s civil war; Kerry’s failed push for wider Israeli-Palestinian peace, which collapsed in April; and Iraq’s instability despite a decade of massive U.S. intervention.

U.S. nuclear negotiations with Iran have also fanned Arab fears of a rapprochement between Tehran and Washington.

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Die EU, Grenzen und die Gazaflüchtlinge

Samstag, 02. August 2014

Geht es darum, offene Grenze bei anderen zu fordern, so sind Vertreter der EU immer ganz vorne, egal ob im Libanon, wo nunmehr über eine Million syrische Flüchtlinge leben, in Jordanien oder der Türkei. Zurückhaltener ist man da schon, wenn’s um die eigenen Grenzen geht, die man doch lieber mit neuen Mauern und Abwerhsystemen versieht.

“Grenzen auf!” fordern EU Vertreter nun also auch von Kairo und bieten ganz großzügig EU-Beobachter für Rafah an, vermutlich die selben, die vor Jahren bei den ersten seriösen Konfrontationen die Füße in die Hand genommen haben.

During a visit to Cairo yesterday, an EU envoy reportedly suggests reopening the six crossings to and from the Gaza Strip to allow movement of people and goods.

He also suggests that the Rafah crossing between Gaza and Egypt be manned by EU observers, the report says

Es ist durchaus erfreulich, wie die EU sich um das Wohl und Wehe der Zivilbevölkerung in Gaza sorgt, die keinen Ort hat, an den sie fliehen kann, außer in überfüllte UN-Einrichtungen, die häufig auch noch von Hamas-Kämpfern als Stützpunkte missbraucht werden. Hunderttausende “internal displaced” sollen inzwischen im Gazastrefen herumirren oder irgendwo notdürftig Unterkunft und Verpflegung finden. In der Tat ein unhaltbarer Zustand.

Und Lösungen wären einfach zu finden:

Statt von anderen zu fordern, ihre Grenzen zu öffnen, müsste die EU nur ein paar Dampfer und Kreuzfahrtschiffe anmieten und könnte innerhalb weniger Tage auf einen Schlag mindesten 50 000 IDPs aus dem Gazastreifen evakuieren, um sie in Europa unterzubringen und zu versorgen bis es zu einem längerfristigen Waffenstillstand kommt.

Ägypten würde der EU sicher auch ein paar Quadratkilometer im Sinai zur Verfügung stellen, die man kurzfristig zum exterritorialen Gebiet unter EU-Hoheit erklären könnte, wo entsprechende Flüchtlingslager errichtet und Menschen aus Gaza versorgt werden könnten.

Solange solche oder ähnliche Lösungsvorschläge nicht auf den Tisch kommen, kann man getrost davon ausgehen, dass das Schicksal der Menschen in Gaza die EU so wenig interessiert, wie das ihrer syrischen Schicksalsgenossen in den Flüchtlingslagern der umliegenden Ländern.

 

Nicht neu

Donnerstag, 31. Juli 2014

Detlev Claussen im Gespräch:

Hier ist überhaupt nichts neu. Seit 250 Jahren begleitet uns der moderne Antisemitismus in allen westlichen Gesellschaften. Er ist ein elementarer Bestandteil der westlichen Zivilisationsgeschichte. Seine einzige Botschaft lautet: „Die Juden sind an allem schuld.“ Sie kommt mal manifester zum Ausdruck, mal bleibt sie im Hintergrund. Diese Typen, die jetzt auf der Straße herumrennen, sind ein willkommener Anlass für latent antisemitische Gesellschaften und Medien, sich als nichtantisemitisch hinzustellen und zu sagen: die Antisemiten, das sind die Anderen. (…)

In fast allen westlichen Gesellschaften hat sich etwas durchgesetzt, das ich „Ja, aber“-Antisemitismus nenne: „Ja, Auschwitz war schlimm, aber man wird doch noch sagen dürfen …“ (mehr …)

Demonstrationen und keine Demonstrationen

Donnerstag, 31. Juli 2014

Ali Dogan, Mitglied im Vorstand der Alevitischen Gemeinde Deutschlands:

Im Irak und in Syrien vernichten die Islamisten ganze Generationen. Alleine in den vergangenen Wochen wurden Zehntausende Christen durch die islamistische ISIS aus Mossul vertrieben. Moscheen und andere Heilige Stätten werden von diesen Terroristen zerstört. In anderen muslimisch geprägten Ländern wie der Türkei steht Gewalt gegen Minderheiten auf der Tagesordnung.

