Archiv für die Kategorie ‘Afrika’

Provoking Coups

Samstag, 24. März 2012

Elizabeth Dickinson über den Militärputsch in Mali:

First, what happened in Mali strikes me as an unfortunate reminder of just how fragile democracies—especially new ones—still are in the Sahel. I’m not just talking about how easily they break. I’m talking about how perilously they function. Elections and good constitutions get countries such as Mali, Senegal, and Nigeria the stamp of “democracy” in the international eye. But to the average citizen—or say, your average civil servant, like a soldier—they still seem a lot like something else: a regime that benefits only a few. Part of that is simply a lack of resources—even if you redistribute, there’s a small pot to share. And if you look for more resources, say from international aid, someone overseas is probably—in the very least—helping to dictate your priorities. Meanwhile, big pockets of poverty persist and may take generations—not voting cycles—of economic growth to overcome. The idea of elective and representative democracy inceased the demand for public services and development in Mali—and the government wasn’t able to deliver fast enough. And in fact, a 2011 report from the UN Development Program in Mali found that corruption there had actually increased—not decreased—when the government and the economy began to open up. (…)

I think Mali will bounce back—democratic aspirations are a hard thing to shake from people who have grown accustomed to them. The threats in the region, however, are around to stay.

Putsch in Mali

Freitag, 23. März 2012

In Mali haben gestern Soldaten gegen den Präsidenten geputscht. Mali ist eines der ärmsten Länder der Welt und hat eine muslimische Mehrheitsbevölkerung. Und Mali wurde von Freedom House Jahr für jahr als frei eingestuft.

Mali is an electoral democracy that has ranked highly in political rights and civil liberties since 1993.  It is one of few countries in Africa rated Free in Freedom House’s Freedom of the World 2011 and Freedom of the Press 2011 reports.

Tod den Homosexuellen ….

Freitag, 10. Februar 2012

Eine Kampagne, vor allem vorangetrieben von christlichen Predigern:

The Ugandan parliamentarian who first introduced an anti-gay bill that carried the death penalty for some homosexual acts reintroduced the bill on Tuesday, raising concerns among rights activists who have been fighting the legislation. (…)
The bill has been championed by Pentecostal clerics, who warn that young Ugandans are at risk of being indoctrinated into gay lifestyles by gays visiting from the U.S. and Europe. Even pastors who oppose the draft law do so not because it is draconian or unnecessary, but rather because they believe the police would not be able to enforce it.

Derweil im Sudan

Montag, 30. Januar 2012

Sources report that tens of youth activists associated with the groups Girifna and Sharara have been arrested by the security authorities over the past two days in what seems to be a preemptive crackdown ahead of 30 January, the date of the relatively coordinated wave of demonstrations organised by the same youth groups last year in the capital and other major towns of (North) Sudan.

Quelle

Ultimatum

Montag, 02. Januar 2012

Binnen drei Tagen sollen alle Christen den Norden Nigerias verlassen, fordert die islamistische Sekte Boko Haram. Gleichzeitig wollen die Extremisten auch, dass alle Muslime vom Süden in den Norden ziehen.
Die islamistische Sekte Boko Haram hat die im Norden Nigerias lebenden Christen aufgefordert, den hauptsächlich von Muslimen bewohnten Landesteil umgehend zu verlassen. Die Gruppe stelle den Christen dafür ein «Ultimatum von drei Tagen», sagte ein Sprecher der Sekte am Sonntagabend.

Quelle

Eine ehrenwerte Gesellschaft

Montag, 29. August 2011

Über 90% der Frauen in Sierra Leone sind genitalverstümmelt, und die einflussreiche und gar nicht zimperliche “Bondo Society” sorgt dafür, dass sich daran auch zukünftig möglichst nichts ändert. Politiker scheuen davor zurück, klare Maßnahmen gegen FGM zu ergreifen und selbst Aktivisten sind offenbar soweit eingeschüchtert, dass sie ihre Wortwahl genau überdenken, um die Verstümmler und ihre ehrenwerte Gesellschaft nicht zu provozieren.

“Lots of sexual pleasure”

Freitag, 15. Juli 2011

Immer wenn man gerade denkt, der gute alte Kulturrelativismus müsste nun wirklich das Haltbarkeitsdatum überschritten haben, – einfach, weil er so irrsinnig abstrus und inhuman ist – dann begegnet einem wieder sowas:

In Sweden [Sara Johnsdotter] found that some circumcised women were more negative about sex. They were the ones who were more integrated into Swedish society, and more aware of campaigns stressing that genital cutting ruins women’s sex lives.

