verlogen, verlogener, chomsky

12. März 2010, von Oliver M. Piecha

Wie wir letzte Woche durch besonders sinnige Worte Mahmouds erfahren haben, braucht der Iran ja gar keine Atombombe, weil die jungen Iraner die wahren Atombomben sind (und sich, so wohl die Hoffnung des “Präsidenten”, auf einem Knopfdruck von ihm in die Luft sprengen lassen). Was aber, wenn die Beteuerungen des iranischen Regimes, man habe nie, nie und nimmer an den Bau einer Atombombe gedacht, großes Ehrenwort & Indianerschwur, schlicht erstunken und erlogen sind? Nun, all die kritischen, querdenkerischen und engagierten Apologeten des Regimes weisen einen solchen Gedanken natürlich weit von sich… nur einer, und zwar einer der kritischsten, querdenkerischsten und engagiertesten aller Apologeten, der baut dann doch vor.

Alte Männer und ihre schmutzige geheime Liebe zur faschistischen Bombe: Lies den Rest des Artikels »

Verfolgte Reiche

11. März 2010, von Arvid Vormann

Differenzierung trägt nicht immer zur besseren Einsicht bei. Das wäre Ulrich Delius von der Gesellschaft für bedrohte Völker entgegenzuhalten, der erklärte (mp3), die Aussage, Christen seien heutzutage die meistverfolgte Glaubensgruppe, könne so nicht Bestand haben, weil es neben der Religion zahllose andere Gründe für Verfolgung gäbe. Als Beispiel nannte er die ägyptischen Kopten, denen in erster Linie deshalb zugesetzt würde, weil sie sich immer wieder als wirtschaftlich besonders erfolgreich erwiesen hätten. Die Begründung allein sollte als Projektion ins Auge fallen. Denn verfolgt werden in Ägypten nicht die wirtschaftlich Erfolgreichen, sondern die Kopten.

Zur Erinnerung III

10. März 2010, von Thomas von der Osten-Sacken

I witnessed something inspiring: Iraqis supporting rival groups laughed and joked with one another, they took pictures to honor the day, and left the station together speculating about the election’s outcome, and which of the winning lists would join together in parliament to form the government…

As an Iraqi, I am proud of what my country and people achieved this past weekend. Following disappointing elections in Afghanistan and controversial ones in Iran, we Iraqis showed that our country’s trajectory beams on a different path. Democracy in the Middle East is not impossible.

Let us hope the losers accept defeat with grace, the victors with the sense of huge responsibility that comes from recognizing the huge catalogue of pressing issues that they must tackle immediately once they assume governance.

Quelle

Ein Trümmerhaufen

10. März 2010, von Thomas von der Osten-Sacken

Was aus halbherzigen durchgeführten “humanitären Interventionen” wird, wenn danach dann noch NGOs und UN das Heft übernehmen, liest sich so:

Gut die Hälfte der für Somalia bestimmten Lebensmittelhilfe erreicht nach einem UN-Bericht nicht die bedürftigen Menschen in Somalia. Sie versickere bei korrupten Auftragnehmern, islamischen Extremisten und örtlichen UN-Mitarbeitern, sagte ein UN-Diplomat in New York über den noch nicht offiziell veröffentlichten Bericht des UN-Sicherheitsrats. Vor allem der Transport von Gütern werde von unzähligen Kontrollposten verschiedenster Gruppen von Milizen, Aufständischen und Banditen erschwert. Fahnder stünden oft vor der Situation, daß die Leute, gegen die sie gerade ermittelten, ihnen zugleich Schutz und Sicherheit böten. Dies begünstige eine »beträchtliche Umleitung« der von Hilfsorganisationen nach Somalia gebrachten Lebensmittel in die Lagerhäuser von Kartellen, die sie illegal verkauften. Die Hälfte der Einwohner des seit 20 Jahren von Krieg und Anarchie heimgesuchten Landes am Horn von Afrika – rund 3,7 Millionen – sind auf Lebensmittelhilfe angewiesen.

“Zu wichtig”

10. März 2010, von Thomas von der Osten-Sacken

Hamed Abdel-SamadErst wenn die etablierten politischen Partien sich ungehemmt kritisch zum Islam und zu jeder anderen Religion äußern können, werden die Rechtspopulisten keine politischen Argumente mehr finden, um Wählerstimmen zu mobilisieren. Der radikale Islam ist der beste Freund dieser Strömungen, denn er bietet ihnen täglich Vorlagen für ihre Kritik. Für mich ist die Islamkritik aber viel zu wichtig, um sie der Polemik zu überlassen. Sie ist viel zu wichtig, um sie in Emotionen zu verwandeln. Diese Kritik darf hart, aber muss ohne Ressentiment daherkommen. Sie muss nicht unbedingt immer sachlich, aber möglichst ergebnisorientiert sein. Und wenn Muslimen diese westliche Islamkritik so scharf erscheint, sollten sie das Heft in die Hand nehmen und diese Kritik selbst üben, denn der Islam hat in aller erster Linie ein Problem mit sich selbst, und dieses Problem kann nur von innen gelöst werden.

