<html>
<head>
<title>Zeit f&uuml;r den Wechsel</title>
<meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=iso-8859-1">
<meta name="description" content="">
<link rel="stylesheet" type="text/css" href="display.css">
<link rel="stylesheet" href="../../formate/text-NN.css" media="screen">
<link rel="stylesheet" href="../../formate/text.css" media="all">

<style type="text/css">
<!--
#Marke {position: absolute; visibility: hide;}
div.center { text-align:center; }
div.center table { margin-left:auto; margin-right:auto; }
-->
</style>
<script LANGUAGE="JavaScript" TYPE="text/javascript">
<!--

function init(){}
function positionierung(){}

//-->
</script>
<script src="../../scripte/pfeilup.js" TYPE="text/javascript"></script>
</head>

<body bgcolor="#FFFFFF" text="#000000" background="../../img/hg-raster-pix.gif" onLoad="init()" onResize="positionierung()" onScroll="positionierung()">
<SCRIPT LANGUAGE="JavaScript" src="../scripte/monitor/1024_start.js"></script>
<div ID="Marke"></div>
<table width="780" border="0" cellspacing="0" cellpadding="0">
  <tr> 
    <td valign="top" rowspan="2" width="120"> 
      <div align="center">
        <p><img src="../../img/blind.gif" width="130" height="8"><br>
          <a href="../../index.htm"><img src="../../img/logo-blau_32x100.gif" onFocus="if(this.blur)this.blur()" width="100" height="32" border="0"></a></p>
        <p>&nbsp;</p>
        <p><a href="#" onClick="history.back()"><img src="../../img/textback.gif" width="38" height="25" border="0" alt="zur&uuml;ck"></a></p>
      </div>
    </td>
    <td height="40" valign="top" width="540"> 
      <SCRIPT LANGUAGE="JavaScript" src="../../scripte/inserts/likolumn.js"></script> 
    </td>
    <td rowspan="2" width="120" valign="top"> 
      <div class="druckvers"><a href="../../scripte/print.php">Druckversion</a></div> 
    </td>
  </tr>
  <tr> 
    <td bgcolor="#FFFFFF"> 
	<!-- startprint --> 
      <div class="text"> 