Das Problem an der Genitalverstümmelung besteht also nur in den Kampagnen dagegen. Die machen die Frauen nämlich erst zu Verstümmelten. Frauen, die diesen Kampagnen noch nicht zu stark ausgesetzt waren, haben dagegen “lots of sexual pleasure, including orgasms”.

Prof. Ghanem aus Kairo sieht das anders und erklärt der Dame, dass ihre Thesen den FGM-Befürwortern in die Hände spielen, und dass sie von den örtlichen Islamisten offenbar als Beleg für die Harmlosigkeit von FGM ins Feld geführt werden. Doch das ficht sie nicht an. (weiterlesen…)

Nichts im Sudan wird sich ändern bis …

Montag, 11. Juli 2011

Aymenn Jawad über die Lage im Norsudan:

Here is the heart of the issue. It’s all very well to have South Sudan secede, but the root of the problem has still not been addressed: namely, the traditional doctrines of jihad that underlie the Islamist and Arab supremacist ideology of the ruling elite in Khartoum.

When it comes to the warfare that has ravaged the north and south, the convention has been to describe the conflicts as simply “ethnic” or “tribal.” However, such whitewashing ignores the aggressive attempts to impose Islamic law throughout Sudan – something that has been especially clear since 1983.”

Ein Freund, ein guter Freund

Mittwoch, 13. April 2011

Es ist ja nicht so, dass Gaddafi keine Freunde mehr im deutschen Bundestag hätte. Reden wir mal nicht von Abgeordneten der Linken (“STOPPT den Krieg in Libyen!”) oder der Grünen, die sich vor bald 30 Jahren so prima mit dem Vorkämpfer gegen Zionismus und Imperialismus identifizieren konnten und heute einer Flugverbotszone “skeptisch” gegenüberstehen. Reden wir von echten Freunden.

Bernd Schmidbauer von der CDU ist so einer, der kein Blatt vor den Mund nimmt – wenn es darum geht, die Aufständischen als al-Qaida-infiltrierten Haufen darzustellen, die unverschämte Vorleistungen, nämlich den Abgang Gaddafis, einfordern, und so die Verhandlungen torpedieren und dem Friedensprozess nicht mal eine Chance geben, etc. etc. (weiterlesen…)

Die Legende lebt

Mittwoch, 06. April 2011

Dass der Reflex, den Islam reinzuwaschen von all den Gräueln, die er als zutiefst frauenfeindliche Ideologie maßgeblich mit zu verantworten hat, nicht nur unter Anhängern dieses Glaubens, sondern auch im wertkonservativen Spektrum durchaus anzutreffen ist – dafür soll uns der Georg Brunold von der FAZ ein weiteres Beispiel liefern.

Mit einem Bonmot von Enzensberger leitet dieser ehemalige Afrika-Korrospondent der „Neuen Zürcher Zeitung“ seine krude Apologie zum Thema Genitalverstümmelung ein. Was nicht ganz unpassend ist, hielt Hannah Arendt dem doch in den Sechziger Jahren ganz zu Recht vor, Auschwitz universalisieren zu wollen, um die Deutschen zu entlasten. „Wenn alle schuldig sind, ist es keiner“, so reagierte sie damals auf Enzensbergers Satz: “Faschismus ist nicht entsetzlich, weil ihn die Deutschen praktiziert haben, sondern weil er überall möglich ist”.

Brunold nun ist wie viele vor ihm angetreten, das Menschheitsverbrechen Genitalverstümmelung zu universalisieren – wenn es schon nicht zu leugnen ist. (weiterlesen…)

Westerwelle bemüht sich erfolgreich um deutsch-libysche Wirtschaftsbeziehungen

Mittwoch, 16. März 2011

Bald ist alles wieder so wie vorher. Vermutlich nicht in Japan. Aber in Libyen. Meint jedenfalls der Colonel, der in so einem Golfwägelchen vorfährt, um RTL ein Interview zu geben. Gaddafi gibt sich etwas verschnupft, was den “Westen” angeht. In Zukunft gingen libysche Aufträge an russische, chinesische und indische Firmen. “Der Westen kann uns vergessen.” Nur für die Deutschen kann er sich vorstellen, eine Ausnahme zu machen. Haben die doch “uns gegenüber eine sehr gute Position eingenommen”.