Irakische Reaktionen auf die Wahl

09. März 2010, von Thomas von der Osten-Sacken

Korrespondenten der New York Times haben überall im Irak Menschen über den Wahltag und die Wahlen befragt. Die Antworten sind ermutigend, oft anrührend und auch jeden Fall extrem lesenswert. Denn was man das liest hat mit der Behauptung, die Menchen im Irak seien entweder nicht reif für eine Demokratie oder aber wollten sie gar nicht so wirklich gar nichts zu tun.

Für Hartgesottene

09. März 2010, von Thomas von der Osten-Sacken

Man muss schon hartgesotten sein, um dieses Stück Literatur in der Taz ertragen zu können. Jedenfalls ist es Iris Hefets mit “Pilgerfahrt nach Auschwitz” gelungen, den mit Abstand widerwärtigsten Artikel in diesem, noch jungen, Jahr zu produzieren.

Das Schweigekartell XII

09. März 2010, von Thomas von der Osten-Sacken

Und, dies ebenfalls just for the record, kein einziges solidarisches Wort zu den Wahlen im Irak, zu den Menschen die trotz Bombendrohungen an die Urnen gingen, nichts vom linken Schweigekartell, das erneut, klickt man sich durch, einfach nichts zu sagen weiss.

Zur Erinnerung II

09. März 2010, von Thomas von der Osten-Sacken

Politics has returned to Iraq. More a gladiatorial than a contact sport, it is nonetheless the only avenue to the future if Iraqis of all beliefs and backgrounds – Sunni and Shia, Arab and Kurd, Muslim and Christian – are to have any future together. In that sense alone, the mere fact this broken country has been able to hold a second general election is close to a miracle in a region twisted by tyranny. (…)

What matters most is that the system as a whole is inclusive. Institutions are now seen as booty. That will not change overnight. Nor will Iraqis, after their recent history of dictatorship, wars, invasion, occupation and ethnic cleansing, suddenly happen upon a shared national narrative.

But ordinary Iraqis braved the bombers to vote for something. The least they deserve is working institutions, including a genuinely national government with an opposition that holds it to account.

Quelle

Ganz jenseits

08. März 2010, von Hans Branscheidt

Der glückliche Volker Perthes kennt ein „Jenseits“ neben der Focussierung der Realität: weiter „auf den Iran zugehen“, um mit ihm über die „Menschenrechte“ zu reden. Denn Ahmadinejad  i s t  ja schon dialogbereit die ganze Zeit auf uns zugekommen: wir haben es nur nicht bemerkt !

Keine Frage für mich, daß in nicht ferner Zeit die Bewaffnung des Mullah Regimes mit strategischen Atomwaffen im Namen der Menschenrechte legitimiert werden wird.

Widersprüchliche Kleinigkeiten dabei (siehe unten), wie einmal die IAEO zum kompetenten Kontrolleur zu ernennen, um ihr – die in der Tat noch nie etwas zeitig erkannt hätte – drei Sätze später dieses Vertrauen sofort wieder abzusprechen: das ist eben die creme de la creme der deutschen Nahost-Analytik:

Jenseits des Atomstreits/ Der Westen sollte in der Nuklearfrage auf Iran zugehen - Menschenrechtsverletzungen muß er aber auch anprangern
von Volker Perthes

Der neue und alte iranische Präsident Mahmud Ahmadineschad zeigte dann in der Tat, daß er mit den Sicherheitsratsmächten und Deutschland im Gespräch bleiben wollte, um im Atomstreit zumindest zu diplomatischen Zwischenlösungen zu gelangen. Dies ist ihm aber, obwohl er zweifellos zu den Hardlinern gehört, nicht gelungen. (….)

Lies den Rest des Artikels »

Zur Erinnerung

08. März 2010, von Thomas von der Osten-Sacken

Nobody in Iraq would have voted yesterday if Saddam Hussein’s regime or one led by his odious sons, was still in power.

Daran erinnert der Telegraph in seiner inforamtiven Berichtersattung über die Waheln im Irak und ihre Implikationen für das Land und die Region. Überschrift: Democracy takes root in the Middle East.

Todenhöfer: ganz ganz deprimierend

07. März 2010, von Arvid Vormann

Der dlf gab Jürgen Todenhöfer kürzlich Gelegenheit, zu den im Irak anstehenden Wahlen Stellung zu nehmen (mp3). Der aber findet Wahlen gänzlich überflüssig und sieht sich da (natürlich fälschlicherweise) sehr einig mit der irakischen Bevölkerung, für die Wahlen ja auch erst an “10. oder 11. Stelle” stünden.