 
            <h2>Zeit f&uuml;r den Wechsel</h2>
            <p><b>&raquo;Lang lebe die Freiheit! Lang 
              lebe der S&auml;kularismus!&laquo;, erkl&auml;ren 
              iranische Studenten. Seit George W. Bushs 
              Diktum vom &raquo;Regime Change&laquo; 
              scheint Befreiung im Nahen Osten wieder 
              m&ouml;glich zu sein. </b></p>
            <p><i>von thomas von der osten-sacken und 
              thomas uwer</i></p>
            <p>Es ist ein k&uuml;hner Gedanke. Erstmals 
              nach dem &raquo;Ende der Geschichte&laquo;, 
              das Francis Fukuyama jubelnd und viele 
              Kommunisten resignierend konstatierten, 
              ist Befreiung wieder etwas, das m&ouml;glich 
              erscheint; und zwar ausgerechnet in einem 
              Teil der Welt, der schon lange vor 1989 
              unter der Herrschaft monolithischer Regime 
              in Agonie versunken schien. Im Nahen Osten 
              gewinnen n&auml;mlich nicht nur die Islamisten 
              an Zulauf und Unterst&uuml;tzung, sie 
              versch&auml;rfen zugleich einen seit langem 
              schwelenden Konflikt. </p>
            <p>W&auml;hrend die iranischen Bassiji-Milizen 
              am Freitag, dem &raquo;Jerusalem-Tag&laquo;, 
              mit weiteren Unterst&uuml;tzern des Mullah-Regimes 
              zu Hunderttausenden in Teheran gegen Israel 
              demonstrierten, fordern die iranischen 
              Studenten mittlerweile nichts weniger 
              als ein Ende der Theokratie. &raquo;W&auml;hrend 
              die USA das herrschende Regime im Iran 
              als Teil der Achse des B&ouml;sen bezeichnet 
              haben&laquo;, hei&szlig;t es in einem 
              Flugblatt des studentischen Koordinationskomitees 
              f&uuml;r Demokratie in Iran, &raquo;(...) 
              und die iranische Nation schreit, 'lasst 
              Pal&auml;stina in Ruhe, denkt an uns', 
              fahren die Herrscher der Tyrannei (...) 
              mit ihren antisemitischen Shows und Erkl&auml;rungen 
              fort.&laquo; Das ist ein einfacher Gedanke 
              und es folgen einfache Forderungen: &raquo;Lange 
              lebe der S&auml;kularismus! Lang lebe 
              die Freiheit!&laquo; Das Wohl und Wehe 
              der iranischen Bev&ouml;lkerung h&auml;nge 
              n&auml;mlich, hei&szlig;t es, nicht von 
              der Existenz eines pal&auml;stinensischen 
              Staates ab, sondern von der Gewalt des 
              eigenen Regimes. </p>
            <p>Zwei Grundpfeiler nah&ouml;stlicher Politik 
              werden damit quasi im Handstreich beseitigt: 
              die Konzentration und Verlagerung aller 
              politischen &Auml;u&szlig;erungen auf 
              den israelisch-pal&auml;stinensischen 
              Konflikt und der &raquo;kritische Dialog&laquo; 
              mit den Eliten, der nicht der Demokratisierung 
              dient, sondern der Aufrechterhaltung diktatorischer 
              Herrschaft. </p>
            <p>In Europa sorgt beides f&uuml;r Unruhe. 
              Erstmals richtet sich der Zorn der Bev&ouml;lkerungen 
              nicht gegen die USA und Israel, sondern 
              gegen die eigenen Regierungen. Lange bevor 
              Regierungen st&uuml;rzen, wirkt sich der 
              von George W. Bush angek&uuml;ndigte &raquo;Regime 
              Change&laquo; bereits auf die europ&auml;ische 
              Nahostpolitik aus, die auf die Stabilisierung 
              unhaltbarer Verh&auml;ltnisse und den 
              Dialog mit den Eliten setzt. </p>
            <p>Einzig aus dieser Perspektive hatten 
              die deutschen Kommentatoren Recht, als 
              sie die &raquo;Iran-Rede&laquo; George 
              W. Bushs im Sommer dieses Jahres als gef&auml;hrliches 
              Spiel mit der Macht interpretierten. Dass 
              die &raquo;Menschen im Iran die gleichen 
              Freiheiten, Menschenrechte und M&ouml;glichkeiten 
              wie alle Menschen auf der Welt&laquo; 
              haben sollten, erkl&auml;rte Bush damals. 
            </p>
            <p>Es war eine Botschaft, die in Teheran 
              wie in anderen St&auml;dten des Nahen 
              Ostens verstanden wurde. W&auml;hrend 
              die Mullahs im kritischen Dialog weiterhin 
              das westliche Konzept der Menschenrechte 
              als Kulturimperialismus ablehnen und ihnen 
              die wahren &raquo;islamischen Rechte&laquo; 
              entgegensetzen, wollten, wie Reuel Marc 
              Gerecht k&uuml;rzlich im Weekly Standard 
              schrieb, die iranischen Studenten vor 
              allem jene Freiheit, f&uuml;r die wie 
              kein anderes Land die USA st&uuml;nden. 
            </p>
            <p>Neben Gerecht sehen sich derzeit auch 
              US-amerikanische Linke mit dem Ph&auml;nomen 
              konfrontiert, dass ausgerechnet der konservative 
              und zutiefst religi&ouml;se Bush mit Erfolg 
              eine f&uuml;r die arabischen Staaten revolution&auml;re 
              Botschaft verbreitet, wie es seit Woodrow 
              Wilson in der amerikanischen Au&szlig;enpolitik 
              nicht mehr geschah. W&auml;hrend Wilson 
              1918 aber das &raquo;Selbstbestimmungsrecht 
              der V&ouml;lker&laquo; propagierte, trete 
              Bush f&uuml;r die Freiheit des Individuums 
              ein und sei der tiefen &Uuml;berzeugung, 
              dass die &uuml;berw&auml;ltigende Mehrheit 
              der Muslime sich nach &raquo;Freiheit 
              und Rechtsstaatlichkeit sehnten, als einem 
              angeborenen Menschenrecht&laquo;, schreibt 
              Gerecht. </p>
            <p>Wie auch immer das pers&ouml;nliche Verst&auml;ndnis 