Damit bald alles wieder beim Alten ist und auch ein paar neue Exportaufträge von Diktatoren reinkommen, hat Guido Westerwelle an Seiten Rußlands eine Einigung unter den G8 erfolgreich hintertrieben. “Eine militärische Lösung ist keine Lösung”, sagt unser Außenminister hochanständig, so als wüßte er von der anstehenden militärischen Erlösung der rebellischen Bevölkerung vom Leben zum Tode durch den libyschen Colonel gar nichts. (weiterlesen…)

Pogrome im Namen Allahs

Donnerstag, 10. März 2011

Neben Ägypten ist auch Äthiopien derzeit Schauplatz muslimischer Pogrome gegen Christen. Saudi Arabien, das in Äthiopien auch wirtschaftlich sehr präsent ist, trägt mit seiner Förderung des Wahhabismus zumindest nicht eben zur Entspannung der Lage bei.

Große Reformer

Sonntag, 27. Februar 2011

“Er könnte der Modernisierer sein, den das Land braucht”, urteilte die Leiterin der Nahostabteilung von Human Rights Watch, Sarah Leah Whitson, die auch wesentlich für den “Israel-Knacks” bei HRW mit verantwortlich ist, noch im vorletzten Jahr über Saif al-Islam Gaddafi. Der “libysche Frühling”, so die reichlich unangemessene Bezeichnung einer Entwicklung, die nur punktuell und – wie sich bald zeigen sollte – bloß vorübergehend einige Erleichterungen brachte, sei vor allem der “Qaddafi Foundation for International Charities and Development” geschuldet, geleitet von Saif al-Islam.

Dieser Modernisierer hat mittlerweile gezeigt, was er außer viel heißer Luft um Demokratisierung und ähnliche Schöne Künste sonst noch zu bieten hat.

Einige Jahre zuvor stand bereits Syriens Bashar al-Assad als “Reformer” und “Modernisierer” hoch im Kurs, und auch dem saudischen King Abdullah und Marokkos Mohammed 6. sagte man selbiges nach. (weiterlesen…)

Ein Freund vom Colonel

Sonntag, 27. Februar 2011

Es gibt sie ja wirklich, die Menschen, die das Fatum Gaddafis ehrlich beklagen müssen. Schließlich zieht sich die Schlinge um ihren Hals damit auch ein bißchen enger. Ob sich Ould Abdel Aziz, der Präsident Mauretaniens, ein wenig grämt, daß er sich den falschen Busenfreund ausgesucht hat?

Watching his great patron, Mu’amar al-Qadhafi, struggle to hold together his crumbling regime must also weigh heavily on President Ould Abdel Aziz. Libya has been a major supporter of Ould Abdel Aziz financially and politically and these associations are well known. […] One should not expect an uprising in Mauritania — a place where political violence is exceptional — but there are pressures building from the the regional climate that may produce important developments in the country’s domestic politics in coming weeks and months. (The moor next door) (weiterlesen…)

“Gemeinsame Perversion”

Donnerstag, 24. Februar 2011

Jean Ziegler, Schweizer Sozialist, Israelhasser und Diktatorenfreund, der alles Unglück der Welt dem “American imperialism and its guilty arrogance” zuschreibt, verlässt das sinkende Schiff. Der Mitbegründer des Gaddafi-Menschenrechtspreises, der diesen auch 2002 selbst verliehen bekam, nennt nun die letzte Ansprache seines Freundes die Rede eines Verrückten. Ob er bei der morgigen Tagung des Un-menschenrechtsrats wieder seinen Platz im Beirat einnehmen wird?

Happy Revolutionary Valentine’s Day

Donnerstag, 17. Februar 2011

Aus dem Jungle Blog Von Tunis nach Teheran, mit wunderbaren Bildern.

Normalerweise feiern die Jugendlichen in Tunis den Valentinstag im privaten Kreis. Aber dieses Jahr war der 14. Februar auch der Tag, an dem unsere neue Freiheit ein Monat alt wurde. Also haben die Schüler und Schülerinnen beschlossen, im Zentrum von Tunis vor dem Stadttheater ein großes gemeinsames Fest der Liebe und der Revolution zu feiern, die Schülerinnen und Schüler hielten einander an den Händen, hatten Blumen dabei und riefen “Gleichheit, Gleichheit, Liebe”.