Überhaupt sei im Irak alles “ganz ganz deprimierend”, u.a. weil sich der “irakische Widerstand” (das sind die gemäßigten säkularen Kräfte, klärt Todenhöfer auf) und Angehörige des alten Baath-Regimes nicht zur Wahl stellen dürfen. Wenn also diese von Todenhöfer so hochgeschätzte Terrorfraktion nicht an Wahlen teilnehmen darf, dann kann man die Wahlen auch nicht als frei bezeichnen - so Todenhöfer.

Gut, dass der Deutschlandfunk immer mal wieder Experten zu Wort kommen lässt. Hilft einfach sehr bei der Meinungsbildung. Und ist so erbaulich. Um das Niveau im Öffentlich-Rechtlichen noch etwas zu heben, schlage ich eine Talkrunde vor: Todenhöfer, Sabine Schiffer, Udo Steinbach, Willy Wimmer, Norman Paech, Moderation: Jürgen Elsässer, diskutieren über: Pulverfass Nahost.

Irak Wahlen Live Blogging

07. März 2010, von Thomas von der Osten-Sacken

Die New York Times begleitet die Wahlen im Irak mit einem informativen Live Blog aus verschiedenen Teilen des Landes.

“Nur für Frauen”

07. März 2010, von Thomas von der Osten-Sacken

Ein Veranstaltung des Bremer Friedensforums, das so den Internationalen Frauentag zu begehen plant:

Fatih-Moschee Gröpelingen, “Abgeschnitten vom Lebensnotwendigen?” Gemeinsame Veranstaltung zu Palästina von Schura, Fatih-Moschee und Bremer Friedensforum zum Internationalen Frauentag (für Frauen).

Clara Zetkin hätte denen was zu erzählen, würde sie noch leben. Und friedfertig wäre sie dabei vermutlich keineswegs. Und ohne Kopftuch käme sie auch.

Auf den Punkt gebracht

06. März 2010, von Oliver M. Piecha

Aha! Dr. Mahmoud trägt seinen Doktortitel nicht umsonst.

Iranian President Mahmoud Ahmadinejad says the capitalist system, which has been established by Israel is inching towards its end.

Endlich sagt es mal einer. Die ganze historische Wahrheit schlüssig in einem Satz. Der Rest sind Anmerkungen:

“The US attack and NATO expedition into the region were merely aimed at saving liberal democracy and the capitalist thought,” said the president.
Ahmadinejad said the September 11, 2001 attacks were part of a “scenario and a complicated intelligence move” and added, “The September 11 incident was a big lie aimed at finding the pretext to fight terrorism but it prepared the ground for adventurism in Afghanistan.”
usw. via Press TV

Kurzgefaßt, der Iranische Präsident sagt in nuce all das, was besonders kritische, engagierte, nachdenkliche, betroffene, querdenkerische, hinterfragende, subversive, oppositionelle, antizionistische, antiimperialistische, linke, rechte, grüne, nationalistische, völkische, realsozialistische, nationalsozialistische,  jedenfalls  unzählige moralisch hochstehende Zeitgenossen in endlosen Schleifen seit Jahr und Tag immer und immer wieder gepredigt haben:

Der Jude ist unser Unglück.

Nein, mit Antisemitismus hat das bestimmt nichts zu tun. Vielleicht ja mit Islamophobie?

Aber das ist eine andere Diskussion.

Antisemitische Islamophobie in historischer Perspektive

06. März 2010, von Oliver M. Piecha

Eine Rezension in der FAZ widmet sich drei Publikationen zum Thema Antisemitismus & Islamophobie. Da das Thema an sich abstrus ist, sind es die drei besprochenen Bücher wohl auch, das kann man dem etwas herumirrenden Text der Besprechung entnehmen, der davon angetrieben ist, den angeblichen Zusammenhang der beiden Begriffe irgendwie zu affimieren, ohne möglichst den offensichtlich vom Rezensenten selbst als nicht hundertprozent seriös eingeschätzen Publikationen unumwunden zuzustimmen. (Bezeichnend in diesem Zusammenhang, wer bisher jenseits der FAZ etwa das Buch von Sabine Schiffer rezensiert hat). Außerdem muß der betreffende FAZ-Redakteur unbedingt ein bißchen auf Necla Kelek herumprügeln (die sich in derselben Zeitung ja immer wieder “islamkritisch” - schlimm, schlimm - geäußert hat), sowie seiner drängenden Hassliebe zur Familienministerin breiten Ausdruck geben (”Bundestagshinterbänklerin”, “Jungpolitikerin auf dem Ticket der Islamexpertin”).