Aber nie habe ich aus diesen Anlässen eine Demonstration von denjenigen gesehen, die nun wegen der Selbstverteidigung Israels durch die Straßen ziehen, dabei von Juden bewohnte Gebäude angreifen und angeblich für den Frieden im Nahen Osten demonstrieren – manchmal sogar mit der Flagge der ISIS.

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The heritage of despotism

Dienstag, 29. Juli 2014

On the point. The dilemma of countries ruled by brutal dictators for decades:

Brian Katulis, a Senior Fellow at the Center for American Progress (…) traces the roots of Libya’s current crisis to a history scarred by years of dictatorship. “The sense of national unity and purpose had been decimated by decades and decades of dictatorship, and it was held together through vicious rule,” he said. “What we’re seeing there, and what we’re seeing in Iraq and other places in the Middle East, is what brutal totalitarian rule does to societies. It actually distorts the possibility for politics once they’re gone.”

Helft den Gaza Flüchtlingen!

Dienstag, 29. Juli 2014

Laut UN-OCHA  sind 215,000 Palästinenser im Gazastreifen internal displaced durch den Krieg und versuchen, entweder in überfüllten UN-Einrichtungen oder bei Freunden und Bekannten Unterkunft zu finden.

Wäre es nicht an der Zeit, dass Europa und vor allem Deutschland, die sich gerne so besorgt um das Wohl der Palästinenser gibt, ihre Grenzen öffnen und zumindest ein paar Zehntausende von ihnen umgehend und ganz unbürokratisch aufnehmen?

Tod, Rache und wieder Tod

Sonntag, 13. Juli 2014

Ahmad Mansour in einem Essay:

Die nächste Generation muss die Chance erhalten, Selbstreflexion, Demokratie, Gleichberechtigung zu lernen und Vorurteile zu überwinden. Denn der Kreislauf aus Tod, Rache und wieder Tod und Rache erreicht nichts. Er häuft nur Trauma auf Trauma. Wo soll die Gewaltspirale hinführen? Ins Nichts. Hamas muss begreifen: Israel wird fortbestehen. Nie wird Hamas Israel, “alle Juden” oder den Westen “besiegen”. Dieser Traum ist nicht nur destruktiv, er ist auch eine totalitäre Illusion. Eine Bevölkerung, deren Selbstverständnis auf der Fantasie gründet, eine andere Bevölkerung zu vernichten, traumatisiert die Bedrohten wie die Drohenden.

Es ist ein tieftrauriges Sinnbild für die starre, kalte Haltung von Hamas, dass sie Familien auffordert, sich als lebende Ziele auf die Hausdächer von Gaza zu stellen, wenn Israels Militär Vergeltungsschläge übt. Hamas will Opfer schaffen, um ihre Opfermythen zu erhalten. Mit ihren Opfern macht sie Reklame, die auch im Westen, auch in Deutschland nun wieder erschreckend wirksam ist. (mehr …)

Solidarität wäre

Sonntag, 13. Juli 2014

Solidarität mit den Menschen, die in der Hölle Gaza zu leben gezwungen sind, würde darüber trauern, dass das perfide Kalkül der Hamas wieder aufgegangen ist, darüber, dass sie den Menschen einen Djihad aufoktroyiert, der nichts anders verheißt als den Tod der „Mikroben und Bakterien“, wie sie die Juden ruft, und den Märtyrertod der „Eigenen“.

Solidarität mit den Palästinensern würde nach dem Aufstand gegen die Hamas, den Islamischen Djihad und alle anderen Rackets rufen, auf dass diese nie wieder ihre Artillerie zwischen den Behausungen jener eingraben, deren Tode sie propagandistisch zu verwerten wissen …

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