Bengasi, Libyen…

Mittwoch, 16. Februar 2011

Hundreds of people have clashed with police and pro-government supporters in the Libyan city of Benghazi, reports say. Eyewitnesses told the BBC the overnight unrest followed the arrest of an outspoken critic of the government. The lawyer was later said to have been released but the protests continued. (BBC)

enduring america mit updates: Thirty-eight people were injured in clashes between Libyan security forces and demonstrators in Benghazi overnight, the director of Al-Jala hospital told AFP.

2010 GMT: Al Jazeera English reports that hundreds of protesters “torched” Libyan police outposts in the eastern city of Al-Bayda (see video at 1745 GMT), while chanting: “People want the end of the regime.”

17. Februar, Libyen

Mittwoch, 09. Februar 2011

Die libysche Opposition ruft für den 17. Februar zu Demonstrationen auf. Da versteht selbst der größte Kaspar Arabiens mit den phantasievollsten Uniformen und den dunkelsten Sonnenbrillen keinen Spaß mehr:

Asharq Al-Awsat: In the last few days, Gaddafi privately met with Libyan political activists, journalists, and media figures and he issued severe warnings that these professions would be held responsible should they participate in any way in disturbing the peace or creating chaos in Libya. This was a source of frustration to those who attended these meetings and who had expected Gaddafi to inform them of his intention to carry out important political and economic reforms.

The opposition “Libya Al-Youm” website that is based in London quoted eye-witnesses who attended these meetings with Gaddafi, reporting that Gaddafi addressed the audience – the majority of whom were from cities in eastern Libya – in a tone of warning against the consequences of participating in any potential disturbances. [...] (weiterlesen…)

Eine Million gegen Einen

Dienstag, 01. Februar 2011

Die Armee will nicht schießen und die Menschen wollen nicht nachhause gehen, sondern im Gegenteil. Sie gehen heute zum Präsidentenpalast. Und selbst die Amerikaner fangen jetzt an zu drängeln. Mubarak muß man womöglich mitsamt seinem Schreibtisch wegtragen. Und außer der israelischen Regierung mag ihn eigentlich niemand mehr. Daß ausgerechnet das beim Panarabismus eines Tages hinten rauskommt, das hätte sich Nasser auch nicht vorstellen können. Mal sehen, ob man den Rais heute schon verabschiedet. Sonst morgen.

enduring america LiveBlog: Frederik Pleitgen of CNN reports, “Just saw pro Mubarak demo for the first time at information ministry. About 50 guys chanting with signs.”

Al Jazerra LiveBlog: An overnight curfew has just been lifted. Protesters there are planning to march on the Presidential Palace. If the numbers we’re hearing are realised, it will be the biggest effort yet in a determined campaign to drive out long-time president Hosni Mubarak.

Guardian LiveBlog: A planned million-person march has started, but not yet with the turnout protesters had hoped for.

Twittersound: @bencnn: Steady stream of men and women walking along Corniche to Tahrir Sq. I wouldn’t be surprised if they hit one million plus

Google demonstriert mit: ab jetzt twittern ohne Internetverbindung in Ägypten!

(Man mag das wie Spiegel online als PR-Coup diffamieren – dazu könnte man aber auch erwähnen, daß Wael Ghonim, Google-Marketingdirektor für den Nahen Osten, seit Tagen zu den vermißten Demonstranten gehört)

Platz der Befreiung oder Tiananmen?

Sonntag, 30. Januar 2011

Kampfpanzer in Cairo, Mubaraks Anhang in London, Ausgangssperre, Menschenmassen auf dem Tahrir Platz. Ein erstes Szenario für den Übergang:

Guardian LiveBlog: The Muslim Brotherhood says it would support the Nobel peace laureate Mohamed ElBaradei negotiating with the regime, Reuters reports, citing Arab TV channels.

enduring america LiveBlog: 1405 GMT: Two fighter jets have flown low over Tahrir Square, where at least 150,000 are gathered, according to one account. The protesters’ response? “LEAVE”.

Spiegel online: Die Kampfjets sind offenbar abgezogen, zumindest ist seit einigen Minuten das Donnern der Nachbrenner der Maschinen nicht mehr zu hören. Aus der Menge sind mit unverminderter Stärke Sprechchöre zu hören. Über Kairo bricht die Dämmerung herein.

Al Jazeera LiveBlog: Mohamed ElBaradei has joined protesters at Tahrir Square in central Cairo.