Was das alles soll, erschließt sich nicht recht. Nur daß sich dahinter Zwanghaftigkeit und unbedingtes Islamophobie-Wollen geradezu gebärdenhaft offenbart, das wird jedenfalls deutlich. Hinzu tritt der anscheinend auch besonders drängende Wunsch, das ächzende Konstrukt des Zusammenhangs von Antisemitismus und “Islamfeindschaft” unbedingt auch noch historisch einzubetten. Darin hat sich vor kurzem ja schon ein Soziologieprofessor intellektuell etwas hilflos versucht - Stichwort “Treitschke”.

Hier heißt es nun unvermittelt und abschließend: Ein Bündnis von strenggläubigen Christen und religionskritischen Rationalisten mit Erfolg bei einem bürgerlichen Publikum, das über die weltanschaulichen Antriebe der Protagonisten nicht nachdenkt: Als ein so beschriebenes Phänomen der Ideologiegeschichte lässt sich die Islamkritik tatsächlich mit dem Antisemitismus der Gebildeten im deutschen Kaiserreich vergleichen.

Versteht das jemand?

Zu den Wahlen im Irak

05. März 2010, von Thomas von der Osten-Sacken

Zu den Wahlen im Irak ein Artikel von mir aus der aktuellen Jungle World und ein Interview mit mir aus dem Kölner Stadtanzeiger.

Normative Kopftücher

05. März 2010, von Thomas von der Osten-Sacken

Der Exzellenzcluster an der Johann Wolfgang Goethe Universität lädt zu einer Konferenz: Formation of Normative Orders in the Islamic World. Was das sein soll? Ungefähr dies:

The conference contributes to a process of mutual academic understanding between the so-called East and the so-called West, or, in Goethe’s terminology, the Orient and the Occident. It brings together scholars from various countries and disciplines, in order to encourage interdisciplinary discussion and to deepen the understanding of Islam in Europe, Southeast Asia, and the Middle East. By hosting this conference in Frankfurt, we also wish to take a stand on anti-Islamic and anti-Muslim prejudices, and work together for the establishment of an interfaith dialogue on global justice, human rights, and peace.

Und weil es so schön zu dem Text passt, wird die Konferenzeinladung dann mit diesem Photo von fünf kopftuchtragenden Minderjährigen bebildert. So also stellen sie sich offenbar den Islam vor, mit dem sie dann in den interfaith dialogue zu treten gedenken:


FGM: Täterschutz durch Schweigepflicht

04. März 2010, von Arvid Vormann

Die TaskForce FGM erklärt in ihrer neuesten Pressemitteilung: “Eltern, die in Deutschland leben und an ihren Töchtern eine Genitalverstümmelung veranlassen, müssen auch in Zukunft keine Strafverfolgung fürchten.”

Genitalverstümmelung wird bereits von der bestehenden Gesetzgebung als schwere Straftat erfasst. Nur verurteilt wird niemand, obwohl wahrscheinlich von mehreren Taten - pro Tag! - ausgegangen werden muss. Ein eigener Straftatbestand FGM, wie er aktuell im Bundesrat diskutiert wird, ändert nichts an diesem Vollzugsdefizit. Und das kommt so zustande:
Lies den Rest des Artikels »

Drei Zitate

04. März 2010, von Thomas von der Osten-Sacken

Die Frankfurter Rundschau von heute:
Was können wir froh sein, dass wir in Deutschland die NPD haben und nicht so einen schicken modernen Rechtspopulisten wie Geert Wilders in den Niederlanden.

Die Süddeutsche von heute:

Wilders besetzt Themen, die Menschen betreffen, welche an sich nicht das klassische Rechtsaußen-Potential ausmachen: Frauen, Arbeiter, Homosexuelle, Juden und Wertekonservative. Er stilisiert sich auch als Verteidiger von Menschenrechten - und unterstreicht, wie durch den Koran die Freiheit von Frauen, von Schwulen und Lesben angeblich beschränkt wird. (…) Auf die bei manchen vorhandenen antideutschen Reflexe setzt Wilders, wenn er den Islam faschistisch nennt und den Koran mit Hitlers Hetz-Pamphlet Mein Kampf vergleicht.

Frank A. Mayer nach dem Schweizer Referendum gegen Minarette:

In der Frage der Menschenrechte verzichten die Sozialdemokraten, die Grünen und die Feministinnen auf jede Kritik am Islam. Sie verraten damit seit Jahren, wofür sie angetreten sind: die Ideale der säkularen und bürgerlichen Gesellschaft. Und was am stossendsten ist: Sie verraten, wofür sie über Generationen hinweg gekämpft haben: die Gleichberechtigung der Frauen.