              George W. Bushs von der Welt und ihren 
              Dingen beschaffen sein mag, die Ereignisse 
              geben ihm Recht. So meldete auch die FAZ, 
              den demonstrierenden Stundenten gehe es 
              nicht mehr darum, den so genannten Reformfl&uuml;gel 
              um Khatami zu st&auml;rken, sondern um 
              einen grundlegenden Bruch mit der islamischen 
              Theokratie. </p>
            <p>Und auch der iranische Schriftsteller 
              Faradj Sarkuhi richtet sich gegen die 
              europ&auml;ische Interpretation der Ereignisse. 
              &raquo;Bei der Analyse der Situation im 
              Iran reduzieren sie alles, was geschieht, 
              auf eine Auseinandersetzung zwischen verschiedenen 
              Fl&uuml;geln der iranischen Regierung 
              (...) Wichtige und einflussreiche Teile 
              der iranischen Gesellschaft werden dabei 
              einfach ausgeblendet: Die meisten iranischen 
              Journalisten und Schriftsteller, der gr&ouml;&szlig;te 
              Teil der Studentenbewegung und die Mehrheit 
              der Bev&ouml;lkerung ist prinzipiell gegen 
              jede Form von Theokratie und Despotie.&laquo; 
            </p>
            <p>Das ist nicht neu. Neuerdings aber scheint 
              sich mit George W. Bush und den &raquo;Falken&laquo; 
              ein interessierter Dritter anzubieten, 
              der nicht auf die Eliten und eine Reform 
              von oben, sondern auf die Bev&ouml;lkerung 
              und den Sturz der Regierungen setzt. Das 
              propagierte und praktizierte Konzept des 
              &raquo;Regime Change&laquo; ist vor allem 
              ein Wechsel des Subjekts, dessen sich 
              die US-amerikanische Politik im Nahen 
              Osten anzunehmen verspricht. </p>
            <p>Und zwar mit Erfolg. Im Iran wie auch 
              im Irak ist die M&ouml;glichkeit gegeben, 
              &uuml;ber Befreiung &uuml;berhaupt wieder 
              nachzudenken. W&auml;hrend in Teheran 
              die Legitimit&auml;t des Regimes zu schwinden 
              scheint, debattiert die irakische Opposition 
              bereits &uuml;ber die Form eines Staates 
              nach Saddam Hussein. In Irakisch-Kurdistan 
              verabschiedete das Parlament gar eine 
              Verfassung f&uuml;r den ganzen Irak, statt 
              sich dar&uuml;ber Gedanken zu machen, 
              wie der Status quo weiter aufrechterhalten 
              werden k&ouml;nne. </p>
            <p>Und erstmals wird in den USA, aber auch 
              in saudischen Exilkreisen debattiert, 
              wie Saudi-Arabien ohne das Haus Saud zu 
              regieren sei. Die jahrzehntelange Erstarrung 
              einer Region, in der bislang keine Regierung 
              gest&uuml;rzt oder zumindest abgew&auml;hlt 
              wurde und kein Konflikt l&ouml;sbar erschien, 
              schwindet. </p>
            <p>Das kommt nicht aus heiterem Himmel. 
              W&auml;hrend der neunziger Jahre, als 
              der zivilgesellschaftliche Wandel die 
              Regierungspolitik und den Soziologendiskurs 
              bestimmte, wunderte man sich hin und wieder 
              dar&uuml;ber, dass au&szlig;er ein paar 
              Debattierzirkeln in Damaskus die Reformkr&auml;fte 
              nicht entstehen wollten, die wenigstens 
              kosmetische Ver&auml;nderungen h&auml;tten 
              bewirken k&ouml;nnen. Nirgendwo zeitigte 
              der Einsatz f&uuml;r die reformbereiten 
              Kr&auml;fte innerhalb der Eliten einen 
              Erfolg. Diese Eliten, auf die auch die 
              US-amerikanische Nahostpolitik weiter 
              setzte, waren tats&auml;chlich vollkommen 
              alternativlos, da sie jeden m&ouml;glichen 
              Konkurrenten entweder bereits absorbiert, 
              ins Exil getrieben oder vernichtet hatten. 
            </p>
            <p>Die US-Politik der neunziger Jahre, die 
              einen Herrscher wie Saddam Hussein gegen 
              den Willen der irakischen Bev&ouml;lkerung 
              an der Macht hielt, folgte blindlings 
              der historischen Gewohnheit, gegen die 
              gef&uuml;rchteten &raquo;arabischen Massen&laquo; 
              auf milit&auml;rische F&uuml;hrungsriegen 
              und den Erhalt oligarchischer Herrschaftsstrukturen 
              zu setzen. Unter dieser Bedingung bedeutete 
              Ver&auml;nderung im Nahen Osten bislang, 
              dass in Syrien und Jordanien die S&ouml;hne 
              der jeweiligen Herrscher und in Saudi 
              Arabien ein Halbbruder die Macht &uuml;bernahmen. 
            </p>
            <p>&raquo;Alles wurde bislang im Nahen Osten 
              versucht&laquo;, schrieb der konservative 
              Kolumnist Victor D. Hanson k&uuml;rzlich, 
              man kooperierte mit s&auml;kularen und 
              religi&ouml;sen Diktaturen, f&uuml;hrte 
              einen &raquo;Dialog der Kulturen&laquo; 
              und bestrafte unbotm&auml;&szlig;ige Regimes. 
              Nur eines sei bislang nicht versucht worden: 
              &raquo;Freiheit&laquo;. </p>
            <p> </p>
            <p><i>in jungle world 50/ 2002 v. 4. 12. 
              2002</i></p>
            </div><!-- stopprint -->
        <div class="foot">
		<hr size="1">
		WADI e.V. | tel.: (+49) 069-57002440 
          | fax (+49) 069-57002444 <br>
          <a href="http://www.wadinet.de">http://www.wadinet.de</a> 
          | e-mail: <SCRIPT LANGUAGE="JavaScript" src="../../scripte/inserts/atinfo.js"></script></div>
      </td>
  </tr>
  <tr> 
    <td colspan="3" height="32"></td>
  </tr>
</table>
<SCRIPT LANGUAGE="JavaScript" src="../scripte/monitor/1024_end.js"></script>
</body></html>

